Jagstbad bleibt Geschichte

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So sah das Ellwanger Stadtbad Mitte der Sechziger Jahre aus: Die Nichtschwimmerzone war mit Holzplanken vom 1,8 Meter tiefen Flusslauf abgetrennt.
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Der "Stadtstrand" soll die Jagst erlebbar machen. Das war sie auch, bis das städtische Freibad am Kressbachsee öffnete.

Ellwangen

Wichtiger Teil des Landesgartenschaukonzepts ist der "Stadtstrand". Ungefähr da, wo sich heute das Stauwehr befindet, soll die Jagst spätestens ab 2026 zum Plantschen einladen. Die Ufer sollen als "Flussterrasse" beziehungsweise "Jagstbalkon" gestaltet sein, wo man die Strandmatte zum Sonnenbaden ausrollen kann. Das Wasser soll so flach sein, dass auch Kinder gefahrlos darin spielen können.

Ein Uferabschnitt zum Eintauchen in die Jagst, das gab es bereits. Viele Ellwanger erinnern sich noch an das "Jagstbad", das sich im Bereich des heutigen Campingplatzes befand. Hier gab es Duschen und Umkleidekabinen, Spiel- und Liegewiese, Kinderbecken, Treppen ins Wasser und einen Bademeister, der hieß Paul Giersberg.

Unter seiner Anleitung haben hier viele Ellwanger das Schwimmen gelernt. Manchmal ärgerte man sich über den plötzlich sinkenden Wasserspiegel, wenn der Stadtmüller das Wasser zum Mahlen brauchte. Nachdem die Jagst 1956 begradigt und als Trog ausgebaut wurde, war sie mit 1,8 Meter jedoch tief genug zum Schwimmen. Damals entstand auch die Ausbuchtung mit Nichtschwimmerzone, 40 bis 90 Zentimeter flach, und vom tiefen Teil abgetrennt durch eine Holzplanke.

In unangenehmer Erinnerung ist die oft schlechte Wasserqualität. Gerade im Sommer, wenn kaum Regen fiel, war der Geruch mitunter kaum auszuhalten. Die Kläranlagen der Oberliegergemeinden waren erst im Aufbau und von manchen Wohnplätzen, lange Zeit auch aus der Mühlbergkaserne, flossen die Abwasser ungeklärt in die Jagst.

Immer wieder musste das Bad wegen Kolibakterien gesperrt werden, was zu einer anhaltenden Diskussion bei Bürgerschaft und Gemeinderat führte. Immerhin gab es seit 17. Juni 1966 die Alternative Kressbachsee, sogar mit "Erfrischungsstand". Hier stand jetzt das Badehaus mit den Umkleidekabinen, nachdem es kurz am "Muckenweiher" war.

Am Badeufer sind Warntafeln aufzustellen, die auf fäkale Verunreinigung hinweisen.

Aus einer Anordnung des Gesundheitsamtes 1959

Manchen war es aber zum Kressbachsee zu weit. Kinder und Jugendliche nutzten weiter das Jagstbad, ganz Mutige sprangen sogar von der Fußgängerbrücke bei Rotenbach. Ein tödlicher Badeunfall im Juli 1969, als ein achtjähriger Bub aus Schrezheim im Stadtbad ertrank, läutete dann das Ende ein.

Die Wasserqualität der Jagst ist wieder besser geworden, doch die Schwimmer kamen nicht zurück, was wohl daran liegt, dass es keinen wirklich guten Zugang zum Wasser gibt.

Hier setzt die Idee vom "Stadtstrand" an: flache Ufer, Liegewiese, befestigte Wege, Duschen und ein Kiosk mit Gastronomie. Nur zum Schwimmen wird es wohl nicht reichen. Nach der Beseitigung des Stauwehres wird die Jagst ein recht flaches Gewässer sein. Am Pegel Schwabsberg wurde zwischen 1980 und 2003 ein durchschnittlicher Niedrigwasserabfluss von 0,14 Kubikmeter pro Sekunde gemessen, im langjährigen Jahresmittel waren es 1,87 Kubikmeter.

Selbst wenn es gelingt, durch entsprechende Formung des Flussbettes im Bereich des "Stadtstrand" auch Stellen zu schaffen, die dauerhaft Wasser führen, muss man wohl davon ausgehen, dass es in heißen Sommern kaum zur Abkühlung reichen wird.

So stellen sich die Planer des Büro relais im Siegerentwurf für die Landesgartenschau 2026 den Stadtstrand vor. Grafik: LGS GmbH

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