Eine Stadtführung auf den Spuren der Schützengilde

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Die Stadtführung zum Jubiläum der Schützengilde endet im Schützenhaus. Das Bild zeigt (v.l.) Ruth Julius, Schützenmeister Wolfgang Brenner, Oberbürgermeister Michael Dambacher und Oberschützenmeister Josef Wagner.
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In den Schaufenstern der Innenstadt sind Kopien von Schützenscheiben ausgestellt. Sie erzählen Stadtgeschichte.

Ellwangen

Bei den Schützen ist es Brauch, zu einem Familienfest, einem runden Geburtstag, der Geburt eines Kindes oder auch zu einem anderen denkwürdigen Anlass eine Schützenscheibe zu stiften. Diese Scheiben sind in der Regel sehr kunstvoll gestaltet und verkünden auch stets eine Botschaft. Jedes Mitglied kann darauf einen Schuss abgeben. Weit über 100 dieser Scheiben haben sich bei der Ellwanger Schützengilde erhalten. Die älteste ist von 1764 und wurde zur 1100-Jahr-Feier der Stadt gestiftet.

Sämtliche Scheiben hängen im Schützenhaus. Weil sie dort außer den Mitgliedern niemand sehen kann, haben einige Schützenkameraden eine Ausstellung gestaltet: Kopien von Scheiben hängen in den Schaufenstern Innenstadt, zusammen mit einer ausführlichen Beschreibung.

Ruth Julius hat nun eine Stadtführung erarbeitet, auf den Spuren der Schützengilde. Sie erzählt Geschichten und Anekdoten zu den Scheiben, den Gebäuden und Personen, die darauf zu sehen sind und am Ende führt sie die Zuhörenden sogar ins Schützenhaus. Am Dienstag nahm sie den Oberbürgermeister mit, der auf diesem Weg zu seiner ersten Visite im Schützenhaus kam.

Geht man mit ihr durch die Stadt, wird von Transparent zu Transparent deutlicher, wie eng die Stadtgeschichte mit der Schützengilde verwoben ist. Da sieht man eine Scheibe zum Stadtbrand von 1828, eine andere erinnert an das Schlosstor, das 1882 abgerissen wurde. Die „Schwing die Hufe“-Aktion, der Bau der Fußgängerzone, sogar die Coronapandemie sind darauf verewigt.

Alteingesessene Familien sind seit Generationen Mitglied der Schützengilde, zum Beispiel die Familie Werkmann. Auf der Scheibe zu seiner Silberhochzeit zeigt Louis Werkmann das Haus der Bäckerei Baur, das seine Frau in die Ehe brachte. 1888 hat er es ganz neu gestaltet, als Goldschmiedewerkstatt.

Man sieht die Scheibe des Jahrgangs 1939, auf der Kirchen und Kapellen abgebildet sind. Und eine mit dem Porträt von Heinrich Thomas, gestiftet zu seinem 60. Geburtstag. Sie trägt die Inschrift „Weder Schützenmeister noch Kassier, nur ein treues Arbeitstier“. Gemalt hat sie Erich Pörner.

Überhaupt haben die Schützen in ihrer Sammlung Scheiben von fast allen Ellwanger Künstlern. Besonders fleißig war der Bürgergardist Hans Schmidt, der als Motive Gebäude und Ansichten wählte, die aus dem Stadtbild verschwunden sind.

Bei Foto Zirlik hängt eine Scheibe, die zu einem Gartenfest 1923 gestiftet wurde. Sie zeigt einen Vater, der seinem Sohn das Schießen zeigt, dazu ein Vers aus Goethes Faust: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“. Dieses Motiv ziert auch den Silbertaler, den die Schützen prägen ließen, um die Tradition des Talerschießens wieder aufleben zu lassen. Wann es stattfinden kann, ist noch unklar.

Oberschützenmeister Josef Wagner dankt den Kameraden Peter Reimer, Josef Klozbücher und Joachim Eiselt, die diese Ausstellung mit großem Zeitaufwand erarbeitet haben und auch Ruth Julius, die daraus eine Stadtführung gemacht hat.

Die Ausstellung sei eine gute Idee, um die lange Tradition der Schützen darzustellen, meinte der OB und dankte der Vereinsführung, dass sie auch in der Pandemie nicht verzagte: „Ich hoffe, dass bald wieder das gewohnte Vereinsleben zurückkehrt.“

Kein Mäuerlein jetzt mehr besteht, vom großen Thurm zu

Spruch von 1882, auf einer Schützenscheibe

Die Ausstellung von Schützenscheiben

25 Scheiben sind in Schaufenstern der Innenstadt zu sehen, weitere im Schützenhaus. Die Darstellungen sind mit QR-Code versehen, über den man zusätzliche Informationen abrufen kann. Die Ausstellung wird noch bis Mitte August zu sehen sein. Führungen finden am 14. und 28. Juli sowie am 4. August jeweils um 18 Uhr ab Marktplatz statt. Anmeldungen sind erforderlich über das Tourist Büro.

Schützenscheibe
Schützenscheibe
Schützenscheibe

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