Für die „Marmeladenglasmomente“

+
Im Fischbach lässt es sich nach Herzenslust planschen und dreckeln.

Im Mädchenzeltlager Stockensägmühle lässt es sich unbeschwert und naturnah Kind sein und aus dem Alltag einmal komplett aussteigen.

Ellwangen

Was ein Marmeladenglasmoment ist? Das ist ein Augenblick, den man festhalten möchte. Wenn sie im Abendkreis zusammen sitzen, dann erzählen sie sich ihre Marmeladenglasmomente, die 64 Mädels, die im Zeltlager bei der Stockensägmühle zehn wildwunderbare Ferientage verbringen.

Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“ haben sich die Mitarbeiterinnen des evangelischen Jugendwerks Bezirks Ostalb als Lagerthema ausgeguckt. Seit März haben sie das Mädchenzeltlager 2021 vorbereitet, eigens ein Theaterstück geschrieben und einstudiert, das sie jeden Tag in Fortsetzung ihren Lagermädels vorführen.

Anschließend befassen sich die „Waldgören“, die „Wilden Schurkinnen“ und die anderen Zeltgruppen einzeln für sich mit dem, was so drinsteckt im Stück: Freundschaft, Umwelt, Angst, Nächstenliebe, Vorurteile oder Versöhnung.

Die letzten Kässpätzle von Johanna Kleemann und ihrem sechsköpfigen Küchenteam sind verdrückt, das „Happy Birthday“ für Zeltmama Leonie verklungen. Dann verteilt sich die Meute, denn bis das Lagerlied „Touch the Sky“ aus der großen Box tönt, und es also weitergeht im Tagesprogramm, dauert es noch ein bisschen.

Während sich die 26 Mitarbeiterinnen im Schneidersitzkreis im Schatten der Bäume besprechen, haben die Mädels Wichtigeres zu tun. Melia und Elisabeth ermitteln, wer der Zahnbürstenmörder ist. Natalie stellt trocken fest: „So, das war jetzt die zweite Hose“, welche trieft und die ein oder andere Lehmspur aufweist. Aber darauf kann sie nun wirklich keine Rücksicht nehmen. Denn schließlich muss sie mit Luna (10), Carolina und Sophia (10) a die perfekte Hüpflandschaft bauen. Von einem Steinplateau aus, auf dem Luna mit baumelnden Beinen am Bach sitzt und Gummibärchen genießt, wollen sie über den Fischbach ans andere Ufer springen und über eine dritte Station wieder zurück. Da muss hier Erde abgetragen und dort angefüllt werden. Und alle paar Minuten auch mal ein vollgelaufener Gummistiefel wieder ausgekippt. „Dreck macht fröhlich“, grinst Natalie und klopft weiter mit den bloßen Händen den Lehm fest. Ein Stückchen bachaufwärts toben Marie und Lena mit Besuchshund Merlin, der Stöckchenschmeißerinnen braucht.

Manche schleppen ihr Feldbett aus dem Zelt und suchen sich draußen ein nettes Plätzchen, lesen oder schreiben Briefe. Auf der Wiese spielt eine Gruppe „Werwolf“. Finja trommelt den Spüldienst zusammen. Mara (13) erzählt, warum sie das Mädchenzeltlager so toll findet. Sie liebe die Geländespiele. Und die Überfälle. (Verübt von den Mitarbeitern des Bubenzeltlagers.) Für die 23-Jährige selbst das Schönste ist, dass „alle zusammen helfen und nur ein Ziel haben“: den Lagerkindern „zehn coole Tage zu bieten“. Für Mara das Beste ist, dass sie in ihren Lagersommern der vergangenen Jahre viele Freunde gefunden hat. Und die nun endlich wiedersieht.

Keine Handy. Die liegen zuhause. Amelie (12) sagt: „Mir tut's gut ohne Handy, wenn ich mal Pause von allem hab.“ Die anderen stimmen zu. „Hier ist ja immer Action.“

Von einem ganz besonderen Marmeladenglasmoment erzählt Marleen (13) aus Dirgenheim. Denn vergangene Nacht haben sie mitten im Wald verbracht. In ihren Schlafsäcken, die sie auf Isomatten legten. „Wir haben zwischen den Bäumen auf Moos geschlafen. Das war weicher als unser Feldbett. Wir haben abbaubare Zahnpasta benutzt und wer sein Geschäft machen musste, musste sich mit der Schaufel ein Loch buddeln. Wir haben richtig viel gelacht.“

Was eine Zeltmama so alles zu tun hat, fasst Bekki (23) zusammen: Bei Heimweh, Bremsenstichen oder einem verlorenen Spiel trösten, Pflaster aufkleben oder zur Rettung eilen, wenn eine Spinne im Zelt ist.

Und dann erschallt wieder der Ruf aus unzähligen Mädchenkehlen: „Wir Räubertöchter sind jetzt da. Frech und wild und wunderbar!“

Tanzeinlage im Hof der Stockensägmühle. Den Mädels geht die Energie nicht aus.
Die Mädeles bauen sich eine Hüpflandschaft am Fischbach.
Toben mit Besuchshund Merlin im Fischbach.
Die Mädeles bauen sich eine Hüpflandschaft am Fischbach.
Die "Waldgören" und "wilden Schurkinnen" verbringen ihre freie Zeit beim Werwolf-Spielen.
Quatschen auf der Wiese hinter den 10 Zelten.

Zurück zur Übersicht: Stadt Ellwangen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare