Frau bei lebendigem Leib verbrannt

Vor dem Landgericht Ellwangen hat am Mittwoch der Prozess um den Tod einer 45-Jährigen aus Gerabronn begonnen. Ihr Ehemann soll sie ermordet haben.

Crailsheim/Ellwangen

Dem kleinen, schmächtigen Mann, der da in Handschellen und mit Fußfesseln aus der Untersuchungshaft in den Sitzungssaal geführt wird, würde wohl niemand auf den ersten Blick ein Verbrechen, geschweige denn einen Mord zutrauen.

Der 48-jährige Berufskraftfahrer arbeitete für eine Haller Firma als Busfahrer und galt bei den Schulkindern, die er transportierte, als beliebt. Und doch ist Oberstaatsanwalt Peter Humburger überzeugt, dass der Angeklagte seine Frau brutal ermordet hat.

Der Anklage zufolge gingen der Bluttat vom 14. November 2019 schwere Auseinandersetzungen zwischen den Eheleuten voraus, die sich im April 2018 getrennt hatten. Während die Frau mit einem der drei Söhne in eine andere Wohnung zog, blieb der Mann mit den beiden anderen Söhnen in dem gemeinsamen Einfamilienhaus der Eheleute in Gerabronn zurück.

Am 6. November, wenige Tage vor dem Verbrechen, schlossen die Eheleute laut Anklage einen Vergleich über den Trennungsunterhalt, bei dem sich der Mann zur Zahlung von monatlich 800 Euro verpflichtete.

Keine Einigung wurde dagegen in der Frage erzielt, wie mit dem Haus verfahren werden soll. Der Mann soll seiner Frau für deren Anteil am Haus 140 000 Euro angeboten haben, die Frau soll jedoch 170 000 Euro gefordert haben.

Am 13. November, also am Tag vor dem Verbrechen, hat es offensichtlich Krisengespräche gegeben: Am Vormittag sprach der Mann mit zwei seiner Söhne und seiner Mutter, am Abend mit seinem dritten Sohn - ohne ein für ihn befriedigendes Ergebnis. Er befürchtete, sein Haus zu verlieren, meint der Oberstaatsanwalt. "Aus Wut und Verärgerung beschloss der Angeklagte, seine Frau abzupassen, umzubringen und zu verbrennen", heißt es in der Anklage.

Mit seinem schwarzen BMW X 5 soll der Angeklagte am 14. November gegen 7.45 Uhr an der Aral-Tankstelle in Gerabronn vorgefahren sein. Dort füllte er laut Anklage in einen 20-Liter-Kanister 17,93 Liter Super-Benzin, dann fuhr er über Elpershofen und an der Brettachhöhe vorbei Richtung Binselberg. Auf dem 3,40 Meter breiten Weg soll er seiner Frau, die ihm mit einem Renault Clio entgegenkam, den Weg versperrt haben.

Die Frau war bewusstlos, doch am Leben.

Dr. Kirsten Marion Stein Rechtsmedizinerin

Das weitere Geschehen schildert der Anklagevertreter so: Mit einem Hammer zertrümmert der Angeklagte die Scheibe an der Fahrertür des Renault. Er schlägt mit der Faust auf seine Frau ein und überschüttet sie mit Benzin. Zwar gelingt es der Frau, aus dem Auto zu entkommen, doch schiebt sie der Mann wieder in das Auto hinein und versetzt ihr weitere Faustschläge, sodass sie bewusstlos wird.

Brennende Zigarette ins Auto geworfen

Dann zündet er eine Zigarette an, wirft sie in das Auto und löst so eine explosionsartige Verpuffung aus. Die Frau verbrennt bis zur Unkenntlichkeit. Der Mann kehrt nach Hause zurück und ruft wenig später die Polizei an. Gegen 8.40 Uhr wird er festgenommen.

Der Angeklagte hat gestern vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ellwangen weder zu seiner Person noch zur Sache Angaben gemacht. Die Aussagen von Rettungskräften und Polizisten, die am ersten Verhandlungstag vernommen wurden, verfolgte er ohne erkennbare äußerliche Regung. Meist war sein Blick auf den Boden gerichtet, die linke Hand hielt er dabei vor das Gesicht.

So verhielt sich der Angeklagte auch, als die Eppelheimer Rechtsmedizinerin Dr. Kirsten Marion Stein von den Ergebnissen der Obduktion des Opfers berichtet. Sie geht davon aus, dass die Frau bewusstlos, also noch am Leben war, als das Feuer schlagartig eine ungeheure Hitze entwickelte. Ein Hitzeschock sei als Todesursache plausibel, sagte die Fachärztin, allerdings seien auch andere Todesursachen denkbar, aber an der verkohlten Leiche, die nur noch 39 Kilogramm wog, nicht nachweisbar.

Eine persönliche Erklärung ihres Mandanten haben die Verteidiger, der Stuttgarter Rechtsanwalt Matthias Sigmund und die Crailsheimer Rechtsanwältin Anna Göbel, für den zweiten Verhandlungstag angekündigt. In einer "einleitenden Erklärung" äußerten sich die beiden Juristen jedoch zu den möglichen Motiven ihres Mandanten, der jahrelang die Kränkungen, die ihm seine Frau zugefügt habe, in sich "hineingefressen" habe.

Im Gerabronner Mordprozess sind insgesamt 23 Zeugen geladen. Morgen wird die Verhandlung mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt. Außerdem soll ein psychiatrischer Sachverständiger zu Wort kommen.

Erwin Zoll

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