Friedensdekade soll Orientierung geben

+
Seit Jahrzehnten erinnert das Friedensforum am 9. November an die Opfer des Nationalsozialismus. Foto: AK
  • schließen

Der Krieg in der Ukraine macht selbst überzeugte Pazifisten ratlos: Gib es einen gerechten Krieg? Wie steht die Friedensbewegung zur Unterstützung der Ukraine mit Waffen?

Ellwangen

Gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, entschlossen gegen Kriegstreiber stehen, die Erinnerung an das Nazi-Regime wachhalten, das den zweiten Weltkrieg und den Holocaust verbrochen hat, solidarisch sein mit Unterdrückten und Ausgebeuteten auf der ganzen Welt, Kriegsflüchtlinge unterstützen, für Freiheit und Frieden eintreten, nicht schweigen, wenn diese Werte angegriffen werden: dafür stehen in Ellwangen seit Jahrzehnten eine ganze Reihe von Menschen und Organisationen. Vorneweg das Friedensforum, dass den Protest gegen Krieg, Unterdrückung und Ausbeutung mit dem Aktionsbündnis Mahnwache jeden Samstag am Fuchseck mit der Mahnwache zeigt. Der Treffpunkt Nord Süd, die Ortsgruppe von amnesty international, der Freundeskreis Asyl, die katholische und die evangelische Kirchengemeinde und die Comboni Missionare sind weitere Gruppen, die zur Friedensbewegung in Ellwangen gehören.

Seit 20 Jahren bringen sie bei der jährlichen ökumenischen Friedensdekade Politik und Religion zusammen, veranstalten Vorträge, Aktionen und Gottesdienste und bieten damit auch Orientierung für viele Menschen in der Stadt, die in Krisenzeiten Halt suchen.

Dass die Friedensbewegung selbst alles andere als geschlossen ist, machte Josef Baumann beim Pressegespräch zum Programm der Friedensdekade 2022 deutlich: "Ich möchte seitens der Mahnwache betonen, dass wir uns in aller Form von den Protesten distanzieren, die beim Besuch von Ricarda Lang vor dem Taj Mahal stattgefunden haben." Das Ellwanger Friedensforum sei dort nicht aufgetreten. Bei den Protesten hatten sich neben Landwirten, Querdenkern, Reichsbürgern und AFD-Wählern auch Menschen mit Plakaten wie "Frieden schaffen ohne Waffen" eingereiht.

Gerhard Schneider warf trotzdem die Frage auf: "Wie hätten wir uns verhalten, wenn wir da gewesen wären?" Kann man als überzeugter Pazifist an Protesten teilnehmen und neben Rechtsextremen stehen, ohne seine eigene Überzeugung zu verraten?

Der russische Angriff auf die Ukraine erschüttert die ganze Welt und spaltet die Friedensbewegung: in diejenigen, die jede Beteiligung an einem Krieg und Waffenlieferungen insbesondere grundsätzlich ablehnen. Und in andere, die der Meinung sind, dass es so etwas wie einen gerechten Krieg geben kann und man dem ukrainischen Volk in dieser Not beistehen muss, auch militärisch.

"Wir befinden uns ein Stück weit in einem Dilemma", sagt auch Peter Maile, "aber nicht erst seit dem Ukrainekrieg." Viele in der Friedensbewegung betrachten den bewaffneten Widerstand gegen Hitler als legitim, sehen in Staufenberg, Elser und anderen Widerstandskämpfern Vorbilder, obwohl sie gewaltsam handelten. "Es ist letztlich eine persönliche Entscheidung des einzelnen, ob er Gewalt als letztes Mittel gegen Unrecht für akzeptabel hält", sagt Maile.

Die Friedensdekade soll den Menschen helfen und in der aktuellen Krise Orientierung geben, sagt Karin Böhme und das Gebet habe dabei einen zentralen Platz. Unter dem Motto "Zusammen:Halt" finden vom 4. bis 16. November wieder zahlreiche Veranstaltungen statt.

Programm der Friedensdekade 2022

Freitag, 4. November, 15 Uhr: Busrundfahrt zum Nachdenken, zu Rüstungsfirmen und militärischen Einrichtungen im Ostalbkreis.

Sonntag 6.November, 9.30 Uhr: Eröffnungsgottesdienst Vesperkirche und Friedensdekade in der Basilika. 19 Uhr: Vortrag "militärfreie und global gerechte Zeitenwende" mit Andreas Zumach im Speratushaus.

Mittwoch 9. November, 18 Uhr: Gedenken an die Opfer der Reichsprogromnacht am Fuchseck.

Freitag 11. November, 18 Uhr: Friedensgebet Wolfgangskirche, 19 Uhr: "EineMillionSterne", Lichtermeer vor dem Kirchplatz.

Samstag, 12. November, 10 Uhr: Friedenslauf am Fuchseck

Sonntag, 13. November, 9.30 Uhr Gottesdienst im Missionshaus Josefstal, 14 Uhr: Gedenkfeier am jüdischen Friedhof mit Dr. Alfred Geisel und "Ninehome Trio", 17 Uhr: AbstraktOrchester trifft Kantorei zur Bitte um Frieden, Kozert in der ev. Stadtkirche.

Montag, 14. November, 19 Uhr: Film-Abend "Gao-Widerstand eines Volkes" im Speratushaus.

Dienstag, 15. November, 19 Uhr: Vortrag "Arbeit und menschliche Würde" mitWerner Langenbacher im Palais Adelmann.

Mittwoch, 16. November, 18.30 Uhr: Abschlussgottesdienst in der ev. Stadtkirche.

Ausführliches Programm und Kontakt für Anmeldungen unter www.friedensdekade.de

Aktionen der Friedensbewegung in Ellwangen: Rund 50 Menschen beteiligten sich im August an der Hiroshima-Mahnwache am Fuchseck: Walter Belge singt "Masters of War" von Bob Dylan.
Die Mahnwache protestierte am Fuchseck gegen den Ukraine-Krieg. Rund 200 Teilnehmer nahmen an der Kundgebung teil. Foto: AK

Zurück zur Übersicht: Stadt Ellwangen

Kommentare