Eine Reise in die eigene Vergangenheit

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Olena Serpen am Samstagabend im Palais Adelmann.
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Olena Serpen erzählt, woher die Galiziendeutschen kamen und wie sie gelebt haben.

Ellwangen. Über das Deutschtum in Galizien referierte die ukrainische Künstlerin, Journalistin und Autorin Olena Serpen am vergangenen Samstag im Palais Adelmann.

In Lemberg geboren, fand sie im Jahr 2016 eher zufällig Interesse daran, sich näher mit der Vergangenheit der Deutschen in ihrer Heimat zu beschäftigen. Seither ist es ihre Mission, das Thema weiter zu verbreiten. In vielen Ländern hat sie Einladungen bei Rundfunk und Fernsehen bekommen, um auch dort ihr Buch über das Thema vorzustellen.

Bis 1939 lebten in der Region Galizien Deutsche in 364 Siedlungen. Was hatten sie für ein Kulturleben, welchen Glauben lebten sie und was für Menschen waren das, die sich in dem Gebiet nahe dem Schwarzen Meer und in den Karpaten ansiedelten.

Die Geschichtsforscherin ist begeistert von ihrer Arbeit, hat das Buch vor allem für ihre ukrainischen Freunde geschrieben, die wenig bis nichts über ihre Abstammung wussten. Serpen hat die Geschichte der „Lemberger Schwaben“ nicht mehrlosgelassen, hat deren Geschichte aufgearbeitet und in dem Buch„Galiziendeutsche erzählen“ zusammengefasst.

Eine großartige Reise sei es gewesen, sagt die Journalistin, die nach ihrem Vortrag einen kurzen Dokumentarfilm zeigt, der einen Einblick in das Leben, Arbeiten und kulturelle Miteinander wiedergibt. Mehre Religionen seien damals zusammengekommen, hätten miteinander gelebt, gefeiert und gearbeitet.

Aus der Pfalz, aus Schwaben und dem Saarland sind viele Siedler gekommen, da durch häufige Kriege eine Verarmung stattgefunden hat. Eine wechselhafte Geschichte prägt die Zeit, seit die Menschen sich dort ab dem 18. Jahrhundert niedergelassen haben. Viele Einwanderungswellen haben stattgefunden, später aber auch wieder Auswanderungen nach Amerika, was viele Siedlungen verschwinden ließ.

Viele Ukrainer sind froh, endlich mehr zu erfahren aus der Vergangenheit, sagt Olena Serpen. Heute sprechen die Bewohner ukrainisch, bis zum Zweiten Weltkrieg wurde deutsch gesprochen, deutsche Volkslieder gesungen und es gab deutsche Schulen. Jeder war stolz auf seine Tracht, die selbst die Jugend stets in Ehren hielt und bei Feierlichkeiten zur Schau stellte, wie im Dokumentarfilm zu sehen ist.

Dass die Geschichtsforscherin nicht nur erzählen und schreiben kann, sondern auch eine schöne Stimme hat, bewies sie im zweiten Teil des Abends, indem sie Lieder ihrer Heimat, aber auch ein deutsches Lied aus der Zeit der Galiziendeutschen zum Besten gab. Uwe Glowienke

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