Im Kirnbach ist der Steinkrebs geschützt

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Hier ist Schluss für den invasiven Signalkrebs aus Amerika, der den heimischen Arten den Tod bringt: diese Barriere schafft das krabbelnde Wassertier nicht. Die Flusskrebse dahinter sind geschützt. Dafür gesorgt haben: (v.l.) Volker Grab, Franz Junker, Larissa Wettemann, Kerstin Beck, Alexander Renschler.
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Die Stadt Ellwangen installiert am Kirnbach und am Schlierbachsee Sperren gegen invasive Krebsarten.

Ellwangen. Dieses Projekt war ein Wettlauf mit der Zeit: 2017 und 2018 kartierte das Referat Naturschutz und Landschaftspflege des Regierungspräsidiums Stuttgart (RPS) die Bäche, die bei Ellwangen in die Jagst fließen. Zur großen Überraschung wurden im Kirnbach und im Schlierbach noch Steinkrebse entdeckt.

Diese heimische Flusskrebsart ist fast überall schon vom amerikanischen Signalkrebs verdrängt worden. Der Einwanderer aus den USA breitet sich gegen die Strömung aus und dringt selbst in kleinste Gewässer vor. Er ist Überträger der “Krebspest”, eine Pilzinfektion, mit der er die einheimischen Tiere ansteckt. Sie verenden daran, während der Signalkrebs immun ist. Und der Signalkrebs hat praktisch die gesamte Jagst mit ihren Zuläufen schon besiedelt.

Eigentlich schien das Aussterben der heimischen Flusskrebse also bereits besiegelt, als man die Vorkommen am Kirnbach und am Schlierbach entdeckt hat. Doch die Stadt Ellwangen beschloss, die beiden Vorkommen zu schützen. Mit Zuschüssen aus dem Fonds der Stiftung Naturschutz Baden-Württemberg wurden an einer Verdohlung des Kirnbachs und am Auslauf des Schlierbachstausees “Krebssperren” installiert. 


“Man muss eine Barriere errichten, die Signalkrebse nicht überwinden können”, erklärt Kerstin Beck vom RPS, Referat Natur- und Artenschutz. Am Schlierbach ist die Barriere eine Kupferverkleidung im Mönch, dem Staubauwerk, durch den das Wasser abfließt. Das Metall ist so glatt, dass die Krebse nicht daran aufwärts krabbeln können.


Bei Rindelbach wurde an einer Straßenquerung in den Kirnbach ein 30 Zentimeter hoher, überkragender Absturz eingebaut, entlang der Fahrbahn zudem fünf Meter rechts und links vom Bach eine Amphibienleiteinrichtung aus Stahl.

“Das Gewässer ist ab hier komplett gesperrt, also auch für Fische nicht mehr durchgängig. Das war eine Abwägung zugunsten des geschützten Steinkrebses”, erklärt Kerstin Beck.


Die Rettungsaktion für den Steinkrebs hat die Stadt rund 15 000 Euro gekostet, weil der städtische Baubetriebshof viel selbst machen konnte. “Die Metallbearbeitung erfolgte mit der Firma Walz aus Neuler, der Einbau von uns. Wir übernehmen auch die Pflege”, sagte Alexander Renschler, der Leiter des Baubetriebshofs. Larissa Wettemann vom Stadtbauamt hat die Aktion koordiniert. Sie hat auch den Zuschussantrag an die Naturschutzstiftung geschrieben, die 90 Prozent der Kosten übernimmt. ”Das war eine relativ günstige Artenschutzmaßnahme, die hoffentlich hilft, eine gefährdete Art vor dem Aussterben zu retten”, sagt Bürgermeister Volker Grab. Das RPS wird beide Steinkrebsvorkommen beobachten und so auch Erfahrungen für Schutzmaßnahmen andernorts sammeln.


Zum Fonds der Naturschutzstiftung Baden-Württemberg: Dieser Fonds wird von allen naturschutzrechtlichen Ersatzzahlungen befüllt. Also beispielsweise, wenn ein neues Windrad errichtet wird. Mit dem Geld werden Projekte zum Natur- und Artenschutz im ganzen Land finanziert.

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