Jakobskreuzkraut nimmt überhand

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Jakobskreuzkraut an der L1060 im Industriegebiet Neunheim: nur zweimal mähen oder ausreißen hilft gegen die Ausbreitung.
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Die gelb blühende Giftpflanze breitet sich an Wegrändern und Bahndämmen aus. Kommt sie ins Futter, kann es bei den Tieren zu Vergiftungen kommen. Die Bekämpfung ist aufwändig.

Ellwangen. Derzeit blüht es gelb an vielen Straßenrändern. Die so harmlos aussehende Pflanze bereitet vor allem der Landwirtschaft erhebliche Sorgen: das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) ist giftig und verursacht, wenn es ins Futter gelangt, mitunter tödlich verlaufende Vergiftungen. Die Wirkung verschiedener Pyrrolizidin-Alkaloide führt bei Kühen und Pferden, seltener bei Schafen und Ziegen, zu chronischen Lebervergiftungen. Die Schäden sind kumulativ, das heißt je mehr Pflanzen gefressen werden, desto stärker wird die Leber geschädigt. Bereits bei einem Kilo, das sind 15 frische Triebe des Jakobskreuzkrauts, wird die tödliche Dosis erreicht.

Auf regelmäßig gemähten Wiesen ist der zweijährige Korbblütler noch selten. Doch die starke Vermehrung an den Straßenrändern führt zu immer mehr Samenflug und so landen auch immer öfter Samen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Franz Meyer vom Kreisverband der Obst und Gartenbauvereine (KOGV) beobachtet die Ausbreitung schon seit Jahren und er hat auch schon mit den Straßenmeistereien Kontakt aufgenommen, damit die Böschungen frühzeitig gemäht werden, bevor sich die Samen ausbilden können. Teilweise klappt das auch. Allerdings längst nicht überall, manche Grünstreifen entlang der Straßen, die im rückwärtigen Bereich nur einmal im Jahr, oft erst im Herbst gemäht werden, blühen gelb in gelb. Und der Fahrtwind der vorbeifahrenden Fahrzeuge sorgt dafür, dass sich die Samen munter verbreiten.

Übrigens, dass der KOGV sich des Themas annimmt, hat einen einfachen Grund: viele Mitglieder sind Imker und auch ihre Tiere sind betroffen. „Früher dachte man, dass Bienen die Blüten meiden. Das stimmt aber nicht. In einzelnen aber seltenen Fällen kann es vorkommen, dass der Honig unbrauchbar wird“, sagt Meyer. „Man kann die Verbreitung nur stoppen wenn man die Pflanzen jetzt vor dem Aussamen ab- ausreißt. Auf jeden Fall sollte man sich schützen und dazu Handschuhe tragen. Stark bewachsene Flächen sollten komplett abgemäht werden. Der Schnitt muss aber unbedingt vernichtet werden“, sagt Meyer.

Wie kommt es eigentlich, dass sich das Jakobskreuzkraut so massiv ausbreitet? Das hat unter anderem mit dem Klimawandel zu tun. Die Pflanze verträgt Trockenheit sehr gut und wenn sich in Trockenperioden Lücken in der Grasnarbe auftun, hat der Samen auch genug Licht, um sich gegen andere Arten durchzusetzen. Auf intensiv genutzten und gedüngten Agrarflächen kommt die Giftpflanze kaum vor. Doch es gibt immer mehr Brachflächen, die gar nicht oder nur einmal im Jahr gemäht werden. Das genügt nicht, um das Jakobskreuzkraut zurückzudrängen. Mindestens zweimal sollten Flächen gemäht werden, auf denen das Giftkraut wächst.

„Noch besser wäre es, wenn man alle Pflanzen ausreißt, sammelt und verbrennt“, sagt Franz Meyer. Die Lücken in der Grasnarbe sollte man umgehend mit Grassamen ansäen, um zu verhindern, dass die Samen des Jakobskreuzkrauts keimen.

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