Ernste Ratschläge statt Urteile in Ellwangen

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Im Amtsgericht Ellwangen läuft der Prozess gegen einen 20-Jährigen und einen 21-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung. Ein Video liefert die Grundlage für das Gericht.

Ellwangen. Weil sie einen heute 23-Jährigen im vergangenen Februar bei den Aalener Limesthermen gemeinsam geschlagen haben sollen, sitzen ein 20-Jähriger und ein 21-Jähriger auf der Anklagebank im Ellwanger Amtsgericht. Die Angeklagten und das Opfer schildern unterschiedliche Tathergänge. Am Ende helfen Videos dem Gericht beim Urteil.

Zuerst habe das Opfer ihn getreten, dann habe der 21-Jährige zugeschlagen – mit der Faust ins Gesicht. „Ich glaube, er hat darauf gewartet, dass ich ihn schlage, damit er mich anzeigen kann“, ist der 21-Jährige überzeugt. Sein 20-jähriger Mitangeklagter habe gar nicht zugeschlagen, sei ihm lediglich zur Hilfe geeilt, als der Bruder des Opfers mit einer Taschenlampe zu einem Schlag auf den Kopf des 21-Jährigen ausgeholt habe. Schubsereien, verbale Eskalation, dann habe die Polizei per Platzverweis für die Beteiligten die Situation beendet.

Der Geschädigte im Fall, der 23-jährige K., schildert einen anderen Ablauf: Er sei mit seiner Freundin auf dem Weg zu den Thermen gewesen, um sich unter anderem mit seinem Bruder und Cousin zu treffen. Dort angekommen habe er gesehen, wie der ältere Angeklagte diese bedroht habe. Er sei ausgestiegen, direkt seien beide Angeklagten gewalttätig geworden. „Die hätten auf mich eingetreten bis zum letzten Atemzug“, sagt der Geschädigte.

Die Freundin des Opfers filmte Momente der Tat, die Videos werden im Gerichtssaal gezeigt. Drei Ausschnitte, die Teile der Tat zeigen. Doch das ist nicht das komplette Bildmaterial, beweist Verteidiger Roman Heisig: Eine ungeschnittene, minimal längere Version der Videos liegt ihm vor – und wird anschließend gezeigt. Dort ist zu sehen, dass K. zuerst getreten hat. Erst dann schlug der 21-Jährige zu. Der als Taschenlampe beschriebene Gegenstand taucht im Video auf, Beweise, K.‘s Bruder habe zuschlagen wollen, gebe es nicht. Der 20-Jährige Angeklagte ist im Video zu sehen. Gewalttätig gegen K. fällt er nicht auf.

Zeugen, die die beiden Angeklagten entlasten erzählen eine andere Version als jene, die sie belasten. Letztendlich könne nur das Ungekürzte Video der Verteidigung zeigen, was wirklich war. Wegen einer zu großen Datenmenge, so sagt er, habe das Opfer der Polizei nicht das komplette Video per Mail zusenden können.

Auf Grundlage des Videos sind sich Staatsanwalt Knopp, Richter Michael Schwaiger und Verteidiger Roman Heisig einig: Eine Straftat kann man dem 20-Jährigen nicht zweifelsfrei nachweisen. Er wird freigesprochen. Der Faustschlag des 21-Jährigen, der durch Rechtsanwalt Christoph Reichart vertreten wird, sei zwar im Video zu sehen. Jedoch erst als Reaktion auf den Tritt. Gegen ihn wird das Verfahren eingestellt.

Dennoch haben die Juristen ernste Worte für die beiden Angeklagten. „Man sollte vielleicht einmal in sich gehen und nachdenken, was aus solchen Geschichten mit Geschubse und Geschrei erwachsen kann“, mahnt Staatsanwalt Knopp. Man könne nie wissen, ob nicht plötzlich jemand ein Messer zieht oder so unglücklich stürzt, dass sich Menschen schwer verletzen. „Es muss klar sein“, sagt Heisig, „sowas kann eskalieren“.

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