Ellwanger Autokino zieht

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Dieses einzigartige Luftbild vom Ellwanger Autokino auf dem Schießwasen nahm Torsten Konrad auf. Weitere Drohnenbilder von Julian Fuchs finden Sie auf unserer Internetseite www.schwaepo.de.
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Eine Initiative in schwieriger Zeit aus den Reihen des Jugendrats. Warum sie in Erinnerung bleibt.

Ellwangen

Zwei Gottesdienste, ein Kabarettabend, ein Rockkonzert und 31 Kinovorstellungen, verteilt auf 12 Tage – das Autokino am Schießwasen ermöglichte, was nur wenige Städte zu dieser Zeit bieten konnten: Ausgehen, Kultur und Unterhaltung genießen, zumindest so etwas wie Öffentlichkeit erleben, auch wenn die Zuschauer in den Fahrzeugen sitzen mussten.

Julian Fuchs (25), der das Autokino zusammen mit anderen jungen Ellwangern aus dem Kreis des Jugendrats angeschoben hat, zieht eine positive Bilanz: "Wir haben noch nicht abgerechnet, ich weiß also nicht, ob das ein wirtschaftlicher Erfolg war. Wir hatten im Schnitt 50 bis 60 Autos pro Vorstellung, unter der Woche und am Nachmittag waren es weniger, an den Wochenenden und am Abend mehr. Die Spätvorstellungen waren meistens ausverkauft."

Die Resonanz der Besucher sei überaus positiv gewesen. technisch und organisatorisch habe auch alles hervorragend geklappt, sagt der Informatikstudent, der momentan an seiner Doktorarbeit schreibt. Kommunikations- und Veranstaltungstechnik ist sozusagen sein Steckenpferd, hier brachte er wichtige Kenntnisse mit. Vom Online-Booking über die Tonübertragung per UKW-Frequenz bis zur LED-Wand und der Facebookseite konnten die jungen Ellwanger vieles selbst organisieren.

Ein weiterer Vorteil: die jungen Organisatoren konnten im erweiterten Freundeskreis auch viele ehrenamtlichen Helfer gewinnen. 10 bis 12 Personen waren bei jeder Vorstellung notwendig, für den Betrieb der Geräte, Einweisung der Fahrzeuge, technische Unterstützung bei Problemen und als Ordner, die für die Einhaltung der Coronaverordnung sorgten. "Der Termin war günstig, viele hatten ohnehin schulfrei oder arbeiteten im Homeoffice", sagt Julian Fuchs und freut sich, dass die Mobilisierung so gut geklappt hat. Auch wenn jemand kurzfristig ausfiel, war sofort Ersatz da.

Länger hätte man das Autokino aber nicht betreiben können, meint er: "Sonst hätte man den Helfern etwas bezahlen müssen." Die 12-tägige Dauer der Veranstaltung sei genau richtig gewesen. So konnte man Sponsoren gewinnen, Werbung platzieren, als Banner am Zaun und als Video vor dem Film.

Ein Gewinn für die Stadt war es auf jeden Fall.

Dr. Anselm Grupp Kulturamtsleiter

Wertvoll sind wohl auch die Kontakte, die sich ergaben, zu den Unterstützern, zur Stadtverwaltung, zur Kinobesitzerin. Ob daraus eine Neuauflage im kommenden Jahr wird?

Julian Fuchs: "Man muss sehen, was bis dahin möglich ist. Das Autokino lief auch, weil es sonst kein Kino, Konzert, Kneipe gab. Wir wollen weiter in Ellwangen etwas auf die Beine stellen. Im kommenden Jahr vielleicht ein Open Air-Kino am Kressbachsee. Mit Frau Junker vom Regina-Kino haben wir gesprochen, sie ist offen dafür.

Die finanzielle Seite war nicht das Wichtigste am Ellwanger Autokino, das hatte schon vor dem Start Dr. Anselm Grupp, der Leiter des Kulturamts, erklärt. Ihm ging es darum, trotz Corona-Lockout Kultur und öffentliches Leben zu ermöglichen. Die Stadt stellte dafür Geld bereit, das für die Heimattage, Ausstellungen und Konzerte eingeplant war. Sollte ein Defizit bleiben, trägt das die Stadt, steht unter dem Strich ein Gewinn, teilt man sich den mit dem Kino.

"Ein Gewinn für die Stadt war es auf jeden Fall", sagt Grupp, Die Veranstaltung wurde angenommen und zog sogar Besucher aus den Nachbarlandkreisen an. Das war leicht an den Autonummern zu erkennen.

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