Grüne wollen klimaneutrale Konversion auf Ellwanger Kasernengelände

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Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger kamen auf Einladung des Ortsverbandes der Grünen auf das Konversionsgelände, um über den Entwurf einer Bebauung zu diskutieren, den die Stadt im Dezember vorgelegt hat. Im Hintergrund sieht man den Technischen Bereich mi
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Gegen den Entwurf der Stadt zur Bebauung des Konversionsgebiets wächst Widerstand. Anwohner und Klimaschützer sehen keinen Zeitdruck bei der Schaffung von Wohnbauflächen.

Ellwangen

Rund 40 Personen versammelten sich am Mittwochabend beim Heizkraftwerk auf dem Gelände der ehemaligen Reinhardt-Kaserne, um auf Einladung der Grünen über den städtebaulichen Entwurf für die Bebauung des Konversionsareals zu sprechen. Im Dezember hatte die Stadtverwaltung im Gemeinderat den Plan für einen neuen Stadtteil vorgelegt: Wohnungen für 1300 Menschen sollen dort entstehen, wo bislang noch die Panzerhallen und die Gebäude der Flüchtlingserstaufnahme (LEA) sind. Nach dem Willen der Stadtverwaltung soll alles sehr schnell gehen: 2022 soll der Abriss beginnen, 2023 könnten die ersten Bewohner einziehen, wurde im Dezember angedacht.

Mittlerweile scheint diese zeitliche Perspektive eher unwahrscheinlich, denn es regt sich Widerstand von verschiedenen Seiten. Berthold Weiß, Fraktionssprecher der Grünen im Gemeinderat, fordert schon seit Monaten einen städtebaulichen Wettbewerb für das Konversionsgebiet. "Nicht weil der Entwurf des Stadtplanungsamts und der KE (Kommunalentwicklung) schlecht ist, sondern weil wir glauben, dass dann noch viel bessere Ideen kommen." Die Konversionsfläche mit immerhin 20 Hektar Fläche müsse zukunftsträchtig entwickelt werden, Ökologie und Klimaschutz müssten dabei maßgebliche Kriterien sein. "Das ist bislang viel zu gering gewichtet", sagt Weiß. Die Bundestagsabgeordnete Margit Stumpp verweist auf viel kleinere Flächen in Nachbarstädten, für die auch Architektenwettbewerbe ausgeschrieben wurden, um die besten Ideen zu sammeln.

Der Zeitdruck, den die Stadtverwaltung geltend macht, ist für Berthold Weiß kein Argument: "Ich sehe das Problem, dass die Stadtverwaltung das personell gar nicht schultern kann, neben den anderen Großprojekten EATA, Landesgartenschau, Gewerbegebiet. Und ich sehe auch nicht die Notwendigkeit, in Ellwangen ganz schnell Wohnraum für 1300 Menschen bauen zu müssen."

Großen Raum nahm die Debatte über mehr Klimaschutz bei der Entwicklung neuer Baugebiete ein. Der Architekt und Stadtrat aus Schwäbisch Gmünd, Karl Müller, machte darauf aufmerksam, dass man für jeden alten Baum 400 junge pflanzen müsste, um die Klimaschutzwirkung zu erhalten. Heute müssten Baugebiete mit Blick auf die bundesweit angestrebte Klimaneutralität entwickelt werden. Kernpunkte seien beispielsweise Null-Energie-Gebäude, oder gar solche, die mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen. Klimaneutralität müsse auch beim Bauen gelten, durch Nutzung von Bestandsgebäuden, die noch nutzbar sind.

Berthold Weiß meint mit Blick auf die Wohngebäude auf dem LEA-Gelände: "Dort hat bereits die Bundeswehr 21 Millionen Euro in energetische Sanierung investiert, das Land in den Umbau zur LEA weitere 10 Millionen." Jetzt alles abzureißen und danach neu wieder aufzurichten, sei aus Sicht des Klimaschutzes unsinnig.

Die Bäume südlich der Karl-Stirner-Straße sind teilweise sehr alt. Es wäre unverzeihlich alles umzumachen.

Eva Stengel, Anwohnerin

Unter den Interessierten waren auch Anwohner, die mit der mehrgeschossigen Bebauung an der Grundstücksgrenze nicht einverstanden sind. Wie Eva Stengel berichtet, habe es einen Vor-Ort-Termin mit Bürgermeister Volker Grab und Michael Bader vom Stadtplanungsamt gegeben, bei dem die Aussage kam, dass man den Baumbestand nicht erhalten könne. "Die Bäume südlich der Karl-Stirner-Straße sind teilweise sehr alt. Es wäre unverzeihlich alles umzumachen", sagt sie. Eberhard Fuchs versteht nicht, warum die mehrgeschossige Bebauung ausgerechnet "in der hintersten Ecke des Gebiets" geplant sei, während die Hauptzufahrt vom heutigen Südtor erfolgen soll. "Das ist doch verkehrstechnisch unlogisch." Kritisiert wurde auch, dass ein derart großes neues Wohngebiet entwickelt werden soll, während zahlreiche Altgebäude auf und neben dem Kasernengelände seit Jahren leer stehen.

Stadtrat Hariolf Brenner machte deutlich, dass derzeit ein großer Teil des Gemeinderats der Position der Stadtverwaltung folge und einen planerischen Wettbewerb für unnötig halte. Er dagegen sieht noch viele offene Fragen im vorgelegten Entwurf und glaubt, dass ein Wettbewerb noch bessere Ideen bringen würde. Auch Herbert Hieber ist für den Wettbewerb, macht aber auch deutlich: "Wir haben nicht ewig Zeit." Das Wachstum der Ellwanger Gewerbebetriebe, insbesondere der Varta AG mache neuen Wohnraum nötig. Martina Osiander sprach sich für eine bessere Bürgerbeteiligung bei Großprojekten wie der Konversion aus. Es könne nicht sein, dass den Bürgerinnen und Bürgern nur noch fertige Konzepte vorgesetzt werden.

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