Insekten- und Vogelschutz im Winter

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Ein Stieglitz sitzt aneiner Karde: Wer solche Szenen im eigenen Garten beobachten oder fotografieren möchte, kann jetzt etwas dafür tun.

Die NABU-Ortsgruppe Ellwangen gibt Tipps, wie man den Fluginsekten und anderen Tieren im heimischen Garten über die kalte Jahreszeit helfen kann.

Ellwangen

Jetzt kommt er wohl doch noch um die Ecke: der unwirtliche Herbst und ein womöglich kalter Winter. Was kann man tun, damit die sommerlichen Bemühungen zum Schutz der Insekten- und Vogelwelt auch diese Jahreszeit überdauern? Und es im kommenden Frühjahr dann hoffentlich wieder summt, brummt und zwitschert?

Gärten sind mehr denn je unverzichtbar für den Schutz von Insekten, der Vogelwelt und sonstiger tierischer Gartenbewohner. Denn in der freien Flur, bedingt durch die zunehmend industrielle Landwirtschaft, finden Tiere immer weniger Unterschlupf und Nahrung, gerade auch jetzt in den kommenden kalten Monaten. Nun war es traditionell so, dass man hierzulande im Herbst den Garten möglichst gründlich auf- und ausgeräumt hat, um ihn "winterfest" zu machen. Eine Arbeit, die man sich weitgehend sparen sollte, möchte man für den Erhalt der Wildbienen, Käfer, Schmetterlinge, unserer heimischen Vogelwelt Gutes und generell etwas für die Natur tun.

Wie pflegt man die Wildblumenwiese oder den Wildblumensaum, den man im Frühjahr angelegt hat?

Hier mäht man dann, wenn der Großteil der Pflanzen Samen gebildet hat, was nun der Fall ist. Das anfallende Schnittgut sollte nach Möglichkeit zwei bis drei Tage auf der Fläche trocknen. So können die Samen herausfallen. Im Anschluss kann man den Schnitt kompostieren. Bitte darauf achten, dass die Insekten Rückzugsmöglichkeiten bekommen indem man nicht die ganze Wiese auf einen Schlag mäht. Wenn man die Randflächen nur alle zwei Jahre mäht, entstehen im Laufe der Zeit die für Insekten besonders wertvollen Saumbereiche mit Hochstauden wie Disteln.

Was tun mit dem Laub der Obstbäume auf dem Rasen?

Das Laub kann entfernt werden. Bitte aber auf keinen Fall mit einem Laubbläser. Ganz abgesehen davon, dass diese Geräte eine Menge gesundheitsschädlichen Feinstaub produzieren und häufig unerträglich laut sind, töten sie Kleinstlebewesen und Insekten. Man nehme also bitte den klassischen Rechen und schaffe das Laub in eine Ecke des Gartens. Dort angehäuft, leistet ein großer Laubhaufen wertvolle Dienste als perfektes Winterquartier zum Beispiel für den Igel. Fallobst, Kompost und etwas Wildnis in den ungenutzten Ecken des Gartens bieten einer Reihe von Tieren einen reich gedeckten Tisch, um sich Fettpolster für den Winter zuzulegen.

Wie kann man den Schmetterlingen helfen?

Je natürlicher der Garten, desto mehr Tiere leben darin.

NABU Ortsgruppe Ellwangen Faustregel

Schmetterlinge verfolgen ganz unterschiedliche Überwinterungsstrategien. Einige, wie zum Beispiel der Distelfalter, ziehen Richtung Süden und andere, wie der Zitronenfalter, überwintern in einem Efeublatt. Der Schwalbenschwanz verpuppt sich und wartet so das Frühjahr ab. Wieder andere überwintern in Form von Eiern und Raupen. Deshalb sollten, entgegen alter Gewohnheiten, Stauden und Gräser unbedingt erst im kommenden Frühjahr zurückgeschnitten werden, denn genau in den Stängeln und verdorrten Blättern lässt sich eben manch Schmetterlingsnachwuchs nieder.

Wie kann man Winterquartier für Wildbienen schaffen?

Gerne genutzte Winterquartiere entstehen in Bündeln von Totholz, möglichst auch bedeckt von Laub. Ein "warmes" Plätzchen für Käfer, Hummeln, Wildbienen. Bei dieser Gelegenheit ist unbedingt zu erwähnen, dass auch Erdkröten, Zauneidechsen und Ringelnatter dringend ein Zuhause suchen. Sie finden es gerne im Komposthaufen, unter Steinhäufen, im Reisig und in besagtem Totholz.

Was brauchen die Vögel?

Viele heimische Vogelarten wie Rotkelchen, Amsel, Zaunkönig und Meisen bleiben hier und sind auf unsere Unterstützung angewiesen. Spätestens jetzt sollte man mit der Fütterung beginnen, denn es ist wie bei uns Menschen. Ein neues Gasthaus muss auch erst etwas beworben werden, ehe es regelmäßig frequentiert wird. Wer im Sommer samentragende Pflanzen im Garten - (zum Beispiel Sonnenblumen und Karden) und zudem beerentragende Wildsträucher gepflanzt hat, wird durch einen vogelreichen Garten belohnt, denn er hat die wichtigste Nahrungsgrundlage schon geschaffen.

Wie kann man jetzt das Frühjahr vorbereiten?

Auch der härteste Winter geht wieder vorüber und man darf jetzt schon an den kommenden Frühling denken. Das Stecken möglichst vieler Zwiebeln wie beispielsweise Winterlingen, Krokus und Blaustern wird belohnt durch eine früh blühende Wiese, die wiederum früh fliegende Insekten ernährt. Auch das Pflanzen von heimischen Gehölzen wie Kornelkirsche, Schneeball und Weißdorn bietet sich im Herbst an. Diese heimischen Gehölze decken ebenfalls Insekten im Frühjahr den Tisch. Generell gilt: Je natürlicher der Garten bleiben darf und je mehr Rückzugsmöglichkeiten wie Steinhäufen oder -mauern, Hecken, Totholzhäufen, Reisighäufen, Stängel von Stauden, Fallobst, Nüsse, Kompost, Laubhäufen man im Garten belässt, desto mehr Tieren sichert man das Überleben.

Eva Stengel

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