Eine herbe Niederlage für Roderich Kiesewetter und die CDU

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Die Wahllokale sind geschlossen, die Fußgängerzone ist wie leer gefegt.
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Erstmals holt ein CDU-Kandidat in Ellwangen weniger als 50 Prozent der Stimmen bei einer Bundestagswahl. Auch die AFD verliert deutlich.

Ellwangen

Wie sehr ein Thema diese Wahl geprägt hat, das konnte jeder sehen, der am Sonntagabend zur Auszählung ins Rathaus kam. Nur: dort war kaum jemand. Wo sonst Bürgerinnen und Bürger auf den Großbildschirm und die Balkendiagramme starrten, erregt miteinander diskutierten, wenn die Ergebnisse aus den Teilorten so nach und nach eingingen, da herrschte dieses Mal die große Leere. Das Auszählungsteam der Stadtverwaltung war praktisch unter sich.

Warum sich einem Risiko aussetzen, dachten wohl viele. Die Auszählung kann ich auch bequem von zuhause aus verfolgen. Die Coronapandemie prägte diesen Urnengang ganz massiv: Über 50 Prozent der Wählerinnen und Wähler bevorzugten die Briefwahl.

Ergebnis ist gegen 20.45 online

Damit hatte man bei der Stadtverwaltung bereits gerechnet und Wahllokale zusammengelegt. Entsprechend veränderte sich die Auszählung. Gegen 20.45 Uhr war das vorläufige Ergebnis online: 45,83 Prozent wählten Roderich Kiesewetter, ein Verlust gegenüber 2017 von fast 10 Prozent. 17,08 Prozent stimmten für Leni Breymaier, die knapp 2 Prozent hinzugewann. 10,79 Prozent für Margit Stumpp, plus 2,5 und 8,99 für Arian Kriesch, fast drei Prozent mehr als seine Parteikollegin Silke Leber 2017 erreichte. 8,44 Prozent stimmten für Jan-Hendrik Czada, ein Verlust von über einem Prozent gegenüber dem Ergebnis, das Ruben Rupp 2017 erzielte.

Der große Verlierer

Einen großen Verlierer gibt es 2021 an der Jagst: Roderich Kiesewetter, der mit der CDU in Ellwangen erstmals unter die 50-Prozent-Marke gerutscht ist. Bei den Zweitstimmen machten sogar nur noch 33,6 Prozent bei der CDU ihr Kreuz, exakt 4614 Ellwangerinnen und Ellwanger. Da hatten viele, die bislang treu zur CDU standen, offensichtlich Zweifel, dass Armin Laschet der richtige Nachfolger von Angela Merkel sei.

Verlierer ist auch die AFD, die deutlich hinter das Ergebnis von 2017 zurückfällt, als die Flüchtlingsthematik noch ein Aufreger war.

Gewinner sind Leni Breymaier und die SPD. Sie kann Boden gut machen, aber das Ergebnis von 2013 erreicht sie nicht. Die Grünen setzen den Lauf fort und steigern ihr Ergebnis erneut auf 12,66 Prozent bei den Zweitstimmen, fast drei Prozent Gewinn. Richtig erstaunlich ist jedoch das Zweitstimmenergebnis der FDP: 15,13 Prozent, fast vier Punkte mehr als noch 2017. Bei den Zweitstimmen sind die Liberalen die drittstärkste Partei und liegen noch vor den Grünen.

Die Linke unter „ferner liefen“.

Die Linke landet mit 2,67 Prozent unter „ferner liefen“. Dabei hatte sie 2017 noch 5,1 Prozent der Zweitstimmen erhalten. Jetzt wird sie von den Freien Wählern überholt, die mit 2,83 Prozent von den „Sonstigen“ noch am besten abschnitten. Die Querdenker-Partei „Die Basis“ kam auf 1,61 Prozent.

Die Analyse nach Wahllokalen und Teilorten ist aufgrund der starken Briefwahl nur noch bedingt aussagekräftig: Was man aber sagen kann: Kiesewetter und die CDU kommen in Röhlingen, Pfahlheim und Schrezheim noch über die 50 Prozent. Die Grünen haben in Röhlingen ihr schlechtestes Ergebnis.

Gerhard Königer

Ein Kommentar von Gerhard Königer über die Wahl aus Ellwanger Sicht.

Auszählung im Wahllokal 1, Rathaus Ellwangen: während im kleinen Sitzungssaal noch gezählt wird, wartet man im großen Sitzungssaal auf die Ergebnisse.

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