Große Presse beim Mordprozess am Montag

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Der Ellwanger Schwurgerichtssaal ohne Bestuhlung im Zuschauerraum: Brandschutz und Coronaverordnung limitieren die Besucherzahl beim Mordprozess. Das Landgericht will 16 Pressevertreter und zehn Besucher zulassen. Archiv-
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    Gerhard Königer
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Am Montag beginnt der Prozess gegen den Mann, der beschuldigt wird, im Januar in Rot am See sechsfachem Mord begangen zu haben.

Ellwangen

Adrian S. ist 26 Jahre alt und es ist nicht unwahrscheinlich, dass er den größten Teil seines weiteren Lebens hinter Gittern verbringen wird. Er wird von der Staatsanwaltschaft wegen sechsfachem Mordes sowie versuchtem Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen angeklagt.

Am 24. Januar soll er in Rot am See seine Mutter, seinen Vater und seine Halbschwester durch gezielte Kopfschüsse getötet haben. Ein Halbbruder, ein Onkel und eine Tante wurden durch weitere Schüsse tödlich verletzt. Zwei weitere Verwandte konnten sich durch Flucht retten. Insgesamt habe der Angeklagte 30 Schüsse abgefeuert, teilt die Staatsanwaltschaft mit.

Was tatsächlich geschah gegen Mittag dieses Tages, an dem sich die Familie anlässlich einer Beerdigung im Gasthof des Vaters getroffen hat, wird das Gericht unter dem Vorsitzenden Richter Gerhard Ilg klären. Sieben Verhandlungstage sind dafür angesetzt.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass dies einer der aufsehenerregendsten Schwurgerichtsprozesse der letzten Jahre in Ellwangen werden wird. Und ob der Angeklagte überhaupt voll schuldfähig ist, dürfte zentrales Thema sein. Der 26-jährige, der laut Staatsanwaltschaft geständig ist, plante offenbar schon seit einiger Zeit, die Mutter und die Halbschwester zu töten, weil er sich von ihnen bedroht fühlte. Eigens deshalb wurde er wohl Mitglied in einem Schützenverein und besorgte sich legal eine Pistole Kaliber neun Millimeter.

Der Grund: Adrian S. ist wohl überzeugt, dass seine Mutter ihn in seiner Jugend vergiften wollte. Außerdem sei er von ihr physisch und psychisch misshandelt worden. Seine Halbschwester hält er für die Komplizin der Mutter.

Bundesweite Öffentlichkeit

Das MedienInteresse an dem Fall ist enorm.

Jochen Fleischer Pressesprecher Landgericht

Drei TV-Teams (ARD/SWR, RTL/NTV, Welt/N24) sind anmeldet, dazu 16 Vertreter von Printmedien und Radioteams, darunter Spiegel, Stern, Stuttgarter Zeitung, Süddeutsche Zeitung, die Presseagenturen AFP und DPA und andere.

Dass der Schwurgerichtssaal mit einer Außentreppe als zweitem Fluchtweg versehen wurde, zeigt, wie schwierig es für die Landgerichtsverwaltung ist, Coronaverordnungen, Brandschutzvorschriften und das riesige Interesse der Öffentlichkeit an diesem Fall unter einen Hut zu bringen. Für Zuhörer stehen daher nur zehn Plätze bereit, der Zutritt wird nach der Reihenfolge des Erscheinens gewährt.

Jochen Fleischer, Pressesprecher des Landgerichts, erklärte, dass mehr Plätze aufgrund der Abstands- und Hygieneregeln nicht möglich waren.

Justiz-Spezialkräfte vor Ort

Absperrungen, zusätzliches Polizeiaufgebot oder Behinderungen in der Innenstadt sind derzeit nicht zu erwarten. "Auch wenn das Interesse groß ist, so gehen wir hier nicht von einer Gefährdungslage wie bei dem Rockerprozess von Heidenheim oder dem Dreifachmord von Sontheim aus", so Fleischer. Zur Unterstützung hat das Gericht aber Kräfte der Spezialeinheit Sicherheitsgruppe Justizvollzug Baden-Württemberg (SGJ) angefordert. Diese kommt bei als besonders gefährlich eingestuften Angeklagten zum Einsatz.

Die Schwäbische Post wird auf ihren Online-Kanälen und in der Druckausgabe ausführlich über den Verlauf des Prozesses sowie das Umfeld in der Stadt berichten.

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