Es wird eng auf der Landkarte

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Wald, Wiesen und Felder bei Baldern: Kommen nach den Windrädern jetzt die Freiflächen-PV als neue Landmarken?
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Die Fortschreibung des Regionalplans mit der Ausweisung von gewaltigen Flächen für die Erzeugung erneuerbarer Energien macht Kommunalpolitiker sprachlos.

Ellwangen Die Fortschreibung des Regionalplans Ostwürttemberg wird derzeit in den Gemeinde- und Ortschaftsräten vorgestellt und mehr als je zuvor wird offensichtlich: es wird richtig eng auf der Landkarte. Bislang sorgten sich die Kommunalpolitiker in der Regel darum, dass im Regionalplan genügend Platz für neue Wohn- und Gewerbegebiete bleibt. Schließlich möchte jede Stadt, jede Gemeinde, jede Ortschaft den jungen Familien, den expandierenden Handwerkern und Gewerbetreibenen Baugrundstücke anbieten, damit sie sich vor Ort ausbreiten. In der Vergangenheit wurde das immer schwieriger, weil im Regionalplan zunehmend ökologische Ziele verankert wurden, Biotope, Grünzäsuren, Vorrangflächen für Natur- und Artenschutz etwa.

Jetzt kommt ein neues politisches Ziel hinzu: Flächen für die Energiewende, große Flächen. Als Michael Bader vom Ellwanger Stadtplanungsamt den Ortschaftsräten die Karte mit den magenta gekennzeichneten Flächen an die Wand warf, wurden die Augen groß. "Das sind ja riesige Gebiete", entfuhr es einer Ortschaftsrätin in Pfahlheim. Genau genommen sind es knapp 5000 Hektar, das sind 2,3 Prozent der Gesamtfläche, die über die Region Ostwürttemberg als "Vorbehaltsgebiete für regionalbedeutsame Photovoltaikanlagen" verteilt sind. Auf der Gemarkung Pfahlheim, im Norden und Osten, sollen sie besonders üppig ausgewiesen werden. "Da könnte man meinen, wir gehören jetzt zur Telekom", drückt der Ortsvorsteher Wolfgang Seckler sein Erstaunen aus. Und nein: PV-Anlagen auf Dächern lassen sich davon nicht abziehen, auch wenn das entgeisterte Landwirte gehofft hatten. Dass der Regionalplan die Solarkraftwerke nur auf minderwertigen Böden sieht, hilft ihnen wenig. Auch die sind ja aktuell bewirtschaftet. Der Druck auf die Pachtpreise dürfte durch PV massiv zunehmen.

Die große Offensive des Landes für Erneuerbare Energien, die dem Süden den Strom bringen soll, den die Industrie und jeder einzelne Haushalt dringend benötigen, ist in der Region angekommen. Die letzten Atomkraftwerke werden bald abgeschaltet, die großen Nord-Süd-Trassen, die den Windstrom der Nordsee bringen sollen, sind nicht in Sicht. Jetzt bleibt nur der schnelle Ausbau direkt vor Ort.

Michael Bader versucht zu beschwichtigen: "Lassen sie sich nicht verunsichern. Das sind nur Vorschlagsflächen, ohne Bebauungsplan geht da nichts." Auch das ein schwacher Trost: es dürfte schwer werden PV-Freiflächen auf den Vorbehaltsgebieten abzulehnen, nachdem die Regierung den Ausbau erneuerbarer Energien derart vorantreibt. 

Was man wissen muss: Zu den Flächen für Freiflächen-PV kommen auch noch die für Windenergie hinzu. Da sind die Vorranggebiete nämlich noch gar nicht kartiert. Bislang steht nur das Ziel der Landesregierung fest: 1,8 Prozent der Fläche für Windenergie. Wo die neuen Windräder stehen sollen und ob die bislang bereits errichteten Anlagen da irgendwie miteinberechnet werden, ist noch unklar. "Am Ende sind wir die gelackmeierten, weil wir schon so viele Windräder zugelassen haben", befürchtet einer aus der Pfahlheimer Runde. Was schon jetzt fest steht: bei der Windenergie wird es den Zwang zu Bebauungsplänen nicht geben. Im Gegenteil: wenn die Zielvorgabe beim Ausbau nicht erreicht wird, sollen Windräder überall Vorrang haben.

Vor diesem Hintergrund erscheint die angestrebte Verringerung von Versiegelungsflächen für Wohn- und Gewerbegebiete als kleines Problem. Ohnehin ist Ellwangen mit dem Gewerbegebiet Neunheim IX und der Konversionsfläche noch üppig bedient. Sogar in den Ortschaften gibt es noch kleine Entwicklungsflächen. Ob die aber überhaupt noch umgesetzt werden, ist offen. Denn bis 2035 hat das Land das Ziel "Nettonull" vorgegeben. Heißt: dann darf nur noch versiegelt werden, wenn an anderer Stelle entsiegelt wird.

Was viele Gemeinde- und Ortschaftsräte umtreibt: Warum wird der Truppenübungsplatz Haisterhofen von Überplanung ausgenommen? Das 118 Hektar große Areal ist weiß auf der Karte, nichts, weder PV noch Landwirtschaft, noch bauliche Entwicklungen. Dass die Fläche im Bundesbesitz ist, kann nicht der Grund sein. Womöglich ist der Truppenübungsplatz schon für Windenergie reserviert?

Landschaft bei Röhlingen: 2,8 Prozent der Flächen sind reserviert für Freiflächen-PV.

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