Harte Zeiten für Mieter

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In der Eichendorffstraße wird derzeit das jüngste Großprojekt der Baugenossenschaft fertiggestellt, erste Mieter sind bereits eingezogen. Für alle wird es jedoch ein ungemütlicher Winter.
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Bei der Mitgliederversammlung der Ellwanger Baugenossenschaft wurden am Mittwochabend gute Geschäftszahlen präsentiert. Aber es gab auch schlechte Nachrichten – die betreffen allerdings die Mieter.

Ellwangen. Die Ellwanger Baugenossenschaft (BG) hat am Mittwochabend in der Stadthalle ihre Mitgliederversammlung abgehalten. Wichtigster Tagesordnungspunkt war der Geschäftsbericht von Vorstand Thomas Töpfl. Und der fiel auch in diesem Jahr wieder ausgesprochen positiv aus. Die Baugenossenschaft schreibt erfreulich schwarze Zahlen. Aber nicht alles ist in diesen Zeiten rosarot – auch nicht bei der BG. Töpfl stimmte die Mieter von Genossenschaftswohnungen auf harte Zeiten ein. 

„Ich sage das hier und jetzt in aller Deutlichkeit. Auch die Mieter unserer Wohnungen müssen sich auf massive Mehrkosten für ihre Heizung und die Warmwasserbereitung einstellen“, machte Töpfl in seinem Geschäftsbericht klar. Der Gaspreis habe sich – verglichen mit der letzten Heizperiode  - verdreifacht. Er appelliere deshalb an die BG-Mieterschaft künftig „sparsam zu heizen“. Die BG bemühe sich zwar nach Kräften, die eigenen Heizungsanlagen technisch zu optimieren, um den Gasverbrauch zu verringern. Aber, so Töpfl, das werde nicht ausreichen um die Preissteigerungen zu kompensieren. In diesem Zuge empfahl der BG-Vorstand seinen Mieter eindringlich, ihre Vorauszahlungen für die Betriebskosten schon jetzt „deutlich“ zu erhöhen, damit bei der nächsten Nebenkostenabrechnung nicht das „böse Erwachen“ folgt.

Neben den explodierenden Energiepreise warf Töpf auch einen kritischen Blick auf den Bausektor. Er beobachte mit wachsender Sorge, dass die Rahmenbedingungen für einen preisgünstigen Wohnungsbau derzeit „alles andere als ideal“ seien. Die massiven Lieferkettenprobleme, die sich mit der Corona-Pandemie eingestellt hätten, dauerten nicht nur an – sie hätten sich durch den Krieg in der Ukraine noch weiter verschärft. Es herrsche eine „gefährliche Mangelsituation“. Darüber hinaus habe der abrupte Stopp der KfW-Neubauförderung zu einer „völlig unnötigen Unsicherheit“ in der Wohnungswirtschaft geführt. Das sei ein „Fiasko mit Ansage“ gewesen.  „Von Verlässlichkeit in der Förderstruktur keine Spur. Und neue Fördermöglichkeiten, die ein klimaschonendes und bezahlbares Wohnen ermöglichen, sind derzeit nicht Sicht“, konstatierte Töpfl,  der am Mittwochabend aber nicht nur im Krisenmodus unterwegs war. 

Denn: Die Geschäfte der BG sind auch im vergangenen Jahr wieder glänzend gelaufen. Man könne mit der Entwicklung und dem Ergebnis des vergangenen Jahres „sehr zufrieden“ sein, resümierte der BG-Vorstand.  Die Bilanzsumme der Genossenschaft sei 2021 noch einmal um rund 4,4, Millionen Euro auf nun 41,6 Millionen Euro gestiegen. Die BG habe angesichts der guten Entwicklung auch 2021 wieder kräftig in ihren Wohnungsbestand investieren können. Rund 6,15 Millionen Euro seien geflossen. „Der höchste Wert in der über 100-jährigen Geschichte der Baugenossenschaft“, wie Töpfl mit Nachdruck unterstrich. 

Die wichtigsten Zahlen

988 Mitglieder mit 13 976 Geschäftsanteilen tragen die Ellwanger Baugenossenschaft, die aktuell 622 Mietwohnungen und 16 Gewerbeeinheiten im Bestand hat.
Die Bilanzsumme betrug 2021 41,6 Millionen Euro. Es wurde ein Jahresüberschuss von 468 168 Euro erwirtschaftet; davon werden 360 000 Euro in die Bauerneuerungsrücklage fließen. Damit verbleibt für 2021 ein reiner Bilanzgewinn  von 108 168 Euro. Die Versammlung stimmte am Mittwoch einer Ausschüttung einer Dividende von 1,5 Prozent zu – was einem Betrag von 54 015 Euro entspricht.

Wahlen, Abschiede und Ehrungen: Kröll scheidet nach 33 Jahren aus dem Aufsichtsrat aus

Im Rahmen der Versammlung wurde der langjährige Vorsitzende des BG-Aufsichtsrats Manfred Kröll aus dem Amt verabschiedet. Der Jurist gehörte dem Aufsichtsrat seit 1989 an; seit 2007 saß er dem Gremium vor. Claus-Peter Grimm würdigte Kröll große Verdienste um die Baugenossenschaft, „mit gesundem Sach- und Menschenverstand“ habe Kröll die Genossenschaft, um die es Ende der 80er-Jahre nicht so gut bestellt war, wieder in die Erfolgspur zurückgebracht.

Für Kröll, der mit dem Überschreiten der Altersgrenze von 67 Jahren, nicht mehr gewählt werden durfte, rückt Thomas Dieterich in den Aufsichtsrat nach. Der 39-Jährige ist Strafrichter am Ellwanger Landgericht. Er wurde von der Versammlung einstimmig gewählt. In ihren Ämtern als Aufsichtsrat bestätigt wurden außerdem einstimmig: Karl Hilsenbek (Oberbürgermeister a.D.), Sabine Heidrich (Bürgermeisterin in Neuler) und Horst Beißwenger (Sparkassendirektor in Abtsgmünd).

Neben Wahlen stand auch noch die Ehrung langjähriger Mitglieder auf der Tagesordnung. Geehrt wurden: 100 Jahre: die Stadt Ellwangen, 80 Jahre: die VR Bank Ellwangen, 60 Jahre: Reinhard Klampft, 50 Jahre: Heinrich Baur, Josef Stocker und Gerhard Stutz. 40 Jahre: Ingrid Brandstetter, Alfred Kling, Sylvia Moschinsky, Ria Scheidig und Roswitha Schmidt. 25 Jahre: Heinrich Barcynski, Rüdiger Bauz, Reinhold-Philipp Berhalter, Mokkthar Chergui, Musa Emek, Tsengis Giousouf, Christian Korn, die Lang GmbH & Co KG, Arthur May, Tobias Nnadi, Valentina Rische, Lydia Rohr und Marek Smolka.

Der Vorstand der Baugenossenschaft, Thomas Töpfl, konnte bei der Mitgliederversammlung am Mittwoch in der Stadthalle Ellwangen gute Geschäftszahlen präsentieren. Aber es gab auch schlechte Kunde – die betraf allerdings die Mieter.

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