Ellwanger Wohngebiet der Zukunft

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Plusenergiequartiert Ellwangen Süd, Sanierungsgebiet "Mühlberg"
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In Ellwangen werden mehr als 20 Hektar Kasernenareal in ein Wohngebiet verwandelt. Braucht man dafür einen Architektenwettbewerb?

Ellwangen

Das neue Wohngebiet „Ellwangen Süd“ auf dem Kasernenareal liegt als städtebauliches Konzept vor, das im Wesentlichen vom Stadtplanungsamt zusammen mit der Stuttgarter LBBW Immobilien Kommunalentwicklung GmbH (KE) entwickelt wurde.

Eingeflossen sind verschiedenste Überlegungen, die sich um eine Frage ranken: „Wie wollen wir in Zukunft wohnen?“

Wie kann man Ansprüche an Wohnkomfort mit Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit zusammenbringen? Das „nachhaltige Plusenergiequartier“ des Stadtplanungsamtes ist eine plausible Antwort. Das haben die Mitglieder des Gemeinderates bei der Vorstellung des Konzepts im vorigen Jahr einhellig so gesehen.

Und das Konzept wurde seitdem ständig weitergeschrieben. Auf den Mehrfamilienhäusern sollen Solardächer mit Dachbegrünung Energieeffizienz und Ökologie verbinden. Das Gebiet soll ein „Kaltes Nahwärmenetz“ bekommen, ein Elektrolyseur soll Wasserstoff aus erneuerbaren Energien erzeugen und mit der Abwärme das ganze Wohngebiet mit vorgeheiztem Wasser (20 Grad) versorgen. Mit den PV-Anlagen auf dem Dach kann jeder über Wärmepumpen so eine CO2-freie Heizung betreiben.

In die Zukunft gerichtet ist auch das Regenwassermanagement: Das Gebiet soll eine „Schwammstadt“ werden, Oberflächenwasser wird in vielen Varianten zurückgehalten und zur Bewässerung genutzt. Auch naturnahe Feuchtzonen, ein kleiner Bach oder eine Teichkette könnten in dem nach Süden geneigten Gelände entstehen.

Eine eigene Stadtbus-Linie, vorbildliche Radweganbindung, eine E-Bike Förderung, kurze Wege zum Arbeitsplatz wenn am Rand, zur B290 hin Gewerbebauten als Lärmschutz entstehen, ausgedehnte Grünzonen rings um das Gebiet, das anschließende Nebenzentrum Sport mit Turnhalle und Kunstrasenplatz: all diese Ideen machen das Quartier zu einem Wohngebiet, in dem man selbst gerne siedeln würde.

Dabei soll „Ellwangen Süd kein Quartier für Reiche werden, sondern auch preiswerten Wohnraum bieten. Zwei Drittel der entstehenden Wohnungen sollen in Mehrfamilienhäusern sein, nur ein Drittel in Einfamilien- oder Reihenhäusern.

Bei so viel guten Ideen, braucht man da noch einen Architektenwettbewerb? Die Stadtverwaltung ist der Meinung „Nein“. So steht es in der Vorlage für die Gemeinderatssitzung am Donnerstag, bei der das weitere Vorgehen beschlossen werden soll. Konkret sollen die Mitglieder des Gemeinderates fünf Punkte beschließen:

1. Dass eine Bürgerbeteiligung/Bürgerplanungswerkstatt durchgeführt wird. Dagegen dürfte es kaum Einwendungen geben.

2. Dass es keinen städtebaulichen Wettbewerb geben soll, sondern Investoren-Architekten-Wettbewerbsverfahren bei der späteren Grundstücksvergabe für die Mehrfamilienhäuser. Aus den Reihen der Grünen und der SPD wird ein Architektenwettbewerb favorisiert.

3. Dass ein Landschaftsplanungsbüro für die „grüne und blaue Infrastruktur“ eingebunden wird. Damit sind Grünstrukturen, Freiräume, Regenwassermanagement gemeint.

4. Dass 2/3 der geplanten Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern und nur 1/3 in kleinen Einzelhäusern/Reihenhäusern geplant werden soll.

5. Dass der aktuelle Stand des städtebaulichen Konzepts Grundlage für die Bürgerbeteiligung sein soll.

Bei den Begehungen des Konversionsareals haben sich immer wieder Anwohner kritisch geäußert. Vor allem die Überplanung vorhandener Baumbestände stieß auf Kritik. Insgesamt soll das Wohngebiet jedoch später mehr unversiegelte Fläche haben als vor der Bebauung.

Dass ein bebautes Wohngebiet ökologisch besser dasteht als die Fläche auf der es entstanden ist, müsste auch den Anwohnern in den benachbarten Wohnquartieren entgegenkommen. Zunächst allerdings dürfte durch Abriss und Neubau eine gewisse Belastung auf sie zukommen.

Dabei ist noch nicht klar, ob und in welchem Umfang das Gebiet vorbelastet ist. Die vorbereitenden Untersuchungen haben bereits stattgefunden. Vielleicht werden in der Sitzung erste Ergebnisse vorgestellt.

Warum die Stadtverwaltung gegen einen Wettbewerb ist

Die Stadtverwaltung begründet die Ablehnung eines städtebaulichen Wettbewerbs im Wesentlichen so: Man habe im Vorfeld durch verschiedene interne und externe Stadtplaner Alternativen überprüft und aufgezeigt: Acht Planungsalternativen von sechs verschiedenen Stadtplanern von verschiedenen Hochschulen und unterschiedlicher Berufserfahrung seien eingeflossen, hätten aber keine bessere Planungsalternative ergeben.

Ein Wettbewerb koste Zeit und verzögere die Erschließung. OB Michael Dambacher warnte, dass die Stadt ab 2023 keine Flächen für Wohnungsbau mehr anbieten könne. Außerdem verursache ein Wettbewerb zusätzliche Kosten.

Die Stadt schätzt, das Preisgelder von 150 000 bis 220 000 Euro vorzusehen sind. Ab 215 000 Euro muss europaweit ausgeschrieben werden. Die Durchführung eines Wettbewerbs würde rund 50 000 Euro kosten.

Ein städtebaulicher Wettbewerb liefere bei einer derart großen zu überplanenden Fläche vor allem städtebauliche Grundideen, aber keine vertiefenden Details. Die Stadtverwaltung möchte dagegen die einzelnen Grundstücke für Mehrfamilienhäuser auf der Basis von Wettbewerben für konkrete Projekte vergeben. Gerhard Königer

Viele Bürgerinnen und Bürger interessieren sich für das neue Wohngebiets. Das Bild entstand bei einer Führung am 15. Oktober.

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