Fasnacht ist abgesagt, fällt aber nicht aus

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OB Dambacher schunkelt vor den Narrenpolizisten aus Pappe: der Ellwanger Rathaussturm verlief 2021 nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
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Narrenbäume, Rathaussturm und Schnitzelbank: Wie die Fasnachtszünfte versuchen in der Pandemie wenigstens ein kleines Stück Narretei aufrecht zu erhalten.

Ellwangen

Omikron triumphiert und die Narren gehen baden. Auf diesen kurzen Nenner könnte man bringen, was angesichts der steil steigenden Inzidenzen in den Fasnachtsvereinen geschieht. Reihenweise werden Prunksitzungen und Fasnachtsumzüge abgesagt. Ganz aktuell teilen die Röhlinger Sechtanarren mit, dass die Prunksitzungen 2022 nicht stattfinden. "Trotz alternativen Konzepten und Umsetzungsgedanken" könne man letztlich die Sicherheit von Aktiven und Besuchern nicht gewährleisten, schreiben die Präsidenten Corina Weiß und Peter Higler in ihrer Pressemitteilung. Die Neulermer Narren verkünden auf ihrer Facebookseite, dass der große Fasnachtsumzug ausfällt, der am Fasnachtssonntag hätte stattfinden sollen. Die Virngrundnarren des FCV Ellwangen haben schon vor Weihnachten die Prunksitzungen abgesagt, die Wörter Rotachnarren kamen nach dem Jahreswechsel mit der traurigen Nachricht rüber.

Damit stellt sich die große Frage: was geschieht denn nun am Gumpendonnerstag (24. Februar), am Fasnachtssonntag (27. Februar), Rosenmontag (28. Februar) und am Fasnachtsdienstag (1. März)? Die närrischen Tage stehen ja als solche im Kalender. Feiern die Narren zuhause, allein zwar aber immerhin im Häs? Laden sie sich gegenseitig ein und schunkeln in der behördlich erlaubten Zahl, die dann der gültigen Coronaverordnung zu entnehmen ist? Trifft man sich, mehr oder weniger illegal zu geheimen, geschlossenen Veranstaltungen? Auf solche Fragen bekommt man naturgemäß keine verlässlichen Antworten, zumal sich bis Ende Februar noch allerhand verändern kann.

Wenn man sich bei den Zünften umhört, bekommt man ganz unterschiedliche Antworten. Klar ist: keiner will gegen gesetzliche Vorgaben verstoßen und niemand will die eigenen Mitglieder oder irgendwelche Gäste einer Gefahr aussetzen. In Ellwangen, Neuler, Wört und anderen Orten hofft man, dass wenigstens ein Minimalprogramm im Freien möglich ist. "Wir hoffen, den Narrenbaum mit Zuschauer und Narrengruppen aufstellen zu können", liest man bei den Neulermer Narren. Die Umsetzung sei "selbstverständlich abhängig von den zum Zeitpunkt geltenden Vorschriften".

Rathaussturm light

Auch auf die Absetzung ihrer Bürgermeisterin beziehungsweise ihres OB möchte man in Neuler und Ellwangen nicht verzichten. Schon im Vorjahr haben solche Aktivitäten mit begrenzter Narretei stattgefunden. In Ellwangen ließ Michael Dambacher wie im Märchen Rapunzel einen Korb mit einer (!) Flasche Bier aus seinem Amtszimmer zu den Narenpolizisten um ihren Chef Joschi Ziegler auf die Spitalstraße herab. Wie die Absetzung in diesem Jahr ablaufen wird? Man darf gespannt sein.

Mancher Büttenredner, der 2021 noch auf YouTube Witze gerissen hat, wird dieses Jahr stumm bleiben. Denn begeistert war von dem Online-Format niemand. Keine Zwischenrufe, keine "Raketen", kein Kontakt zum Publikum, das mache für ihn keinen Sinn, sagt jedenfalls Fritz Widmann,  Zugpferd der FCV-Prunksitzungen.  Das Video des "großen Miniaturumzugs" mit eingesandten Clips der Neulermer Narren wurde auf Youtube zwar gut geklickt. Doch danach wurde es wieder vom Netz genommen. Trotzdem wollen die Neulermer Narren den "großen Miniaturumzug" 2022 wiederholen und bitten um Beiträge.

Das YouTube-Video "der Pennäler Schnitzelbank", zum 170-jährigen Bestehen 2021 erschienen, kann man auf dem Kanal der Stadt Ellwangen noch immer aufrufen. Bis heute hat es über 10 500 Aufrufe. Die Versliste der "Schwarzen Schar" kam 2021 trotz Absage aller Veranstaltungen heraus und es ist davon auszugehen, dass wir auch in diesem Jahr etwas zu lesen bekommen. Bei der gedruckten Fasnacht ist die Ansteckungsgefahr gering.

Faschingsboxen in Neuler

In Neuler wird es ebenfalls eine Schnitzelbank geben, teilen die Neulermer Narren mit. Und nicht nur das: entlang der Umzugsstrecke sollen in Neuler Schaukästen, sogenannte "Faschingsboxen" aufgestellt werden, die man mit närrischem Inhalt befüllen kann. Einzelpersonen oder auch ganze Gruppen dürfen hier kreativ werden und es ist den Neulermern zuzutrauen, dass da einige verrückte Ideen zutage treten.

Auch wenn die organisierte Fasnacht weitestgehend abgesagt ist, muss man davon ausgehen, dass sich einzelne Personen oder Kleingruppen im weitesten Sinne "närrisch" verhalten werden. Anders als noch 2021 werden dieses Jahr nämlich die Wirtschaften geöffnet sein, jedenfalls bis zur vorgezogenen Sperrstunde. Mit Impfnachweis, Coronatest und FFP2-Maske darf jeder die heimische Gastronomie besuchen und nachdem bislang noch nichts von einem Kostümverbot zu hören war, kann dies grundsätzlich auch im Fasnachtskostüm geschehen. Das macht Hoffnung, dass es dieses Jahr vielleicht doch noch einen Hauch von Fasnacht geben wird.

Ein Bild vom "großen Miniaturumzug" 2021 der Neulermer Narren. In diesem Jahr ist eine Neuauflage geplant.

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