Hexenprozesse: Was Eichstätt mit Ellwangen verbindet

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Das Mahnmal auf dem Ellwanger Galgenberg.

Welch zentrale Rolle Fürstbischof Johannes Christoph von Westerstetten in der Zeit der Hexenverfolgung gespielt hat.

Ellwangen

Die Stadt Ellwangen beschäftigt sich schon längere Zeit mit den Hexenprozessen, die in der Stadt an der Jagst stattgefunden haben. Demgegenüber hat die Domstadt Eichstätt lange geschwiegen über die Hexenverfolgungen in ihrer Stadt. Jetzt, nach jahrelangen Diskussionen, hat sich der Stadtrat von Eichstätt dazu entschieden, am Marktplatz der Stadt eine Gedenktafel für die Opfer der dortigen Hexenverfolgung aufzustellen. Was Eichstätt mit Ellwangen verbindet: Von 1612 bis zu seinem Tod 1637 war in Eichstätt der Fürstbischof Johannes Christoph von Westerstetten tätig, der zuvor, ab 1575, Kanoniker des Stiftes Ellwangen war. Der Fürstbischof war treibende Kraft hinter den Eichstätter Hexenprozessen.

Der im Wasseralfinger Schloss Geborene galt als systematischer Hexenverfolger. Die Mehrzahl der Opfer in Ellwangen wurden unter Fürstbischof Johannes Christoph von Westerstetten getötet. Er gilt als ein Gegenreformator der harten Schule. Sein Wahlspruch war "Candide er fortiter" was übersetzt "Glücklich und stark" bedeutet. "Der Fürstbischof war überkatholisch und aus Leidenschaft fromm", beschrieb ihn der Theologie-Professor Dr. Erich Naab.

Die Stadt Ellwangen beschäftigt sich schon lange mit den Hexenverfolgungen, die in der Stadt an der Jagst stattgefunden haben. "Es ist ein schwieriges Thema", sagt Dr. Anselm Grupp vom Kulturamt Ellwangen. "Jeder Fall ist eigentlich einzeln zu betrachten." Bereits in den 1980er Jahren hat die Kirche auf die Hexenverfolgung hingewiesen. In Ellwangen gebe es zahlreiche Hinweise darauf. Das Mahnmal auf dem Galgenberg, das Kirchenfenster in der Heiligen Geist Kirche. Beides von Sieger Köder gestaltet. Auf dem Ellwanger Marktplatz steht das Touristenrondell, das ebenfalls auf die Hexenverbrennungen hinweist. Das Interesse an den Hexenverfolgungen ist groß.

Es ist ein schwieriges Thema.

Dr. Anselm Grupp Leiter des Ellwanger Kulturamts

Das bestätigt Matthias Steuer, Leiter der Schlossmuseums in Ellwangen. "Wir haben eine lange Warteliste für die Führungen zum Hexenwahn", sagt er. "Die Besucher sind überrascht, wenn sie hier erfahren, wie es wirklich war", erzählt er. Viele kommen und haben Bilder aus Romanen oder Filmen im Kopf. Hier erhalten sie jedoch das wahre Bild darüber. Die Führungen seien emotionslos, es werde nichts verschwiegen aber auch niemand verurteilt. "Es gibt nur belegbare Fakten", sagt Steuer.

Immer wieder gibt es jedoch Anfeindungen zu diesem Thema. "Die Leute setzen sich nicht richtig mit diesem Thema auseinander", sagt Dr. Anselm Grupp. Er findet es schade, da in Ellwangen viel dafür getan werde. Die Stadt habe alles sehr genau erforscht. Doch gerade Fürstbischof Johannes Christoph von Westerstetten sei für manche Menschen zu einer Person der Ablehnung geworden. Sein Porträt hängt nicht nur im Schloss, in dem er lebte, sondern auch in der Basilika St. Vitus. Immer wieder kommt es hier zu polemischen Taten. So hing vor einigen Jahren ein Zettel am Porträt mit der Aufschrift "Du Drecksack!". Dr. Anselm Grupp nutzt dieses Gemälde des Fürstprobstes bei seinen Führungen, um gerade auf die schwere Zeit der Ellwanger Hexenverfolgung hinzuweisen. Stimmen, die fordern, die Porträts abzuhängen, begegnet Grupp mit Humor. "Wenn wir konsequent wären, müssten wir das Schloss in Ellwangen einreißen", sagt er. Es erhielt nämlich seinen heutigen Zustand durch Fürstbischof Johannes Christoph von Westerstetten.

Ein unrühmliches Kapitel in Ellwangens Geschichte

450 Ellwanger Bürger wurden wegen angeblicher Hexerei im 17. Jahrhundert hingerichtet. Darunter im Jahr 1611 die 70-jährige Barbara Rüfin. Wegen Schluckbeschwerden hatte sie während dem Ostergottesdienst die Hostie wieder aus dem Mund genommen. Unter Folter gestand die Rindelbacherin die Hexerei und wurde hingerichtet.

Das jüngste Opfer der Hexenverfolgung war die damals 16-jährige Maria Ostertag. Nachdem sie erlebte, wie in wenigen Monaten 110 Frauen verbrannt wurden, darunter auch ihre Tante und ihre Cousine, erlitt sie einen psychischen Zusammenbruch und wollte sterben. Deshalb zeigte sie sich selbst an. Am 21. August 1613 wurde sie auf dem Galgenberg geköpft.

Eine Gedenktafel auf dem Ellwanger Galgenberg erinnert an die Hinrichtungsstätte.
Ein Porträt des Johannes Christoph von Westerstetten hängt in der Basilika St. Vitus.

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