Ellwanger Lehrer entwickelt pfiffiges Gesichtsschild

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Florian Hägele (links) stieß bei der Entwicklung des Vollvisiers bei Daniel Höll, Geschäftsführer von Soobsoo (rechts) auf offene Ohren.
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Florian Hägele: Mimik gehört zur Kommunikation. Klappmechanismus klappt bei jeder Kopfform.

Ellwangen. "Ich habe aus Eigenantrieb gehandelt und finde es ein gutes Ding auch für den Alltag", sagt er. Not macht erfinderisch, das beweist Florian Hägele.

Der Ellwanger Lehrer ist kein Fan des üblichen Mund-Nasen-Schutzes: "Die Mimik ist ein wichtiger Teil unserer Kommunikation", findet er. Es sollte ein adäquater Schutz her, mit dem seine Schüler sein ganzes Gesicht sehen können.

Der studierte Grafikdesigner wurde kreativ und aktiv, entwarf, bastelte, änderte. Der erste Prototyp sei noch ganz typisch zusammengebastelt gewesen aus Papier und Büroklammern.

Hägele wandte sich mit seinen Plänen an das Ellwanger Unternehmen Soobsoo, das normalerweise Bilderrahmen und Passepartouts herstellt. "Das lief völlig problemlos", erinnert sich Hägele.

Das Unternehmen, das bereits einen Spuckschutz für Theken im Sortiment hatte, war Hägeles Idee vom Vollvisier nicht abgeneigt und stellte ihm die Arbeitsmaterialien zur Verfügung. "Sie erklärten mir die Maschine und ließen mich einfach mal machen. Ich konnte völlig frei arbeiten."

Gerade einmal drei Wochen hat es gedauert, bis aus der Idee ein erstes, echtes Gesichtsschild aus der Maschine kam. "Nach drei Wochen hielten wir den Gesichtsschutz in den Händen und waren und sicher: Genau so wollten wir ihn haben."

Das Visier "Isivisi" besteht aus einem Gummiband und einer Folie, die auch bei der Reinigung mit scharfen Mitteln nicht blind wird. "Nur in die Spülmaschine kann man sie nicht stecken", sagt er Designer lachend. Auch das hätten sie während des Prozesses ausprobiert: "Man weiß nie, auf welche Ideen die Leute kommen."

Die Materialien werden in Deutschland produziert, das war den Machern wichtig. Trotzdem sollten die Produktionskosten gering bleiben, um ein bezahlbares Produkt anbieten zu können.

Gedacht ist dieses Produkt für alle, die sich dem direkten Kontakt nicht entziehen können und gezwungen sind, acht Stunden am Tag einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. "Damit können sie leichter atmen und sich frei in ihrem Beruf bewegen."

Dienstleister, Ärzte, Therapeuten, Schulen und Lehrer gehören mittlerweile zu seinen Kunden. Hägele selbst trägt das Visier ebenfalls: "Bis jetzt haben mir alle Geschäfte den Zutritt erlaubt." Das Schild gibt es in zwei Ausführungen, als klappbare und fixierte Variante. Erstere werde gerne genommen, weil sich der Klappmechanismus von anderen unterscheide. Hier läuft er nicht über eine Leitschiene, sondern über eine Öse. "So funktioniert der Mechanismus bei jeder Kopfform." Gedacht ist dies für alle, bei denen die Situationen mit und ohne Kundenkontakt stets wechseln. So könnte der Busfahrer zum Ein- und Aussteigen der Fahrgäste den Spuckschutz runterklappen, zum Fahren dann nach oben.

Die Kunden kämen hauptsächlich aus Ellwangen, auch nach Gmünd hat Hägele schon verkauft. Der Zufall hat ein paar Visiere sogar in die USA gebracht. Das Projekt hat den Ellwanger jetzt angefixt: "Ich habe Lust, noch weitere Produkte gemeinsam mit Soobsoo zu entwickeln."

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