Gute Ernte bei Biokartoffeln

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Der Kartoffelvollernter im Einsatz.
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Der Biolandbetrieb Alois Brenner ist zufrieden mit dem Ertrag. Die Krautfäule wurde mit Kupfer bekämpft.

Ellwangen

Viel Regen und durchnässter Boden über Wochen: 2021 war für den Kartoffelanbau alles andere als ideal. Im konventionellen Ackerbau haben die Landwirte verschiedene Spritzmittel zur Verfügung, um Pilzbefall, Blattläuse, Drahtwürmer und das aufkommende Unkraut zu bekämpfen. Für Biobauern sind dagegen nur wenige Mittel zugelassen. Alois Brenner, Bioland-Schweinezüchter aus Engelhardsweiler, hat rund 0,9 Hektar Salat- und Speisekartoffeln zur Vermarktung in seinem Hofladen angebaut. Am Donnerstag und Freitag war Erntetag auf dem Feld bei Altmannsweiler. Die Reihen sind mit Unkraut überzogen.

„Wir haben zweimal gehackt, das Feld sah bis zum Sommer auch noch gut aus. Aber zum Schluss konnte ich nicht mehr verhindern, dass sich da ein gewisser Beiwuchs entwickelt hat“, sagt Brenner. Im Biolandbau spreche man nicht von Unkraut, sondern von Beikraut, das in dem späten Stadium keine große Beeinträchtigung der Ernte mehr darstelle. „Man könnte sagen, die Biodiversität auf diesem Acker ist etwas hoch“, schmunzelt er.

55 Hektar Bio- Anbau

2016 hat er die Felder seines Betriebs, 55 Hektar, auf biologischen Anbau umgestellt. Von heute auf morgen war ihm die Palette an Agrochemie verwehrt, mit dem sich konventionell wirtschaftende Kollegen helfen können, wenn ihre Bestände von Schadorganismen befallen werden. „Seitdem lernen wir jedes Jahr dazu. Das ist auf weite Strecken ein ganz neues Arbeiten“, sagt Brenner. Der Sohn Andreas besucht die Meisterschule und bringt von dort Fachwissen im Biobereich mit ein.

Auf dem Kartoffel-Vollernter, den Brenner bei einem Kollegen ausgeliehen hat, stehen befreundete Helfer am Laufband. Aus den vorüberziehenden gelben Kartoffelknollen lesen sie Steine, Erdklumpen und anderes aus. Mit dabei Cynthia, die in Kenia Landwirtschaft studiert und derzeit ein Auslandssemester im Praktikum bei einer Gärtnerei absolviert. Als sie hörte, dass bei Brenners Kartoffeln geerntet werden, wollte sie unbedingt dabei sein.

„Das sieht doch eigentlich ganz gut aus“, sagt Alois Brenner, als die erste Ladung Kartoffeln auf die bereitstehenden Holzkisten verteilt wird. „Bei besserem Wetter wären die sicher noch größer, aber was wir hier ernten, ist für meinen Bedarf doch sehr ordentlich“, sagt er. Geschätzt 20 Tonnen Kartoffeln wird er von dem Feld ernten. Die Holzkisten lässt er einen Tag in der Sonne stehen, damit die Knollen abtrocknen können. Im Lager werden die Kartoffeln zusätzlich belüftet, damit sich der Pilz Phytophthora, Erreger der Kraut- und Knollenfäule, nicht ausbreiten kann.

Die Sortenwahl ist elementar

Weil der Bioanbau nur sehr eingeschränkt Pflanzenschutz zulässt, ist die Sortenwahl von großer Bedeutung. Brenner hat sich für „Dita„ und „Gunda“ entschieden, die als besonders widerstandsfähig gelten. In einem derart nassen Jahr breiten sich jedoch Pilze stark aus. Das einzige im Bioanbau zugelassene und wirksame Fungizid ist Kupfer. Es muss rechtzeitig ausgebracht werden, bevor sich der Pilz verbreitet. Das Mittel legt sich wie ein Film auf das Blattgrün. Bei Kontakt dringen die Kupferionen in die Sporen ein und lassen sie absterben. Nachteil: Das Mittel muss mehrfach angewandt werden, weil nachwachsendes Grün sonst ungeschützt wäre. Starker Regen beeinträchtigt zudem die Schutzwirkung. Die maximal zulässige Kupfergabe ist genau vorgegeben, in Deutschland drei Kilogramm pro Hektar und Jahr. Brenner hat die Kartoffeln in Abstimmung mit dem Bioland-Beratungsdienst viermal behandelt. Ohne das Kupfer wäre die Ernte möglicherweise ein Totalausfall geworden.

Gegen tierische Schädlinge wie Drahtwürmer und Schnecken setzt der Biobauer auf mechanische Bearbeitung des Bodens. Mehrfaches Hacken, Striegeln und Aufhäufeln der Kartoffeldämme hilft. Freilich müssen die Bodenverhältnisse den Maschineneinsatz auch zulassen. Der Boden auf dem Feld bei Altmanssweiler ist relativ durchlässig, Staunässe gab es kaum.

Hitzkuchen: Am 23. Oktober kann man Brenners Kartoffeln auf Hitzkuchen versuchen, die am Hof gebacken werden. Der gesamte Erlös dieser Aktion geht an das Missionsprojekt von P. Jose Schmidtpeter in Arequipa (Peru). Vorbestellung unter E-Mail: biolandbetrieb-lautenhof@t-online.de.

Arbeit auf dem Vollernter: Cynthia aus Kenia studiert Landwirtschaft und ist zum Auslandssemester in Deutschland.
Das sieht gut aus: vom Vollernter werden die Kartoffeln auf bereitstehende Lagerkisten verteilt.
Der Kartoffelvollernter im Einsatz.

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