Ingenieure untersuchen den Auenboden

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Das Ingenieurbüro „regioplus – ingenieurgesellschaft“ aus Beuren war in der Jagstaue unterwegs, um mit einem Minibagger fünf „Profilgruben“ zu graben.

Ellwangen

Große Erdbewegungen werden in den nächsten Jahren das Landschaftsbild im zukünftigen Auenpark der Ellwanger Landesgartenschau prägen, denn im Zuge der naturnahen Umgestaltung der Jagst wird deren Flussbett um 500 Meter verlängert. In vordefinierten Mäandern soll sich der Fluss seinen na-türlichen Lauf gestalten – und damit seine ursprünglichen „Schleifen“ zurückerhalten. Wie die Erdarbeiten möglichst effizient und ökologisch verträglich gleistet werden können, benötigt viel planerische Vorarbeit. Jan Fischer, Projektleiter Auenpark - Planung und Bau der Landesgartenschau GmbH, kümmert sich um dieses „Bodenmanagement“: „Ziel ist es, den Eingriff in die sensiblen und wertvol-len Bodenschichten so gering als möglich zu halten, sowie den erforderlichen Bodenaushub bestmög-lich auf dem Gelände wiederzuverwenden“, sagt Fischer. Doch dazu kommt nicht jede Bodenart in Frage, schließlich soll sich die zukünftige Vegetation optimal entwickeln. Um mehr Kenntnis über die Bodenverhältnisse zu erlangen ist das Ingenieurbüro „regioplus – ingeni-eurgesellschaft“ aus Beuren am Freitag in der Aue unterwegs gewesen, um mit einem Minibagger fünf „Profilgruben“ zu graben. Die Wissenschaftler nutzen die Grabungsstellen, um Aufbau und Struktur der Böden zu untersuchen und Proben zu nehmen, die später im Labor auf etwaige Schad-stoffbelastung getestet werden. „Wir nehmen auf, welche Bodenanteile kulturfähig sind – also als Wurzelraum für Pflanzen wieder eingebaut werden können - und welche nicht“, erläutert Umweltwissenschaftlerin Aline Werner. Mit den Agrarwissenschaftlern Jörg Schneider (Geschäftsführer regi-oplus), Lydia Schumacher und Philipp Haas wertet sie die Profilgruben aus: Bodenfarben und Beschaffenheit geben Aufschluss über den Wasser- und Lufthaushalt, zur Nährstoffsituation und über das Prozessverständnis, wie sich der Bodenaufbau gebildet hat. Die Ingenieure sammeln ihre Informationen auch aus Sondierungen mithilfe von „Bohrstöcken" und nehmen dabei Proben. Dabei wird der Boden händisch mit einem dünnen Rohr bis in einen Meter Tiefe ausgestochen. Insgesamt bereits 60 dieser Sondierungen haben die Bodenkundler im gesamten Areal der künftigen Landesgartenschau genommen, um etwaige Schadstoffbelastungen – natürliche oder durch den Menschen verursachte – auszuschließen. Auf Grundlage der Sondierung können die Expertinnen zudem die Wertigkeit der Böden bestimmen. Weitere rund 20 werden noch dazukommen, um ein vollständiges Bild zu erhalten. „Die Verfüllungen der historischen Jagstarme sind aus dem 19. Jahrhundert oder früher“, sagt Jörg Schneider, also noch vor der anziehenden Industrialisie-rung und ihren Folgen für die Umwelt. „Aus der Durchsicht der bisherigen Unterlagen erwarten wir keine Problemlagen von den Schadstoffen her.“ Wenn alle Untersuchungen abgeschlossen sind, liefert das Büro einen „Bodenwiederverwertungsplan“ ab, welcher dann in die Planung und in das Baustellenmanagement einfließt. „Ein qualifiziertes Bodenmanagement zeigt die Wichtigkeit einer nachhaltigen Planung und Bauausführung, je geringer und präziser der Eingriff, desto geringer die Kosten und desto höher die Qualität der zukünftigen Auenvegetation“, sagt Jan Fischer. Gleichwohl sei klar, dass es viel Bewegungen geben wird, wenn die großen Bagger anrücken werden.

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