Ellwangens geistliches Kapital

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So stellt man sich eine altehrwürdige Sammlung vor: Die Kapitelsbibliothek Ellwangen atmet den Geist der langen Geschichte der Stadt und des Klosters. Dennoch ist sie eine Neugründung von 1810, nur wenige Werke fanden den Weg aus der alten Klosterbibliot
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Welch wechselvolle Geschichte die Kapitelsbibliothek des Ellwanger Klosters erlebte und wie sie heute genutzt wird.

Ellwangen

Die Kapitelsbibliothek im Jeningenheim steht in der Nachfolge der alten Klosterbibliothek der Benediktinerabtei und Füstpropstei Ellwangen. Nachfolge deshalb, weil es einen massiven Einschnitt gab.

Grund dafür war die Besetzung Württembergs durch Napoleon im Jahre 1800 und der folgenden Mediatisierung und Säkularisierung im Jahre 1802, in deren Zuge die Fürstpropstei Ellwangen dem Herzogtum und späteren Königreich Württemberg zugschlagen wurde. Für Ellwangen gab es zunächst hohe Pläne, eine Zentralibliothek Neuwürttembergs sollte hier entstehen. Daraus wurde jedoch am Ende nichts, und bis 1806 wurde statt dessen die historische Klosterbibliothek aufgeteilt und verteilt. Der in Ellwangen verbleibende Teil ging schließlich mit in der historischen Lehrerbibliothek des Peutinger Gymnasiums auf.

Die Lücke wurde jedoch bald geschlossen. 1810 erließ der Geistliche Rat der Diözese Rottenburg Stuttgart, dass in Ellwangen eine Kapitelsbibliothek zu gründen sei für theologische Studien und seelsorgerische Arbeit. Diese war im Stadtpfarrhaus gegenüber der Marienkirche untergebracht, und in den Wirrungen der napoleonischen Jahre fanden über Umwege wohl auch einige wenige Ellwanger Schriften aus der Fürstpröpstlichen Bibliothek wieder den Weg zurück.

Den Grundstock bildeten aber vor allem Werke aus anderen säkularisierten Klöstern, wie etwa dem Dominikanerkloster Gmünd oder St. Mang aus Füssen. Dazu erfuhr die Bibliothek in ihren Anfängen Zuwachs durch Zukauf und Schenkungen. In der heutigen Zeit jedoch kaum mehr. Die Kataloge zur Bibliothek stammen aus den Jahren 1852, 1882 und zuletzt 1935.

Der Bestand gliedert sich in drei Bestandteile: Werke zur und über die Bibel, Bücher zur Glaubens- und Lebenslehre und schließlich Bücher zur Heimat-, Kirchen- und Weltgeschichte.

Bereits 1962 schrieb der Historiker Hermann Weber in einer Abhandlung über die Ellwanger Kapitelsbibliothek, dass sie "in ihrem heutigen Zustand vor allem ein geschichtliches Gepräge trägt."

Die heimatgeschichtlichen Bände enthalten Aufstellungen über das Stift Ellwangen, die "Matrikel der seligen Bruderschaft der S. Vitus-Kirche", Bücher für den Chorgesang, über die Ellwangen eigenen Kirchenfeste, aber auch praktische und rechtliche Anleitungen, wie etwa "Über Nachlassrechte des Kapitels Ellwangen beim Ableben eines Pfarrers oder Kaplans."

Unter den gesistlichen Werken finden sich vor allem aus dem 19. Jahrhundert stammende Drucke und Übersetzungen der Vulgata in verschiedenen Sprachen, also der im Mittelalter verbreiteten Fassung der Bibel. Aber auch Drucke zur heiligen Schrift von Thomas von Aquin, sowie "Sämtliche Schriften Martin Luthers" in acht Bänden. Eines der Glanzstücke der Bibliothek ist eine vollständige Ausgabe der "Sammlung Jaques-Paul Migne" in 210 lateinischen und 57 griechischen Bänden. Verfasser war ein französischer Geistlicher. Sie entstand zwischen 1844 und 1857 und stellt eine Enyklopädie von theologischen Werken und Texten der sogenannten Kirchenväter dar. Hermann Weber kommentierte 1962 dazu: "Eine Bücherei wie diese ermöglicht Geistesausflüge in Weiten, Tiefen und Höhen, die nicht mühsam erjagt werden müssen."

Heute dient die Bibliothek vor allem Studenten der Theologie auf Anfrage zu Recherchezwecken. Am 7. November 2011 unterzeichneten hier die Mitglieder des Kirchengerichts die Dokumente zur Einleitung der Seligsprechung von Pater Philipp Jeningen.

"Eine Bücherei wie diese ermöglicht Geistesausflüge in Weiten, Tiefen und Höhen, die nicht mühsam erjagt werden müssen."

Hermann Weber , Historiker, 1962
  • Die Kapitelsbibliothek im Überblick
  • Etwa 3000 Bände mit einem Erscheinungsjahr von vor 1900 stehen in der Bibliothek. Zudem einige hundert Titel aus dem 20. Jahrhundert. Etwa zwanzig Prozent des Bestandes sind auf Latein verfasst, dazu gibt es zahlenmäßig wenig griechische, hebräische und französische Schriften.
  • Etwa 300 Titel entfallen auf systematische und praktische Theologie, weitere 300 auf Kirchengeschichte, Welt- und Religionsgeschichte.
  • Philosophie, Weltliteratur, Lokalgeschichte und historische Lexika runden die Bibliothek ab.
  • Die Bibliothek ist alphabetisch nach Verfassern und Titeln erfasst. Heute verfügen das katholische Stadtpfarramt und das Katholische Verwaltungszentrum Ellwangen über die Schlüsselhoheit der Bibliothek.

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