Historie zum Selbsterleben

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Bei Museumsleiter Andreas Gut ist Geschichte zum anfassen nah.
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Wie das Alamannenmuseum auch nach über 20 Jahren attraktiv bleibt und Ellwangen auf lebendige Weise bereichert

Ellwangen

Das Alamannenmuseum ist immer wieder einen Besuch wert. Hier spiegelt sich ein bedeutendes Stück Geschichte unserer Heimat. Es ist attraktiv für Auswärtige und Einheimische. Es bietet für Schulen die Möglichkeit einer anschaulichen Wissensvermittlung direkt vor der Haustüre.

Es hat mit Museumsleiter Andreas Gut einen Mann, der nur zu gern bereit ist, seinen umfangreichen Wissensschatz zu teilen. Im Ellwanger Kulturausschuss berichtet Gut, was alles läuft im Museum.

?Volle acht Monate mussten wir seit Beginn der Pandemie auf unsere Besucher verzichten?, beschreibt Andreas Gut, was viele Kulturschaffende kennen. Und erleiden. Genauso wie die Besucher. Einmal hing während des zweiten Lockdowns ein Papierherz an der Museumstüre. Aufschrift: Wir vermissen Euch!

Bis zum 31.12.2020 hatten fast 129?400 Menschen das Alamannenmuseum besucht. Der Lockdown zeigt sich in drastischen Zahlen: 2020 waren es 44,2 Prozent weniger Besucher als im Jahr zuvor. Nach einem Besuchereinbruch vor neun Jahren hatten sich die Zahlen immer besser entwickelt, war das Interesse an diesem Ellwanger Museum stetig gewachsen. Mit interessanten Sonderausstellungen gelingt es Gut, das Alamannenmuseum auch im 21. Jahr attraktiv zu halten. Allein in zweieinhalb Wochen im Januar 2020 waren über 800 Besucher gekommen, um sich den Ellwanger Münzschatz noch anzusehen. ?Mit der Jahresausstellung 2020 ?Gut betucht ? Textilerzeugung bei den Alamannen? sind wir Anfang Februar gut gestartet?, erinnert sich der Museumsleiter.

Lockdown verhagelt Bilanz

Dann kamen drei Lockdowns und mit insgesamt sechseinhalb Monaten notgedrungener Schließzeit, blieb die Besucherzahl dann doch enttäuschend. Die Poster-Teilausstellung ?Ich mache deine Kleidung? - Die starken Frauen aus Südostasien? zeigt, wie es Gut gelingt, Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu verknüpfen und mit gesellschaftskritischen Themen Mehrwert zu schaffen.

Ein Highlight unter den zahlreichen Ausstellungen war zum ?Münzschatz von Ellwangen? gewesen. Noch am letzten Ausstellungstag waren knapp 240 Besucher gekommen, über 90 Tageszeitungen hatten über das Museum berichtet. Die gesteigerte Aufmerksamkeit sei noch heute zu spüren, so Andreas Gut.

Geschichte zum Anfassen funktioniert

Mit verstaubter Geschichte hat das Alamannenmuseum nichts zu tun. Es war und ist seit über zwanzig Jahren ein lebendiger Ort, bei dem Geschichte erfahrbar wird. Historie zum Anfassen. Selbsterleben. Zum Beispiel, wenn man sich einfach mal römische oder frühmittelalterliche Schuhe selbst baut. In einem der spannenden Workshops und Kurse.

Auch ein Bereich - genauso wie Führungen (hier ist das Interesse im Vergleich zu 2019 um satte 61 Prozent gestiegen) und Vorträge - in dem die Pandemie Gut ordentlich ausbremste. Das zeigt sich auch an der Zahl der Gruppen, besonders der Schulklassen, die das Museum besuchten: 2020 waren es gerade mal drei Klassen, im Jahr zuvor 71. Keine Holzschnitzaktion, keine der beliebten Lesenächte: nichts war möglich.

Wie gut Guts Konzept funktioniert, zeigt die ?Kunkelstube?: Eigentlich war sie als Begleitprogramm zur ?Gut betucht?-Ausstellung gedacht gewesen. Inzwischen ist sie seit fast zwei Jahren ein regelmäßiger offener Treffpunkt (jeden zweiten Samstag im Montag zwischen 15 und 17 Uhr). Für alle, die wie Initiatorin Sabine Maybaum fasziniert sind vom Spinnen von Tierhaaren und Pflanzenfasern, dieser uralten Tradition, die bis in die Steinzeit zurückgeht. Aus einer bloßen Idee für die Ausstellung ist eine ehrenamtliche Gruppe entstanden, die Ellwangens Vielfalt bereichert. Bei der Fortbildung für Geschichtsdarsteller tummelten sich Darsteller von Alamannen, Baiuwaren, Wikingern und des Hochmittelalters in den Räumen des Museums. Und fassten den Entschluss, eine Gruppe zu gründen. Diese will das geplante Alamannengehöft auf dem Landesgartenschaugelände 2026 mit Leben füllen.

?Schon bald sollen neue Alamannendarstellungen anhand von Funden aus Pfahlheim, Kirchheim, Lauchheim, Neresheim und Kösingen unsere Ausstellung bereichern?, kündigt Andreas Gut an. Im zweiten Schulhalbjahr beginnt ein zweijähriges Holzbildhauerprojekt mit Schülern des Peutinger Gymnasiums, bei dem rund 20 Geschichtsstelen für die Landesgartenschau erarbeitet werden.

  • Die neue Jahresausstellung ?Ein kleines Dorf in einer großen Welt ? Alltagsszenen des 5. und 6. Jahrhunderts? läuft seit wenigen Wochen. Am 19. und 20. Februar sind die nächsten Ellwanger Tage ?Lebendige Geschichte?, im Juni präsentiert sich das Limesmuseum beim Römerfest in Ruffenhofen und im Sommer soll ein museumseigenes Pixi-Buch erscheinen.
Bei Museumsleiter Andreas Gut ist Geschichte zum anfassen nah.

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