Eine Verschönerungsidee von 1868

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Die Pläne für den Ellwanger Bärenplatz 1868

Wie einst der Ellwanger Verschönerungsverein den Platz vor dem Schwurgericht, der damals noch „Bärenplatz“ genannt wurde, neu gestalten wollte.

Ellwangen

Vor Kurzem haben die Arbeiten zur Umgestaltung des Karl-Wöhr-Platzes begonnen, wo bisher Pflaster und Asphalt dominierten. Schon 1868 spielte der Ellwanger Verschönerungsverein mit einer Idee, wie der öffentliche Raum in diesem Bereich aufgewertet werden könnte. Stadtarchivar Christoph Remmele hat diesen Vorgang in seinen Archivbeständen entdeckt.

1843 wurde das Jagst-Tor und die angrenzende Fronveste, das ehemalige Gefängnis, abgerissen. Die Stadtgemeinde erwarb die dreieckige Freifläche neben dem Schwurgerichtsgebäude, die als „Bärenplatz“ bezeichnet wurde. Militärisch waren die Anlagen schon lange nutzlos und zudem marode. Die Stadttore dienten im frühen 19. Jahrhundert praktisch nur noch der Kanalisierung des Verkehrs, um Zölle und Abgaben besser eintreiben zu können. Als diese im Lauf der 1830er Jahre Schritt für Schritt entfielen, wurde auch das Jagsttor überflüssig und wegen seiner schmalen Durchfahrt zu einem Verkehrshindernis.

Der Verschönerungsverein, eine 1866 gegründete Interessengemeinschaft, der vor allem höhere Beamte angehörten, wollte auf dem schmucklosen Bärenplatz eine Grünanlage mit Wandelweg und Rondell anlegen und brauchte dazu die Genehmigung (und finanzielle Unterstützung) der Stadtgemeinde. Dieser kleine Park sollte mit einer steinernen Einfassung und einem darauf gesetzten, drei Fuß hohen Eisenzaun eingefriedet sein. Der Kostenvoranschlag für die Maurer- und Steinmetzarbeiten belief sich auf 39 Gulden, die Schlosserarbeiten machten 81 Gulden aus. Gärtner Widmann kalkulierte für das Planieren des Platzes, das Anlegen der Wege und die Aussaat des Rasens einschließlich aller Arbeits- und Fuhrlöhne 39 Gulden 36 Kreuzer – vorbehaltlich eines brauchbaren Untergrundes: „Sollte ein steiniger Boden oder gar noch Sand vorkommen“, so der Angebotstext, würde es teurer werden. Die für die Bepflanzung vorgesehenen Sträucher sind im Kostenvoranschlag nirgends ausgewiesen und scheinen in der Position „Anlegen des Platzes“ enthalten gewesen zu sein.

Vielleicht, weil man sich so den umso größeren Beifall des Gemeinderats versprochen hatte, ließ der Verschönerungsverein das Vorhaben von dem Stuttgarter Landschaftsgärtner G. A. Wagner in frischen Farben illustrieren. „Die aquarellierte Federzeichnung ist wirklich hübsch – fast ein kleines Kunstwerk“, meint Stadtarchivar Remmele. „Geholfen hat es leider nichts, denn Stadtschulheiß Bayrhammer, der selbst Mitglied im Verschönerungsverein war, ließ den Traum platzen.“ Mit kaum verhohlener Enttäuschung teilte der Schultes per Brief dem Vereinsvorsitzenden die Ansicht des Gemeinderats mit, der „glaub[e], diesen Platz als einen freien unumzäunten wegen des starken Verkehrs bewahren zu müssen“ und deshalb „nicht in der Weise einer Verschönerung unterwerfen zu können“, die der Verein sich vorgestellt hatte.

Mit den jetzigen Umgestaltungsarbeiten am Karl-Wöhr-Platz hat die Stadt nach 153 Jahren nun die Chance, in unmittelbarer Nähe des damals gescheiterten Verschönerungsprojekts einen attraktiven Ort mit Aufenthaltsqualität zu schaffen. Man darf gespannt sein.

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