Flüchtlingszahlen steigen weiter an

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Sommerfest in der LEA Ellwangen: aktuell sind 780 Personen untergebracht. Foto: gek
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LEA-Leiter Berthold Weiß spricht beim Sommerfest in der LEA über die Zukunftsperspektive der Ellwanger Erstaufnahmeeinrichtung.

Ellwangen

Spiele für die Kinder, Kuchen, Snacks und Musik für die Erwachsenen. So wurde am Dienstagnachmittag das erste Fest in der LEA nach zwei Jahren Pandemie gefeiert. Alle auf dem Gelände vertretenen Organisationen hatten dazu beigetragen, Höhepunkt war ein Fußballspiel mit gemischten Teams aus Bewohnern und Betreuern auf dem Kunstrasenplatz.

„Die Menschen brauchen mal wieder eine Gelegenheit zum Feiern. Die letzten zwei Jahre waren eine Belastung für die Bewohnerinnen und Bewohner wie für das Personal“, sagt Sybille Jakob, Leiterin des Migrationsbüros Bayern und Baden-Württemberg der Malteserwerke gGmbH.

Die Organisation kümmert sich seit 2020 um die Kinderbetreuung, was zeitweise durchaus eine Herausforderung war. Mit Beginn des Krieges in der Ukraine und der Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge stieg die Zahl der Kinder und Jugendlichen auf 386. Zwischenzeitlich ging sie wieder zurück, aktuell sind 135 Minderjährige untergebracht.

Die Personalstärke an den aktuellen Bedarf anzupassen ist quasi Tagesgeschäft einer Erstaufnahmeeinrichtung. Vieles lässt sich nicht kalkulieren, nur improvisieren. Trotzdem gibt es einen klaren Trend: Die Zahl der Flüchtlinge, die in Baden-Württemberg ankommen, nimmt zu. „Wir hatten bis März 2021 über mehrere Jahre stets so um die 1000 Neuankommende pro Monat. Im Mai 2022 waren es 2000, jetzt sind wir bei 3000. In den fünf Monaten seit Beginn des Ukrainekrieges wurden im Land mehr als 100 000 Menschen aufgenommen“, sagt Berthold Weiß.

Der Leiter der LEA-Ellwangen kennt die Lage genau, unter anderem in Meßstetten, in der Messe Sindelfingen und in Giengen wurden provisorische Unterkünfte eingerichtet. Auch in Ellwangen steigen die Zahlen. Aktuell sind hier 780 Personen untergebracht, davon 130 aus der Ukraine. „Die Vermittlung an die Landkreise wird wieder zunehmen“, meint Weiß, die Aufenthaltsdauer in der Erstaufnahme werde kürzer werden.

Mit der Ausdehnung der Aufenthaltsdauer hat das Land ein Instrument, um die Situation zu entspannen, wenn in den Landkreisen Unterbringungsmöglichkeiten fehlen. Doch das geht nur, wenn in den LEAs Platz ist. Mehr Plätze, neue Einrichtungen sind nicht in Sicht. Weiß: „Das Land sucht dringend nach Immobilien, um die Situation in der Erstaufnahme zu entzerren.“

Doch bislang ohne Erfolg, was sich ganz konkret auf den Betrieb der LEA Ellwangen auswirkt. Der Vertrag der Einrichtung in der ehemaligen Reinhardt-Kaserne läuft zum Jahresende aus. Es gibt zwar Gespräche zwischen Stadt, Landkreis und Land, doch niemand glaubt noch daran, dass die LEA tatsächlich zum Jahresende schließt:

Berthold Weiß sagt dazu nur: „Alles andere als ein Weiterbetrieb weit über die aktuelle Vertragsdauer hinaus würde mich schon sehr wundern.“

Der einzige alternative Standort, der zur Ablösung von Ellwangen diskutiert wird, das Klinikum Böblingen, wäre frühestens 2026, eher 2028 verfügbar. Ob die Immobilie tatsächlich für die Flüchtlingsaufnahme genutzt werden wird, hängt aber noch von vielen Unsicherheiten und politischen Entscheidungen ab.

Die unklare Zukunft ist für die LEA Ellwangen ein Problem: Wird die Einrichtung noch über Jahre weiterbetrieben, müsste eigentlich saniert werden. Insbesondere die sanitären Einrichtungen, die Duschen. Auch die nicht abschließbaren Zimmer sind ein Defizit. Für Traumatisierte ist es eine Zumutung, wenn jederzeit Menschen in den Raum kommen können.

„Eigentlich bräuchten wir hier ein Chipsystem, mit dem man Privatsphäre schaffen und im Notfall doch die Türen von außen öffnen kann“, sagt Berthold Weiß.

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