Eingemeindung: Röhlinger waren dagegen

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Die Vertragsunterzeichnung: (v.l.) Die Bürgermeister Robert Vetter (Röhlingen), Eduard Merz (Rindelbach), Karl Wöhr t (Ellwangen) und Leopold Wentz (Schrezheim) unterzeichnen den Eingemeindungsvertrag. Pfahlheim kommt ein Jahr später hinzu.
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50 Jahre nach der Verwaltungsreform blickt Stadtarchivar Christoph Remmele augenzwinkernd auf die Eingemeindung von Schrezheim, Rindelbach, Röhlingen und Pfahlheim.

Ellwangen

Seit 50 Jahren ist Ellwangen große Kreisstadt, die Eingemeindung von Schrezheim, Rindelbach, Röhlingen und mit etwas Zeitverzug auch Pfahlheim ebnete den Weg zu einer wirtschaftlichen Entwicklung, die man sich für die sehr ländlich geprägte Region rund um Ellwangen nicht erträumt hat. Stadtarchivar Christoph Remmele blickte im Speratushaus auf die turbulenten 1960-er und 1970-er Jahre zurück und verdeutlichte den Zuhörerinnen und Zuhörern, darunter viele Mitglieder des Gemeinde- und Ortschaftsrats, aus welcher Situation heraus sich die fünf eigenständigen Kommunen damals zur großen Kreisstadt vereinigten.

Die Verwaltungsreform war ein Projekt der großen Koalition unter Mionisterpräsident Hans Filbinger (CDU) und seinem Stellvertreter und Wirtschaftsminister Walter Krause (SPD). Aus den 3379 Gemeinden in Baden-Württemberg sollten 1080 werden, jede sollte mindestens 8000 Einwohner aufweisen und dafür versprach man hohe Zuschüsse aus dem Finanzausgleichsgesetz. Allerdings nur, wenn man sich bis zum 1.1.1973 zusammenschließt.

Im Ellwanger Umland herrschte zunächst überwiegend Ablehnung vor, man argwöhnte, die Ellwanger wollten sich die versprochenen Zuschüsse unter den Nagel reißen und war überzeugt, auch allein bestehen zu können. In Röhlingen war man überzeugt, mit den östlichen Nachbarn eine neue Verwaltungseinheit mit Röhlingen als Zentrum bilden zu können. Allerdings waren die Neunheimer davon nicht begeistert und drohten, sich eigenmächtig Ellwangen anzuschließen. Ganz ähnlich in Schrezheim, wo die Rotenbacher nach einem heftig geführten Streit um die neue Schule mit den Schrezheimern auf Kriegsfuß standen.

Mit den bekannten Raufereibildern der Asterix-Comics illustriert, erklärte Remmele, wie man sich dann doch näher kam und schließlich die Bürgerinnen und Bürger entscheiden ließ. Am 18. Juli 1971 trat man in Schrezheim, Röhlingen und Rindelbach an die Urne mit dem Ergebnis, dass sich in allen drei Gemeinden eine Mehrheit von um die 60 Prozent für die Eingemeindung nach Ellwangen aussprach. Die Wahlbeteiligung war nicht sonderlich hoch, lag auch kaum über 60  Prozent. Im Detail barg das Ergebnis durchaus Sprengstoff, so etwa in Röhlingen, wo im Hauptort eine Mehrheit gegen die Eingemeindung stimmte. Weil aber in Neunheim 90 Prozent dafür waren, wurden die Röhlinger überstimmt.

Zum Festakt am 7. Februar 1972 kamen Filbinger und Krause ins Forum des Peutinger Gymnasiums, danach feierte man in der Stadthalle, wo das Ganze wegen des zeitgleichen Faschings zur Narrenparty wurde. Die "Schwarze Schar" reimte noch "nächstes Jahr ist Aalen dran". Tatsächlich wurde es aber Pfahlheim, das zunächst auch Richtung Osten tendierte. Weil es dort nicht richtig vorwärts ging, beschloss man mit Ellwangen zu verhandeln, um noch rechtzeitig einig zu werden und den finanziellen Anreiz zu erhalten. Auch hier wurden die Bürger befragt, 86 Prozent stimmten mit Ja.

Bürgermeister Volker Grab meinte, die Verträge seien gut verhandelt worden, auch wenn mancher gerne einzelne Punkte nachverhandeln würde. Die Kommunalreform sei für Ellwangen mit allen Teilorten segensreich gewesen, die ehemaligen Gemeinden seien immer noch stark, hätten sich ihre lokaen Besonderheiten erhalten. "Ich bin gespannt, wann die nächste Verwaltungsreform kommt", meinte Grab.

Im Anschluss tauschten die anwesenden ehemaligen und aktuellen Mandatsträger noch manche Erinnerung aus. Hans-Peter Weber, fünf Jahre lang Ortsvorsteher von Pfahlheim, sah im Lokalpatriotismus den eigentlichen Nährboden für das ehrenamtliche Engagement, ohne das die Gesellschaft nicht mehr auskommt.

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