Geheimnisvolles Ellwanger Schloss

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Vom Innenhof führen Treppenstufen über fünf Meter hinab in den Residenzkeller, der bislang als Heizöllager diente. Jetzt sind die Tanks entfernt und man erkennt die mächtigen Mauern, die bei der Erweiterung des Schlosses im 18. Jahrhundert entstanden.
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Die momentan laufende Sanierung bringt vergessen geglaubte Spuren der Vergangenheit wieder ans Tageslicht. Ein Rundgang mit Matthias Steuer vom Schlossmuseum.

Ellwangen

Derzeit laufen größere Sanierungsarbeiten im Schloss. Es werden Leitungen verlegt, Sanitäranlagen erneuert und eine neue Heizung eingebaut. Fast jedesmal, wenn die Handwerker den Boden aufgraben oder Putz entfernen, kommen Spuren der Vergangenheit ans Tageslicht und erzählen davon, wie sich das Aussehen des Schlosses immer wieder verändert hat.

Matthias Steuer, Leiter des Schlossmuseums, arbeitet selbst auf dem Schloss. Er kennt hier fast jeden Stein und in seinen zahlreichen Führungen hat er für die Interessierten schon die tiefsten Keller und die höchsten Turmzimmer geöffnet. Doch auch er ist immer wieder überrascht, wenn, wie jetzt geschehen, hinter dem Putz der Besuchertoiletten plötzlich eine vermauerte Tür aus dem 15. Jahrhundert hervorkommt.

„Aus alten Akten wissen wir, dass hier einmal die Räume des Torwächters waren“, erzählt er und zeigt auf die Umrisse eines zugemauerten Türstocks. Wir stehen im Durchgang vom Schlossinnenhof zum Südwestturm, der auch als „Schwedenturm“ bekannt ist. Hier sind die Besuchertoiletten geschaffen worden, vermutlich in den 1950-er Jahren.

„Am großen Tor vor des Torwarten Kammer“ zitiert Steuer eine Quelle von 1424, die genau die Stelle beschreibt, an der wir stehen: „Bei Hansens Torwarten Stüblin.“

„Das große Tor“ war der offizielle Zugang zum Innenhof und damit zu den Palasträumen, bevor die Fürstpröpste Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1694-1732) und Franz Georg von Schönborn (1732-1756) im 18. Jahrhundert das Schloss vergrößert, barockisiert und in seine heutige Form gebracht haben.

„Dass wir unter dem Putz etwas finden, das vor 600 Jahren beschrieben wurde, beweist die Verlässlichkeit der Quellen. Wir können mit den alten Bauakten tief in die Vergangenheit zurückblicken und finden die Bestätigung in der Gegenwart“, ist Steuer fasziniert.

Wer im 13. Jahrhundert zum Schloss kam, sah ein gänzlich anderes Gebäude vor sich. Wo heute das „Vorschloss“ steht, mit dem Gymnasiallehrerseminar und der Schlosskapelle, war die äußere Mauer und ein Tor mit Zugbrücke, davor ein tiefer Burggraben. „Die erste Burg war nicht größer als ein heutiges Einfamilienhaus mit zwei Stockwerken“, erzählt Steuer und zeigt, wo am Südflügel ein Knick und eine Baunaht die ursprüngliche Größe noch anzeigen.

Alte Zeichnungen belegen, dass die Ellwanger Burg damals zur Stadt hin nur einen Turm hatte, den Westturm, dort wo heute die Knoedler-Stiftung ihre Räume hat. Mächtige Buckelquader zeigen den ältesten erhaltenen Teil der alten Abtsburg an.

Erst Fürstpropst Johann Christoph I. von Westerstetten (1603-1613) macht die Burg zum Schloss, er lässt den Südturm errichten und gleicht ihn dem Westturm an. Das prächtige Portal im Südflügel trägt noch heute sein Wappen.

Bald darauf werden die beiden Türme, die ursprünglich noch weit über das Schloss hinausragten, dem stark erweiterten Bau in der Höhe angeglichen. Unter Westerstetten wird das Schloss zur Vierflügelanlage, unter Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg wird das Gebäude barockisiert und im Innenhof das große Treppenhaus vorgesetzt. Unter Franz Schönborn wird in den Ostflügel der heutige Zugang zum Innenhof geschaffen. „Eine ständige bauliche Veränderung“, sagt Steuer. Nur im Untergrund blieben die Mauern, wie sie waren.

Der Museumsleiter öffnet eine Tür, die im Westflügel vom Innenhof in die Tiefe führt. Hier unten war bislang das Heizöl gelagert, Tanks für 50 000 Liter. Weil künftig das Schloss mit Gas beheizt wird, wurden sie entfernt und man sieht den riesigen Residenzkeller, fünf Meter unter dem Innenhof gelegen, in seiner ganzen Pracht. Was aus diesem Raum wird? Sicher ist nur, das Schloss wird sich wieder verändern.

Das Schloss war im 13. Jahrhundert nicht größer als ein heutiges Einfamilienhaus.“

Matthias Steuer, Leiter des Schlossmuseums

Die unheimliche Geschichte vom Schwedenturm

Der südwestliche Turm des Schlosses hieß ursprünglich Michaelsturm. Heute wird er aber nur noch Schwedenturm genannt, weil sich dort ein grässliches Ereignis zugetragen haben soll: Während des 30-jährigen Krieges besetzten schwedische Truppen Stadt und Schloss Ellwangen. Ein Soldat schlug in der Schlosskapelle aus einer Laune heraus an einer Pieta dem Jesus die Hand ab. Daraufhin begann die Hand des Soldaten zu schmerzen, verfärbte sich und verfaulte langsam. Die unheimliche Verletzung des Kameraden verängstigte die schwedischen Truppen. Sie warfen den Täter in das Verlies unter dem Schwedenturm, wo er verendete.

Matthias Steuer zeigt, wo im Spätmittelalter das äußere Tor der Schlossmauer war.

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