Humane Gesetzgebung gefordert

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Die Sterbehilfe stand im Fokus der Podiumsdiskussion im Speratushaus am Samstag (von links): Andreas Druwe (Rechtsassessor), Barbara Sittler (Ambulanter Hospizdienst Ellwangen), Moderatorin Renate Werner, Olga Marra Hillberger (SAPV-Ostalb), Dr. Lioba Br
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Im Speratushaus findet eine Podiumsdiskussion zum Thema Sterbehilfe statt. Was die Gastredner sagten.

Ellwangen

Seit 25 Jahren gibt es nun schon den Ambulanten Hospizdienst Ellwangen. Aus diesem Anlass nahmen fünf Experten im Speratushaus Stellung zu dem hochbrisanten, sehr emotional und kontrovers geführten Thema Sterbehilfe.

Die Sterbehilfe hat in der gesellschaftlichen Diskussion an Fahrt aufgenommen. Die Frage, an der sich die Geister scheiden , lautet: Darf man selbstbestimmt sterben. Zu Beginn der Veranstaltung wurde dazu zunächst für die zahlreichen interessierten Besucher der Film: „Die Story - Wer hilft mir beim Sterben ?“ gezeigt, der unmittelbar vor Augen führt, wie zwei Schwerstkranke versuchen, ihrem Leben ein Ende zu setzen, weil es ihnen aufgrund ihres großen Leids nicht mehr lebenswert erscheint.

Das Bundesverfassungsgericht stärkte im Februar 2020  das Recht auf einen selbstbestimmten Tod. Das Urteil lautete: „Dieses Recht schließt die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen, hierfür bei Dritten Hilfe zu suchen und, soweit sie angeboten wird, in Anspruch zu nehmen.“ Hilfe zum Suizid ist nun erlaubt, wenn der Sterbewillige frei verantwortlich ist, nicht depressiv ist und er muss das Mittel auch selber einnehmen. Verboten ist nach wie vor die aktive Sterbehilfe, also das Töten auf Verlangen.

Vieles ist aber noch gesetzlich ungeregelt. Zum Beispiel, welches Mittel als Sterbehilfe zugelassen wird, wer es verordnen und wer es bezahlen soll. Parlament und Gesetzgeber müssen dafür noch Regelungen treffen. Assistierte Suizide finden derzeit noch in einer rechtlichen Grauzone statt.

Mehr Klarheit eingefordert

Der Leiter des stationären Hospiz St. Anna, Bernhard Amma, formulierte den Leitgedanken beim Hospiz: „Wir wollen in unserem Tun dem Lebendienen, auch bei der Sterbebegleitung. Das steht immer im Vordergrund.“ Eine der größten Ängste der Hospizgäste sei, sich selbst zu verlieren, so Amma. Barbara Sittler vom Ambulanten Hospizdienst Ellwangen sagte: „Ich wünsche mir eine humane Gesetzgebung, die Klarheit bei der Sterbehilfe schafft. Ich sehe es kritisch, wenn sich jemand aus Verzweiflung das Leben nimmt, weil ihm sein Dasein ausweglos scheint. Sich Medikamente zur Selbsttötung aus dem Dark-Net zu besorgen, verurteile ich scharf.“

Gerade in der persönlichen Begleitung der Menschen könne viel zum Positiven hin erreichtwerden, so Sittler. Besonders die Angehörigen müssten noch stärker in den Sterbeprozess einbezogen werden: „Da kann im Vorfeld bereits viel abgefedert werden.“ Man müsse herausfinden,was hinter diesem Tötungsgedanken steckt, was die Triebfeder sei. „So kann man erreichen, dass der Suizid-Wunsch nicht mehr so brennend ist“, argumentierte Barbara Sittler.

Olga Marra-Hillberger von der Spezialisierten AmbulantenPalliativversorgung (SAPV) Ostalb erklärte: „Die individuellen Perspektiven werden im Team gemeinsam abgeklärt. Wir nehmen jeden Sterbewunsch dabei sehr ernst.Wir müssen auf jedes Bedürfnis eingehen und nach Lösungen schauen. Niemand darf im Stich gelassen werden. Wir leiden als Team mit jedem Einzelnen.“ 

Die Allgemeinärztin Dr. Lioba Brauchle nannte Zahlen. „Bei einer Umfrage gaben 56 Prozent der Suizidenten Einsamkeit als Sterbegrund an, 37 Prozent hatten Geldsorgen und 42 Prozent äußerten die Sorge anderen Menschen zur Last zu fallen. Der Suizid ist ein großes gesellschaftliches Problem und ihm muss noch mehr Beachtung geschenkt werden.“

Aus den Reihen der Zuhörer wurde geäußert: „Es ist jedem seine eigene Entscheidung, ob erleben oder sterben will. Das muss man respektieren.“

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