Heimattage light mit Garde und Ochs

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Die Bürgergarde marschiert wieder durch die Stadt, sie schießt Salut und der Spielmannszug macht Musik, wenn auch in kleiner Besetzung. Für die Gäste aus Abbiategrasso wurde aus Anlass der 40-jährigen Städtepartnerschaft auf dem Marktplatz ein sehr schöner Überraschungsempfang gegeben.
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  • Achim Klemm
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Erneut hatte der Fürstpropst aus Ansteckungsgefahr nicht aufs Schloss geladen. In der Stadt wurde trotzdem gefeiert, mit Bürgergarde, Böller, Maßbier und Musik.

Ellwangen

Im zweiten Jahr der Pandemie hatte die Stadtverwaltung erneut die „Daheimattage“ ausgerufen. Was hieß: auf dem Schloss wird nicht gefeiert. Den Ochsenbraten bekommt man nur „to go“. Das war sicherlich die richtige Entscheidung. Für ein Fest mit zehntausend Besuchern ist die Zeit noch nicht reif und eine zahlenmäßige Beschränkung wäre nur schwer durchzusetzen gewesen.

Um den Tag herauszuheben, gab es am Samstag auf dem Marktplatz für die Gäste aus Abbiategrasso einen Empfang. 30 Jahre Städtepartnerschaft, dazu marschierte der Salutzug der Bürgergarde auf, die „kleine Besetzung“ des Spielmannszugs spielte die Eurovisionshymne und als der Salut in den Himmel krachte, kam doch so etwas wie Heimattagestimmung auf.

Freundschaft, Europa und Solidarität sprach Oberbürgermeister Michael Dambacher an, als er Valter Bertani und seine Landsleute willkommen hieß. Bertani musste seinen Bürgermeister Cesare Nai entschuldigen, der sich kurz vor der Abreise bei einem Unfall ernsthaft verletzt hatte.

Bertani dankte für die Hilfe 2020. Als Abbiategrasso schwer von Covid getroffen war und die Regierung noch keine Schutzausrüstung liefern konnte, kamen aus Ellwangen Masken und Schutzkleidung für 20 000 Euro, gespendet aus der Bevölkerung.

Eine Überraschung war auch die „Fahne der Freundschaft“ mit Porträts von Menschen aus Ellwangen, die Dambacher und Kulturreferent Dr. Anselm Grupp entrollten und den Italienern übergaben. Bertani meinte, die Fahne werde am Schloss von Abbiategrasso einen Ehrenplatz bekommen. In Ellwangen wurde sie am Marktplatz aufgezogen.

Zwei Jahre Covid zeigen, dass die Städte gut zusammenhalten.“

Valter Bertani, Beauftragter Städtepartnerschaft

Ein ergreifender Moment war, als Wendelin Dauser mit vielen jungen Musikerinnen und Musikern „Freude schöner Götterfunken“ anstimmte. Sie hatten die Europahymne jeder für sich geübt. Trompete, Tuba, Block- und Querflöte und andere Instrumente erklangen über den ganzen Markt verteilt wie eine Metapher auf die Europäische Gemeinschaft: nicht immer perfekt harmonisch, doch entschlossen, in Vielfalt zusammen zu sein.

Beim Weißwurstfrühschoppen im Stadtcafé saßen anschließend Deutsche und Italiener zusammen.

Ochsenbraten und Bierkutsche

Die Ellwanger stehen zu ihrem Traditionsfest, das bewies die große Nachfrage nach dem überaus beliebten Ochsenbraten, den man portioniert oben auf dem Schloss für zu Hause abholen konnte.

Metzger Rainer Kirsch berichtet: „Wir haben, wie im vergangenen Jahr 600 Portionen vorbereitet. Die Nachfrage ist hoch.“ Die Bürgergarde hatte 20 Mann in der Schlossküche im Einsatz, die im Schichtbetrieb arbeiteten. Auf Vorbestellung konnten die Ellwanger den geliebten Ochsenbraten, inklusive Schupfnudeln in mehreren Zeitzonen am Samstag abholen, natürlich unter Einhaltung der Corona-Hygieneregeln. Der gebratene Ochse stammte diesmal von Metzger Hubert Ilg aus Saverwang und wog 300 Kilo.

Der 64-jährige Georg Kugler aus Ellwangen hatte in seinem Flechtkorb fein säuberlich fünf Portionen Ochsenbraten aufgestapelt und freute sich nach der Abholung in der Schlossküche sichtlich auf den Verzehr bei sich zu Hause: „Wenn man schon nicht oben auf dem Schloss beim Fürstpropst gemeinsam schlemmen kann, dann essen wir halt bei uns daheim und feiern ein kleines Gartenfest mit der Familie. Das ist auch schön, wenn auch kein richtiger Ersatz. Der Ochsenbraten schmeckt einfach toll, das kann man sich einfach nicht entgehen lassen.“

600 Portionen Ochsenbraten und Schupfnudeln gaben die Helfer der Bürgergarde aus.

Oberbürgermeister Michael Dambacher schaute am Samstag ebenfalls auf dem Schloss vorbei und urteilte: „Wir hätten liebend gerne alle gemeinsam in Präsenz gefeiert. Es geht halt leider immer noch nicht, wegen Corona. Ich finde es toll, dass die Ellwanger zu ihren Heimattagen stehen und so viele sich den Ochsenbraten holen.“ Die Bürgergarde hatte vor dem Beginn des Verkaufs drei Mal mit ihrer Kanone vor dem Schloss Schüsse abgefeuert und danach war die Schützengilde an der Reihe, die ebenfalls drei Mal Salut schoss. Damit war klar: Daheimattage haben begonnen.

In der Stadt war am Abend auch einiges los. Vor den Gaststätten saßen die Gäste und genossen Speis und Trank. Vor dem „Roten Ochsen“ machte die Bierkutsche der Rotochsen-Brauerei Halt. Alexander Veit packte Ein- und Zwei-Liter Bügelflaschen auf, um die durstigen Gäste in der Stadt zu versorgen. Manche Gaststätten hatten das Bier sogar im Maßkrug auf der Karte. So waren die Daheimattage ein schönes Fest, wenn auch kein Ersatz für die „richtigen“ Heimattage auf dem Schloss.

30 Jahre Partnerschaft mit Abbiategrasso: Die „Fahne der Freundschaft“ übergab OB Michael Dambacher an Valter Bertani (Mitte).

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