Gaskrise: Ellwangen bangt dem Winter entgegen

+
Gaszähler: Wenn die Pipeline leer läuft wäre der "worst case" erreicht.
  • schließen

Die Duschen in den städtischen Turnhallen bleiben kalt, das Hallenbad bleibt länger geschlossen, Kühlschränke werden ausgeschaltet.

Ellwangen

Die extremen Preissteigerungen am Energiemarkt und die realistische Gefahr, dass Russland die Gasversorgung als politisches Druckmittel einsetzt und im kommenden Winter Engpässe oder gar Ausfälle drohen, treibt die Ellwanger Stadtverwaltung um.

Am Donnerstagabend im Gemeinderat berichteten Oberbürgermeister Michael Dambacher und Bürgermeister Volker Grab, was die Stadt derzeit tun kann, um vorzusorgen. Es ist, kurz gesagt, nicht viel. Dambacher zeichnete einen Ausfall der Gaslieferungen im Winter drastisch: "Es stellt sich die Frage, wie viel Gas bei uns im Süden überhaupt noch ankommt. Und ob dann in der Folge auch die Stromversorgung zusammenbricht, weil jeder den Elektroheizer anstellt." Wie sich die Stadtverwaltung auf diesen "worst case" vorbereiten kann? Dambacher: "90 Prozent der städtischen Gebäude sind dann nicht mehr beheizbar. Dann sind wir in der Steinzeit. Darauf kann man sich nicht vorbereiten. Dann können wir nur noch versuchen, Schäden an unseren Gebäuden zu verhindern und die Wasserleitungen leeren." Das Szenario könne man sich heute nicht vorstellen, obwohl es angesichts der politischen Situation nicht völlig unrealistisch ist. Der OB: "Wir sind an dem Thema dran. Aber wenn nichts mehr geht, geht nichts."

Volker Grab teilte mit, dass die Corona-Task-Force nahtlos in die Ukraine-Gas-Task-Force übergegangen sei und sich wöchentlich treffe. Bereits seit Juni liefen Einsparungen, unter anderem würden die städtischen Hallen als Kalthallen betrieben, auch die Duschen seien kalt. Man habe in den städtischen Gebäuden Kühlschränke zusammengelegt und teilweise abgeschaltet. Die Mitarbeiter seien in einem Rundschreiben zum Energiesparen aufgefordert worden. Tatsächlich habe man so auch bereits 6500 Kubikmeter Erdgas einsparen können. "Das ist für eine Kommune nicht viele, doch wenn das in Deutschland viele machen, kommt schon was zusammen."

Die Sommerschließung des Wellenbads sei von vier auf acht Wochen verlängert worden. Allerdings wolle man trotzdem die Schwimmkurse der Vhs durchführen. Das Angebot für Kinder sei wichtig, weil bereits in der Pandemie Schwimmkurse ausgefallen waren.

Wenn tatsächlich die Warnstufe drei Gas, die Notfallstufe, ausgerufen werde, sei mit bundeseinheitlichen Vorgaben zu rechnen. Dann sei damit zu rechnen, dass in allen kommunalen Gebäuden die Raumtemperatur reduziert wird. Die Task Force beschäftige sich unter anderem mit der Frage, wie dann die Einsatzfähigkeit der Hilfsorganisationen wie Feuerwehr aufrecht erhalten werden kann.

Man habe auch geprüft, Energie einzusparen, indem die Straßenbeleuchtung teilweise ausgeschaltet wird, teilte Dambacher mit. Allerdings habe die ODR versichert, dass der Aufwand dafür extrem hoch ist. An 104 Punkten müssten Einstellungen vor Ort verändert werden, der finanzielle Aufwand summiere sich auf 40 000 Euro. "Da haben wir beschlossen, dass wir diesen Betrag in den Umstieg auf energiesparende LED-Technologie stecken und die Schaltung vorerst nicht verändern", sagte Dambacher.

Herbert Hieber (SPD) war überrascht, dass eine teilweise Abschaltung so kompliziert ist und regte an, zu prüfen ob ein um 15 Minuten verzögertes Einschalten einfacher ist.

Berthold Weiß (Grüne) meinte, jede Krise berge auch Chancen und er hoffe, dass künftig auch bei der Straßenbeleuchtung noch mehr auf energiesparende Systeme gesetzt wird.

Zurück zur Übersicht: Stadt Ellwangen

Mehr zum Thema

Kommentare