Frick will Projektentwickler statt planerischem Wettbewerb

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Das Gewerbegebiet Neunheim und die Fläche im Vordergrund, auf der die Erweiterung geplant ist. Ein Oberflächenwassermanagement mit ortsnaher Versickerung muss sein. Eine verpflichtende Dachbegrünung hält Gunter Frick aus statischen Gründen nicht für durc
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Gunter Frick, Fraktionssprecher der Freien Wähler/Freie Bürger Ellwangen (FW/FBE), über die großen Themen, die Stadtverwaltung und Gemeinderat momentan bewegen.

Ellwangen

Sommerferien, Urlaub, Pause auch für die Kommunalpolitik. Die Schwäbische Post nutzt die Zeit für eine Bestandsaufnahme, für Interviews mit den Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat.

Im kommenden Jahr soll die Beseitigung der Hallen im t echnischen Bereich der Kaserne anlaufen. Wie stehen Sie zu dem vorliegenden Entwurf für die Bebauung des Konversionsgeländes? Halten Sie einen planerischen Wettbewerb für notwendig?

Gunter Frick: Mit planerischen Wettbewerben verbinde ich, in meiner nun 17-jährigen Gemeinderatszeit, überwiegend im Ergebnis negative Erfahrungen. Nach dem Marktplatzwettbewerb kam das Woha-Gelände. Das hat alles viel Geld und viel Zeit gekostet, aber keine Ergebnisse geliefert, die so umgesetzt wurden. Alles musste in vielen Diskussionsrunden modifiziert werden. Selbst das Fischerhaus neben dem Palais steht nach einem Architektenwettbewerb noch unangefasst da. Deshalb habe ich dazu kein ausreichendes Vertrauen. Wir müssen eine effizientere Arbeitsebene finden. Der Weg, über einen Projektentwickler zu gehen, ist zeitsparender und effektiver. Dieser muss einen vom Gemeinderat festgelegten Rahmen einhalten.

Welches Signal geben Sie dem Oberbürgermeister mit, wenn er mit dem Land und dem Kreis über die LEA Ellwangen spricht? Das Land wird versuchen, eine weitere Verlängerung zu erreichen. Unter welchen Umständen würden Sie dem zustimmen?

Der Oberbürgermeister muss die Vorgabe des Gemeinderats mit nach Stuttgart nehmen und diese dort vertreten. Das heißt, die LEA endet 2022. Zumal wir der Überzeugung sind, dass sieben Jahre LEA-Betrieb, der zeitweise auch mit Belastungen für die Bevölkerung verbunden war, eine große Leistung unserer Stadt für den Regierungsbezirk Stuttgart war. Eine Verlängerung ist für uns nicht denkbar, da sonst keine wirkliche Konversion stattfinden wird.

Der Zwischenbericht des Stadtkämmerers hat gezeigt, dass die Finanzen nicht unbedingt das größte Problem der Stadt sind, sondern die personellen und planerischen Kapazitäten. Wäre es sinnvoll, die Überplanung des Kasernenareals weiter in die Zukunft zu verschieben?

Wir begehen nun die Feier des 10-jährigen Leerstands. Werfen Sie mal einen Blick in andere Garnisonsstädte, zum Beispiel nach Ulm, und schauen Sie, was dort entwickelt werden konnte. Wir wollen Stadtentwicklung und nicht Stillstand. Wir brauchen Wohnraum in allen Preislagen. Nur dort entwickeln wir dies ohne weiteren Flächenverbrauch, stadtnah und in attraktiver Lage.

Der Ausbau des Z-Baus zur EATA hat sich auf einen Schlag um elf Millionen Euro verteuert. Sie haben trotzdem dafür gestimmt, weiterzubauen. Sind Sie von dem Konzept noch überzeugt?

Die EATA sollte der Gewinnung von handwerklichem Nachwuchs dienen. Ein Sachverhalt, der heute noch fast aktueller ist als vor knapp 10 Jahren bei der Entscheidung. Der Gedanke ist für mich heute noch richtig und muss aufgrund der bisherigen Erfahrungen und der aktuellen Situation modifiziert werden. Nun stand der Gemeinderat vor der Entscheidung für weitere 11 Millionen fertigzubauen, oder für drei Millionen weniger eine Bauruine ohne inhaltliches Konzept in Ellwangen stehen zu haben. Und die Dauerkritik, dass Ellwangen Leistungen für andere erbringt und die Absolventen außerhalb unserer Region landen, kann ich auch nicht teilen. Viele Kommunen sozialisieren Leistungen für andere. Da es damals noch kein Hallenbad in Ellwangen gab, habe ich meinen Freischwimmer in Crailsheim absolviert, ohne mit meinem Eintrittsgeld die Gesamtkosten des Badbesuchs abgedeckt zu haben. Das gilt auch für die Oper in Stuttgart.

Muss man nach der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz kommunale Baugebietsplanung grundsätzlich verändern? Welche Möglichkeiten hat man in Gewerbegebieten, die Flächenversiegelung zu reduzieren?

Die Baugebietsplanung muss nicht grundsätzlich verändert werden. Das Landesamt für Umwelt hat die Arbeit schon gemacht und Überschwemmungsgebiete und Risikozonen definiert. Umso wichtiger ist das Bauen in der Substanz, wie z. B. auf dem Konversionsgelände. Wer in Gefährdungszonen baut, muss mit Wannen und Aufschüttungen für sein Objekt sorgen. Außerdem riskiert er heutzutage, keinen entsprechenden Versicherungsschutz mehr zu erhalten. Das Landesgartenschaugelände liegt zum Teil im Bereich des 100-jährigen-Hochwassers. Auch dies muss berücksichtigt werden. Ein Gewerbegebiet wird immer einen gewissen Grad an Versiegelung mit sich bringen. Das Niederschlagswasser sollte weitestgehend da versickern, wo es anfällt. Das geht über Retentionsbecken, oder auch Löschwasserbehältnisse. In unserem Industriegebiet gibt es das bereits zu sehen. Eine Dachbegrünung, die schwer und teuer ist, geht aus statischen Gründen nicht in jedem Fall, wird aber in alle planerischen Überlegungen mit einbezogen. Das gleiche gilt für mehrgeschossige Bauweise, die nicht zu jedem Gewerbe und Industriebetrieb passt. Im neuen Gewerbegebiet wurde diesem Gesamtsachverhalt schon massiv Rechnung getragen.

Der Z-Bau, einstmals Truppenunterkunft der Reinhardt-Kaserne, wird für die europäische Ausbildungs- und Transferakademie (EATA) zum Wohn- und Schulungsgebäude umgebaut. Die Baukosten sind extrem gestiegen, die Fertigstellung ist in zeitlichem Verzug. Fot
Gunter Frick

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