Gefängnis für Raub und Hehlerei

  • Weitere
    schließen
+
Urteil im Landgerichtsprozess: der 25-jährige Kosovare muss vier Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Nicht alle ihm zur Last gelegten Anklagepunkte ließen sich zweifelsfrei zuschreiben.
  • schließen

Vier Jahre und zehn Monate Freiheitsstrafe für einen 25-jährigen Kosovaren. Die zweite große Strafkammer bleibt deutlich unter der Forderung des Oberstaatsanwalts.

Ellwangen.

Am Mittwoch wurde nach acht Verhandlungstagen ein Urteil gesprochen gegen den 25-Jährigen aus dem Kosovo, der wegen verschiedener Gewalttaten angeklagt war. Im Lauf des Prozesses war das Verfahren in mehreren Anklagepunkten mangels Beweisen eingestellt worden. Der Einbruch in Eigenzell, von dem das Diebesgut stammte, das beim Angeklagten gefunden worden war, der versuchte Überfall auf einen Penny-Markt in Essingen und auch der Überfall auf die Filiale der VR-Bank in Jagstzell war dem Angeklagten nicht sicher zuzuschreiben.

Am Mittwoch überraschte der Verteidiger das Gericht noch mit einer weiteren Erklärung seines Mandanten: der gebe den Überfall auf den Lidl-Markt in Crailsheim wie in der Anklage beschrieben zu.

Damit hatte der Mann auf der Anklagebank zwei Taten gestanden: die Hehlerei mit erdrückender Beweislage und den erfolglosen Versuch, eine Supermarktkasse mit einem Beil zu plündern. Er ließ unter anderem seine DNA-Spur und eine traumatisierte Verkäuferin zurück.

Viel schwerer wog der Einbruch in Crailsheim, den ihm die Anklage immer noch vorhielt. Oberstaatsanwalt Jörg Böhmer forderte vehement, den Angeklagten wegen dieser Tat zu verurteilen, obwohl der Bruder der Lebensgefährtin ausgesagt hatte, er sei der Täter. Dessen Aussage und die seiner Schwester seien nicht glaubhaft, deuteten vielmehr auf eine Absprache, um den Kosovaren zu entlasten. Böhmer forderte für den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von 11 Jahren. Von der Sicherungsverwahrung sah er ab, sie sei wohl nicht revisionssicher anzuordnen.

Den Ausführungen schloss sich die Vertreterin der Nebenklage an. Sie schilderte noch einmal das brutale Vorgehen des Täters bei dem bewaffneten Einbruch in Crailsheim. Der Zeuge, der angab, selbst Täter zu sein, habe nicht etwa Täterwissen gezeigt, sondern lediglich Täterwissen weitergegeben.

Vernünftige Zweifel bleiben.

Jochen Fleischer Vorsitzender Richter

Nicht alle Taten belegbar

Der Verteidiger warnte davor, in dem Mann auf der Anklagebank automatisch den Täter zu sehen. Die Vorbelastung als Intensivstraftäter dürfe nicht dazu führen, dass man seinem Mandanten alle unaufgeklärten Straftaten zuschiebe, die sich zu der fraglichen Zeit in der Region ereigneten. "Für eine Verurteilung müssen Tatsachen her", sagte der Anwalt. Der Einbruch von Crailsheim könne weder seinem Mandanten noch dem Zeugen bewiesen werden, das Verfahren sei einzustellen. Den Überfall auf den Lidl wertete der Verteidiger nicht als Raub. Weil der Täter sich zuerst und vor allem der Kasse gewidmet habe und nicht den Verkäuferinnen, könne man darin auch einen versuchten schweren Diebstahl sehen. Eine Gesamtstrafe von drei Jahren und sechs Monaten sei angemessen.

Der Vorsitzende Richter Jochen Fleischer folgte im Großen und Ganzen dem Verteidiger. Nur bei den gestandenen Taten könne man ein Urteil sprechen, sonst sei der 25-Jährige freizusprechen. Blieben vier Jahre und zehn Monate Freiheitsstrafe.

Die Beweise und Indizien im Fall Einbruch Crailsheim reichten nicht für eine Verurteilung, "weil vernünftige Zweifel bleiben." Der Fall sei hochproblematisch, doch es sei besser einen Schuldigen laufen zu lassen als einen Unschuldigen zu verurteilen.

Mehr zum Thema

Zurück zur Übersicht: Stadt Ellwangen

WEITERE ARTIKEL