Extreme Verluste für Winfried Mack

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Die Wahlhelfer im Rathaus in Ellwangen: Im kleinen Sitzungssaal werden die Stimmzettel gezählt, während nebenan in der Schaltzentrale die Ergebnisse gesammelt und online veröffentlicht werden.
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Der CDU-Kandidat verliert an seinem Wohnort zweistellig. Franz Josef Grill holt für die Freien Wähler fast 24 Prozent der Stimmen.

Ellwangen

Eine fast schon gespenstische Stimmung herrscht um 18 Uhr, bei Schließung der Wahllokale im Ellwanger Rathaus. Während sonst viele Bürger der Auszählung beiwohnen, liegt diesesmal die Zahl der Zuschauer bei Null. Die Pandemie prägt diese Wahl, das hat sich seit langem abgezeichnet. Nicht nur, weil die Regierungsparteien ein Stück weit daran gemessen werden , wie sie bislang mit der Herausforderung Corona umgegangen sind. Auch weil viele Wähler sich dem Risiko einer Ansteckung im Wahllokal nicht aussetzen wollten.

Dabei hat die Stadtverwaltung alle Wahlhelfer noch am Samstag einem Schnelltest unterzogen, Ersatzleute standen schon bereit, falls jemand positiv gewesen wäre, was jedoch nicht der Fall war, wie Oberbürgermeister Michael Dambacher bestätigt.

Die große Frage, wie hoch die Niederlage der CDU, die sich in den Umfragen abgezeichnet hatte, letzten Endes ausfallen würde, hatte in Ellwangen noch zusätzliche Brisanz. Denn mit Franz Josef Grill war für die Freien Wähler ein Stadtrat als Landtagskandidat in den Ring gestiegen, der in Ellwangen stark vernetzt ist und bei der jüngsten Kommunalwahl Stimmenkönig war.

Wem wird Grill die Stimmen wegnehmen? Wie stark wird die AFD abschneiden? Wieviel Stimmen wird der Kandidat der Grünen, Asbrock, in Ellwangen gewinnen?

Das waren die zentralen Fragen in lokaler Sicht bei dieser Landtagswahl.

Von Wahlpartys habe ich nichts gehört. Das könnten nur Hotspotpartys werden.

Michael Dambacher Oberbürgermeister

Kurz vor 19 Uhr liegt ein erstes Ergebnis, das später noch leicht korrigiert wird: Winfried Mack verliert zur Landtagswahl von 2016 mehr als 11 Prozent, ist mit 30,16 Prozent in Ellwangen aber klarer Sieger. An zweiter Stelle ist Franz Josef Grill, der auf Anhieb 23,92 Prozent der Stimmen gewinnt. Alexander Asbrock landet auf Platz drei mit 21,03 Prozent, liegt damit knapp hinter dem Ergebnis, das Bennet Müller 2016 für die Grünen in Ellwangen holte.

Jan-Hendrik Czada (AFD) kommt auf 7,12 Prozent, nur noch die Hälfte dessen, was er vor fünf Jahren noch in Ellwangen gewinnen konnte. Damals waren es 13,91 Prozent gewesen. Deutliche Verluste auch für Dr. Carola Merk-Rudolf, die nur auf 6,58 Prozent kommt. Auch Manuel Reiger, der 5,94 Prozent erzielt, büßt gegenüber 2016 etwas Stimmen ein. Justin Niebius kommt mit der Linken auf 2,2 Prozent, ein leichter Verlust gegenüber 2016. Die Wahlbeteiligung liegt mit 64,47 Prozent deutlich unter der von 2016 (72,19), was aber aufgrund der Pandemie zu erwarten war.

Die Analyse der einzelnen Wahlbezirke fällt schwer, angesichts einer Briefwahlquote von rund 50 Prozent. Immerhin kann man mutmaßen, dass die Briefwahl Macks Verluste noch begrenzte. Viele hatten wohl schon abgestimmt, als die Maskenaffäre der CDU richtig publik wurde.

Leicht erklärbar ist dagegen das starke Ergebnis von Franz Josef Grill im Wahlbezirk Neunheim, wo er Wahlsieger ist: Grill hat in Neunheim lange Zeit gewohnt und hat heute noch dort seine Arztpraxis.

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In Ellwangen zeigt die Grafik viele Verlierer und einen großen Gewinner: Franz Josef Grill, der aber im Landtag nicht vertreten sein wird.

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