Ellwangens Süden soll Wasserstoff-Land werden

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Wasserstoff - Michael Hueber, Landratsamt, OB Michael Dambacher, Stefan Powolny, Volker Engelhardt
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Dank Bundesförderung könnten eine Elektrolyse-Anlage samt Nahwärmenetz und eine Wasserstoff-Tankstelle das Ex-Kasernengelände aufwerten.

Ellwangen

Insgesamt 400 000 Euro stellt der Bund der Region Ostwürttemberg im Wasserstoff-Projekt „Hy-Land" zur Verfügung. Zu den Städten, in denen mit der Förderung innovative Wasserstoff-Konzepte entstehen sollen, zählt Ellwangen. OB Michael Dambacher und Vertreter der Stadtwerke haben nun Pläne für eine Wasserstoff-Strategie vorstellt. Der Bau einer Elektrolyse-Anlage, die Nahwärme-Versorgung des im Rahmen der Konversion entstehenden Wohngebiets „Ellwangen Süd“, eine öffentliche Wasserstoff-Tankstelle und der Betrieb von Wasserstoff-Bussen zur Landesgartenschau 2026 sind nur einige der Pläne.

Das Geld, das Ellwangen aus dem Fördertopf erhält, fließt nun zunächst in die Planungen. Dafür werden externe Ingenieurbüros beauftragt. Neben der Strategie für die Ellwanger Südstadt gehören auch ein Logistiknetzwerk im Landkreis Heidenheim und der Technologiecampus „H2 Aspen“ in Schwäbisch Gmünd zu den Schwerpunkten. Für „H2 Aspen“ wird zudem mit einer noch wesentlich höheren Förderung aus dem EU-Programm "HyFive" gerechnet. Für „Hy-Land" haben bundesweit 15 Pilotregionen den Zuschlag erhalten. Die erste Phase der Konzept-Erarbeitung läuft bis Ende 2022, möglicherweise auch noch bis ins erste oder zweite Quartal 2023. „Mit einem umsetzungsreifen Konzept hat man dann die Chance, weitere Fördermittel für Baumaßnahmen zu erhalten“, erklärt Michael Hueber vom Landratsamt.

Stadtwerke sind federführend beim Konzept

In Ellwangen soll Wasserstoff bei der Konversion des ehemaligen Kasernengeländes zum Einsatz kommen. Unter anderem auf den Flächen des ehemaligen technischen Bereichs (T-Bereich) ist der neue Stadtteil „Ellwangen Süd“ für rund 1500 Einwohner geplant − das größte zusammenhängende Wohngebiet der Stadt. Federführend bei der Konzepterstellung sind die Stadtwerke Ellwangen, Versorger für Erdgas, Wasser und Wärme mit derzeit 4000 Hausanschlüssen.

Nicht nur das neue Wohngebiet, auch den historischen Teil der ehemaligen Kaserne, die geplante EATA mit ihren 200 Einzel-Apartments, das Sprachenzentrum Süd der Bundeswehr, die ehemaligen Sanitätsgebäude und das Gelände an der Karl-Stirner-Straße beziehen die Stadtwerke in ihre Planungen mit ein, Ellwangens Süden klimafreundlich zu gestalten.

Errichtet ist bereits eine Hackschnitzel-Anlage, der Neubau eines Blockheizkraftwerks beginnt nun. Kern der Wasserstoff-Strategie ist der Bau einer Anlage zur Elektrolyse, in der Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt wird. Das, erklärt der technische Stadtwerke-Leiter Volker Engelhardt, gestaltet sich zwar sehr energieaufwendig. Doch zum einen soll die Energie aus erneuerbaren Quellen, in diesem Fall Windkraftanlagen im Ostalbkreis, stammen − sogenannter grüner Wasserstoff entsteht. Verwendet wird also überschüssige Energie, die sonst verloren ginge und auf diese Weise gespeichert werden kann.

Abwärme der Elektrolyse dient zum Heizen

Energieaufwendig sei die Wasserstoff-Produktion zum anderen vor allem deshalb, weil viel Wärme als Abfallprodukt anfällt. Diese soll aber den Haushalten in „Ellwangen“ Süd über ein „kaltes Nahwärmenetz“ zum Heizen zur Verfügung gestellt werden. Das Blockheizkraftwerk wiederum könne zu einem späteren Zeitpunkt auf den Betrieb mit Wasserstoff umgestellt werden, über die Hausanschlüsse könnte außerdem statt Erdgas Wasserstoff geleitet werden. „Das ist jetzt eine Vision, eine Idee“, sagt Stadtwerke-Leiter Stefan Powolny und fügt hinzu: „Die Besonderheit liegt hier in der Kombination.“

Weitere Pläne sind eine Wasserstoff-Tankstelle an der B 290 und Busse zur Landesgartenschau 2026, die mit Wasserstoff betrieben werden. „Für Ellwangen ist das eine historische Chance“, freut sich OB Michael Dambacher auf die weiteren Schritte bei der Konzeption und Umsetzung der Wasserstoff-Strategie.

  • Ein neuer Stadtteil, der obendrein dank Förderung klimafreundlich und zukunftsweisend gestaltet werden kann. „Das kommt uns zum gegenwärtigen Zeitpunkt sehr entgegen“, betont OB Michael Dambacher. Über das neue Wohngebiet „Ellwangen Süd“ soll der Gemeinderat noch im Herbst im Grundsatz entscheiden. Die Frage, ob ein städtebaulicher Wettbewerb ausgerichtet wird oder gleich ein Bebauungsplan entstehen soll, steht zur Debatte. „Meine Perspektive wäre, 2024, 2025 die ersten Bauplätze zu verkaufen“, sagt Dambacher. Auch, was Mobilität und Wassermanagement angeht, sollen in dem neuen Stadtteil innovative Konzepte verwirklicht werden.

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