Energiekosten: Was kann das PV-Kraftwerk für die Steckdose?

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Eine PV-Balkonanlage lässt sich einfach montieren und kann über eine Steckdose mit dem Stromnetz verbunden werden.
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Wie man mit kleinen Photovoltaikanlagen für den Balkon Energie gewinnen und die Stromkosten senken kann.

Ellwangen

Fossile Rohstoffe werden teurer und teurer und auch die Kosten für elektrische Energie steigen enorm. Ein Stück weit unabhängig von dieser Teuerung sind alle, die sich mit einer eigenen Photovoltaik (PV) Anlage auf dem Dach die kostenlose Energie der Sonne ins Haus holen. Für Neubauten ist mittlerweile das PV-Kraftwerk auf dem Dach vorgeschrieben. So soll die Energieerzeugung dezentralisiert und der Umstieg auf die erneuerbaren Energien beschleunigt werden.

Energiekosten: Vom Energiemarkt unabhängig machen

Der Haken dabei: nur als Hausbesitzer kann man im größeren Stil aktiv werden und seine Energiekosten senken beziehungsweise sich von den steigenden Preisen an den Energiemärkten unabhängig machen. Wer nur zur Miete wohnt, hat in der Regel keine Verfügungsgewalt über Dach oder Fassade. Immerhin geht man bei einer PV-Anlage von einer Laufzeit von deutlich über 20 Jahren aus. Niemand kann wissen, ob der Mietvertrag auch so lange hält.

Eine Möglichkeit, wie man auch als Mieter die Sonnenenergie nutzen kann, sind die sogenannten Balkon-PV-Anlagen. Das sind handliche Solarmodule, die man über einen Stecker in der Steckdose mit dem Hausstromnetz verbinden kann. Der so gewonnene und im eigenen Haushalt verbrauchte Strom reduziert den Bezug vom Energieversorger und kann dazu beitragen, die Stromkosten zu senken. 50 bis 80 Euro könne ein Haushalt pro Jahr einsparen, die Amortisationszeit liege bei 8 bis 15 Jahren, liest man in der Broschüre "Mach deinen Balkon schön! Mit steckerfertigen PV-Anlagen selbst Strom erzeugen"  auf der Internetseite des Energiekompetenzzentrum Ostalb (EKO).

Was man wissen muss: Die Leistung dieser "Balkonanlagen" ist begrenzt. Der Gesetzgeber erlaubt aktuell, dass über Balkonanlagen maximal 600 Watt in das Hausstromnetz eingespeistwerden dürfen. Wenn man bedenkt, dass eine Waschmaschine bereits zwischen 1800 und 3000 Watt elektrische Energie aufnimmt, wird deutlich, dass ein Balkonkraftwerk den Energiebedarf eines Haushalts nicht decken kann. Andererseits ergeben sich durchaus nennenswerte Einspareffekte, wenn man die Stromerzeugung über viele Jahre betrachtet. Ob die Balkonanlage sich finanziell rentiert, hängt davon ab, wie gut sie ausgerichtet ist, was man dafür bezahlt, wie lange man sie betreibt und wie hoch die Stromkosten beim Energieversorger sind. Aus ökologischer Sicht ist sie auf alle Fälle sinnvoll, weil sie den Einsatz fossiler Energien und die Freisetzung von CO2 reduziert. Die Energieversorgungsunternehmen stehen den Balkonanlagen durchaus offen gegenüber, solange die vorgeschriebenen Installationen fachgerecht ausgeführt werden. Aufgrund der begrenzten Leistung machen die Balkonkraftwerke keinen Leitungsbau nötig, selbst wenn fast jeder Haushalt eine betreiben würde.

Was die Anlagen kosten: Angebote findet man in Baumärkten, im Fachhandel und bei Internethändlern. Die Preise richten sich nach der Leistung der Module. Für 600-Watt-Anlagen zahlt man zwischen 800 und 1200 Euro. Zu Bedenken ist, dass der Gesetzgeber und der Energieversorger eine Registrierung vorschreiben. Sowohl im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur wie auch beim örtlichen Stromversorger muss die steckerfertige PV-Anlage gemeldet sein. Die Registrierung ist online möglich und kostenlos.  

Nicht improvisieren: Das EKO rät dringend, auch die steckerfertigen Kleinanlagen von einem Fachmann anschließen zu lassen. Schon die Hersteller empfehlen, keine gewöhnlichen Steckdosen und keinesfalls Mehrfachstecker zu nutzen. Die Energieversorger verlangen, vor Inbetriebnahme einen Stromzähler zu installieren, der nicht rückwärts laufen kann. Zu beachten ist auch, dass die Kleinanlagen Strom produzieren, sobald die Sonne scheint. Das gilt es zu bedenken, wenn man am Hausstromnetz arbeitet, zum Beispiel eine Lampe montiert. Sicherung raus genügt nicht, auch die Balkonanlage muss abgeschaltet sein.

Wolfgang Helmle von der Ellwanger Solarinitiative sieht durchaus Potenzial in den PV-Kleinanlagen, zumal es auch deutlich günstigere Möglichkeiten gibt. Der Verein Sonnenenergie Erlangen beispielsweise macht aus Modulen von Dachanlagen, die nach 20 Jahren aus der Förderung gegangen sind, Mini-PV-Anlagen und gibt sie an interessierte Bürger ab. "Die Module liefern auch nach 20 Jahren einwandfrei Strom", sagt Helmle und verweist auf die PV-Anlage der Solarinitiative auf dem Dach der Eugen-Bolz-Realschule. Über die Aktion der Erlanger bekommen die auf Funktionsfähigkeit getesteten Module ein "zweites Leben", als Balkonkraftwerk. 

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