Eine Stadt mit großen Baustellen

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Schwierige Baustelle: Der Umbau des Z-Bau auf dem Kasernengelände zur EATA bindet enorme finanzielle und personelle Kräfte. Für die Reißleine ist es zu spät. OB Dambacher will das Projekt so schnell wie möglich fertigstellen.
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Oberbürgermeister Michael Dambacher spricht über die großen Herausforderungen der kommenden Monate in Ellwangen.

Ellwangen

Er ist noch kein Jahr im Amt, dirigiert aber bereits verschiedene Großprojekte mit gewaltigen Investitionssummen. Oberbürgermeister Michael Dambacher wusste schon bei seiner Kandidatur, dass er vieles zu managen haben wird, das bereits auf dem Gleis sitzt. Was er nicht wusste: dass er plötzlich eine extreme Krisensituation zu meistern hat, für die es keine Blaupause gibt.

Herr Dambacher, wie fühlen Sie sich im Moment auf dem Sessel des Oberbürgermeisters?

Michael Dambacher: Eigentlich ganz gut. Ich habe interessante Aufgaben und ein hervorragendes Team. Das hat man in den letzten Wochen gesehen, als wir in der Coronapandemie schnell handeln mussten. Ich glaube, es ist uns gut gelungen die Verwaltung trotz aller Schwierigkeiten funktionsfähig zu halten, auch wenn wir in mancherlei Hinsicht an die Grenze der Belastbarkeit kamen.

Weniger gut läuft es beim größten Bauprojekt der Stadt, beim Umbau des Z-Baus zur EATA. Manche Bürger sagen, man müsste die Reißleine ziehen, bevor es zu spät ist.

Das ist längst nicht mehr möglich, da sind Verträge unterzeichnet, Fördergelder geflossen, die Bauarbeiten laufen. Die Stadt hat da ein gewaltiges Projekt angenommen, das 15,6 Millionen Euro kostet, bei 9 Millionen Euro Förderung. Das ist finanziell eine Herausforderung und bindet enorme personelle Kapazitäten.

Laut Frau Balk vom Stadtbauamt sind derzeit die Kosten unklar.

Wir müssen viele Dinge aufarbeiten. Nach dem Asbestfund und nach der Trennung von den Architekten sind wir im Moment dabei, einiges neu auszuschreiben. Wobei es nicht einfach ist, das nach EU-Norm hinzubekommen, was ab bestimmten Summen aber Vorgabe ist. Wir müssen da jetzt durch und das Gebäude – so schnell es geht – in Betrieb nehmen.

Sind sie von der Idee der EATA noch überzeugt?

Ich denke der Gedanke, junge Menschen aus dem Ausland so zu qualifizieren, dass sie Ausbildungen in regionalen Unternehmen absolvieren können, ist grundsätzlich gut. Das Kolpingsbildungswerk leistet hier sehr gute Arbeit, damit die EATA bereits jetzt zum Laufen kommt. In Anbetracht der noch nicht abschätzbaren Folgen der Coronapandemie müssen wir uns aber auch Gedanken machen, ob wir das Aufgabenportfolio der EATA noch erweitern wollen. Das heißt, wir müssen neue, zusätzliche Netzwerke knüpfen, damit die EATA von einem erweiterten Personenkreis in Anspruch genommen werden kann. Man muss auch daran denken, dass nicht nur der Umbau der Immobilie, sondern auch die spätere Bewirtschaftung Aufgabe der Stadt ist. Es ist deshalb gut, dass der Förderzweck der EU-Mittel mit "Wohnen und Bildung" relativ allgemein gefasst ist. Wir wollen mit der SRH ein Präsenzstudium einrichten und werden auf dem Bildungscampus Appartements brauchen.

Sind die Schwierigkeiten mit der EATA ein Risiko für das Großprojekt Landesgartenschau?

Ich habe interessante Aufgaben und ein hervorragendes Team.

