Gelungene Wohn-Arbeits-Kombination

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Die beiden Caritas-Mitarbeiterinnen Tamara Bolz (rechts) und Charlotte Raubach im Treppenhaus des Gebäudes.

Seit Januar befindet sich das Caritas-Zentrum im Sebastiansgraben. Unten sind Büroräume untergebracht, oben ist Platz für Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr zuhause wohnen können.

Ellwangen

Es ist ein ganz besonderes Projekt, das es in unserem Verband so bisher nicht gibt“, sagt Caritas-Regionalleiter Markus Mengemann. Bereits Ende letzten Jahres hatte er mit Leitungs-Kollegin Angelika Schweizer, mit Nicole Bühler von der Stadt Ellwangen und Sr. Veronika Mätzler von den Anna-Schwestern das gemeinschaftliche Konzept vorgestellt. Dass in Ellwangen solche Wohnungen für Frauen in Not gebraucht werden, zeigt die hohe Nachfrage. Das Haus ist voll belegt. Doch wie funktioniert das mit dem Wohnen im Obergeschoss und mit dem Bürobetrieb im Erdgeschoss? Ein kleiner Einblick.

Als die insgesamt sechs Caritas-Mitarbeiterinnen Anfang des Jahres von der Badgasse in den Sebastiansgraben umgezogen sind, wussten sie, dass das Gebäude mit dem hübschen Garten nicht nur für sie das neue Domizil sein wird. Denn im oberen Stockwerk befinden sich die Zimmer des Frauen-Wohnprojektes, das die Caritas gemeinsam mit der Stadt Ellwangen und den Anna-Schwestern initiiert hat. Frauen, die aus irgendeinem Grund nicht mehr zu Hause wohnen können, sollen hier vorübergehend Platz finden und den Weg raus aus der Sackgasse hinein in eine bessere, lebenswerte Zukunft.

Unter der geschwungenen Treppe, die vom Erdgeschoss in die Wohnräume führt, stehen zwei Kinderwagen. „Wir sind voll besetzt“, sagt Caritas-Mitarbeiterin Charlotte Raubach. Drei Frauen sind im März eingezogen, zwei davon mit Kindern. Außer der Kindersperre am oberen Treppenende trennt die Frauen nur ihre Zimmertüre von den Büroräumen unten. „Es ist eine ungewöhnliche Situation“, findet Tamara Bolz, die das Frauen-Wohnprojekt betreut. In diesem Fall jedoch muss man sagen, dass „ungewöhnlich“ nur Gutes bedeutet.

Verständnis für die Situation

Gut deshalb, weil es die Frauen als bereichernd empfinden, dass unten jemand da ist. Wenn es also an der Tür von Tamara Bolz klopft und eine Frau ihren Kopf vorsichtig durch den Türspalt steckt, dann ist es eine Klientin von oben. „Können sie mir mal schnell helfen?“, hört Tamara Bolz dann öfter. Meist handele es sich um Behördenkram. „Manchmal“, so erzählt sie, „stecken aber auch größere Probleme dahinter, die nicht zwischen Tür und Angel geklärt werden können.“ Dass im Erdgeschoss des Hauses Verständnis für ihre Situationen da ist, bedeutet für die Frauen einen großen Mehrwert. Sie müssen nichts erklären, sie lieben es, dass jemand da ist, sie fühlen sich sicher.

„Man muss sich vorstellen, dass diese Frauen in irgendeiner Form Gewalt erfahren haben“, lässt Charlotte Raubach wissen. Sie kommen aus einer exponierten Situation und finden im Frauen-Wohnprojekt nicht nur Zuflucht, sondern man hilft ihnen aus dieser Lage auch heraus.

Probleme nicht tabuisiert

Entscheidend ist für die Frauen, dass hier vor Ort ihre Probleme „normal“ sind, dass ihre Probleme nicht tabuisiert werden. Auch ist den Frauen klar, dass dies eine Übergangslösung ist. Der Wohnbereich mit den schlicht eingerichteten Zimmern und der Wohnküche sieht keinen längeren Aufenthalt vor. Das Ziel ist, die Frauen wieder in eine eigene, gute Wohnsituation zu bringen.

Und wie geht es den Caritas-Mitarbeiterinnen damit, dass im Stock über den Büroräumen Klientinnen wohnen? „Wir bekommen gar nicht so viel mit“, sagt Tamara Bolz lächelnd. Außer, dass es im Keller nach frischer Wäsche riecht und um die Mittagszeit nach Essen. Das aber empfinden Bolz und Raubach als schön und gibt ihnen das Gefühl, dass das Gebäude nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern eben auch Wohnraum ist.

Man muss sich vorstellen, dass diese Frauen in irgendeiner Form Gewalt erfahren haben“

Charlotte Raubach, Caritas-Mitarbeiterin

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