Ellwanger Kino hat neuen Pächter

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Ralf Christian Schweizer, Birgit Wahl und Ralf Helmreich (v.l.)
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Ralf-Christian Schweizer übernimmt das Regina 2000-Kino und hat damit große Pläne: 150 000 bis 200 000 Euro will er in neue Technik investieren.

Die große Leinwand hat eine Zukunft in Ellwangen. Das vor mehr als einem halben Jahr in die Insolvenz gerutschte Regina 2000-Kino hat einen neuen Pächter. Der mehrfache Kinobesitzer Ralf-Christian Schweizer (55) hat das Traditionskino übernommen. „Es wird sich einiges verändern, Anderes bleibt“, sagt er im Gespräch mit der SchwäPo.

Das ließ sich Karl Helmreich (87) nicht nehmen, als Schweizer den Mietvertrag für die sechs Kinosäle von seiner Verpächterin und seinem Verpächter, den Geschwistern Birgit Wahl (59) und Ralf Helmreich (62), unterschrieb, wollte das Ellwanger Kino-Urgestein dabei sein.

„Mein Vater war zugegen“, sagt Tochter Birgit Wahl. „Wir freuen uns, dass die Kino-Tradition in Ellwangen erhalten bleibt“, ergänzt ihr Bruder. Beide hatten sich intensiv um eine Nachfolge gekümmert und gingen direkt auf Schweizer zu.

Archiv-Foto: Im Kinosaal im Kino Regina 2000

Seit 1984 gehörte das renommierte Filmtheater an der Karlstraße Karl Helmreich. Mit der Corona-Pandemie blieben wie bei allen Kinos die Türen erst einmal zu. Das „Regina 2000“, wie das Kino seit dem Neubau im Jahr 2000 hieß, meldete jedoch im November vergangenen Jahres Insolvenz an.

Wieso, weshalb, warum? Darüber wollen die Geschwister nicht sprechen. „Wir würden lieber nach vorne blicken“, sagen sie. In die Zukunft gehen die Kinder von Karl Helmreich mit einem bekannten Filmtheater-Gesicht aus der Region: Ralf-Christian Schweizer. Das Kino-Schwergewicht hat bereits Kinos in Aalen und Heidenheim. Ellwangen wird sein dritter Standort. Dass er in doch eher unsicheren Zeiten noch einmal zwischen 150 000 und 200 000 Euro am Standort Ellwangen investiert, ist für ihn keine Risikoinvestition. Schweizer glaubt an seine Branche und an das Regina 2000, dessen Namen er nicht ändern will. „Wir werden das Kino in seinen Strukturen erst einmal so lassen, wie es ist“, sagt er. 1000 Sitzplätze verteilen sich auf sechs Säle. Der größte Saal fasst knapp 300 Besucher, der kleinste etwas über 70.

Wir freuen uns, dass die Kinotradition in Ellwangen erhalten bleibt.“

Ralf Helmreich, Immobilienbesitzer

Frische Farbe, ein wenig Kosmetik wie beispielsweise ein neues Kassensystem und die in Aalen und Heidenheim bewährte Online-Reservierungen bringt er mit. Auch in die Digitalisierung und im kommenden Jahr in ein neues Soundsystem will er investieren. Einige Arbeitsprozesse werden verschlankt. Die Möglichkeit, vom Platz aus zu bestellen, gibt es zukünftig nicht mehr. „Das rechnet sich einfach nicht, weil es zu personalintensiv ist.“ Kooperationen mit der Kultur oder der Ellwanger Film Initiative, kurz efi, will er suchen und wenn möglich wieder aufleben lassen.

In Ellwangen sieht er zudem Potenzial für seine in Heidenheim und Aalen bereits angebotenen Liveübertragungen aus der New Yorker Metropolitan Opera und dem Royal Opera House in London.

Sowieso will Schweizer den Event-Charakter in den Vordergrund stellen. Es gibt Lady-Nights, besondere Kindervorstellungen und auch die Harte-Jungs-Nacht mit speziellen Getränke- und Filmangeboten will Schweizer in Ellwangen anbieten. Mit zwei bis drei festangestellten Kräften sowie 30 bis 40 Aushilfen soll der Betrieb sichergestellt werden.

Öffnung bereits Ende Juni?

Ende Juni, Anfang Juli würde er gerne wieder eröffnen, „wenn die Politik uns eine branchenspezifische Lösung anbietet“, sagt er. Mit einem Mindestabstand von 1,50 Metern und Maskenpflicht, „muss ich aufgrund der Sitzabstände im Umkreis jedes belegten Platzes zwölf Plätze frei halten, das rechnet sich einfach nicht.“

Auf die Einnahmen durch den Verzehr beim Filmgucken kann er auch nicht verzichten. „Aber“, ergänzt er, „wir wollen ja positiv nach vorne blicken“.

Dabei könnte ihm auch James Bond helfen. Der neue Film „Keine Zeit zu sterben“ soll Ende September/Anfang Oktober in die deutschen Kinos kommen. Von denen hat Ralf-Christian Schweizer dann drei.

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