Michael Dambacher Oberbürgermeister

2021 sollte in Sachen EATA das Meiste auf der Schiene sein. Wir werden versuchen, bei den einzelnen Gewerken Fachfirmen von außen hinzu zu ziehen, damit die Belastung für das Stadtbauamt in Grenzen bleibt. Denn eines ist ganz klar: Ab September, wenn die Entwürfe des Architektenwettbewerbs vorliegen, wird die Landesgartenschau Schwerpunkt sein. Schon bislang lief vieles im Hintergrund, trotz Corona. Wir haben ein strammes Arbeitsprogramm, das wir finanziell und personell stemmen können.

Und dann ist da noch das dritte Großprojekt, die Konversion des Kasernenareals.

Die Stadt ist in Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA), um den Technischen Bereich der Kaserne zu erwerben. In Ellwangen fehlt Wohnraum und das Kasernengelände bietet die Chance, ein neues Wohngebiet zu entwickeln ohne die Landwirtschaft zu belasten. Bodenuntersuchungen laufen, die BIMA beteiligt sich an den Kosten. So etwas wie mit dem Asbest im Z-Bau darf sich nicht wiederholen. Klar ist aber auch: Ich werde nicht empfehlen, den Rückbau zu beginnen, bevor die Nachbarschaft nicht geklärt ist.

In der Nachbarschaft ist die LEA und auf Antrag der CDU-Fraktion soll noch dieses Jahr entschieden werden, wie es dort nach 2022 weitergeht. Braucht Ellwangen die LEA nicht schon aus finanzieller Sicht?

Die monetäre Sicht ist nicht der entscheidende Faktor. Man muss sich im Klaren sein, dass eine in die Zukunft gerichtete Weiterentwicklung und die Bebauung des Konversionsgeländes nur ohne LEA möglich sind. Die Stadt hat jetzt sieben Jahre lang für das Land und den Ostalbkreis eine wichtige Aufgabe übernommen. 41 Kommunen haben davon profitiert und konnten in dieser Zeit Baugebiete entwickeln. Zudem sollte man bedenken: Auch ohne LEA bleibt der Stadt die Aufgabe der Anschlussunterbringung. Dann wären hier aber Menschen mit Bleibeperspektive, die man viel besser integrieren kann. Diese Stadt hat in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass sie Flüchtlinge willkommen heißt. Wir haben ein großes ehrenamtliches Fundament, das ist ein Mehrwert, der unbezahlbar ist.

Wie kann die Stadt das Kasernengelände kaufen und entwickeln neben all den anderen Aufgaben?

Die Finanzierung der Konversion wird spannend. Wir rechnen im technischen Bereich mit Kosten von 15 bis 20 Millionen Euro. Die Entwicklung des Geländes soll über ein Sanierungsprogramm mit Zuschüssen laufen, bei dem das Land vorfinanziert. Ob wir die Konversion über das Treuhandkonto einer Bank finanzieren oder über den kommunalen Haushalt, ist offen. Fakt ist, es entstehen Gegenwerte, das Kasernengelände hat Südhang, eine einzigartige Wohnlage.

Braucht die Stadtverwaltung eigentlich eine strukturelle Neuordnung, um all diese Aufgaben meistern zu können?

In Sachen Landesgartenschau wird die GmbH der Verwaltung viele Aufgaben abnehmen, bei der Konversion wird man sicher auch Projektpartner suchen. Veränderungen wird es auf jeden Fall geben, auch ohne eine neue Verteilung der Ämter. Im Rathaus zeichnet sich in verschiedenen Bereichen ein Generationswechsel ab und wir müssen auch überlegen, ob die eine oder andere Funktion tariflich noch richtig eingestuft ist. Wenn der Kämmerer einer Landgemeinde A13 bekommt und der Stadtkämmerer A14 ist der Anreiz aus Gehaltsgründen zu wechseln eher gering. Wir müssen uns auch in technischer Hinsicht verändern, müssen digital stärker werden, wenn die Landesgartenschau ein Erfolg werden soll. Ich denke, das wird eine schöne und spannende Zeit und die Veranstaltung 2026 wird greifbarer, wenn erst einmal die Entwürfe des Realisierungswettbewerbs vorliegen.

Oberbürgermeister Michael Dambacher.

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