"Jeder liest sein eigenes Buch"

Einen Autor hautnah erleben – das ist für Jugendliche ein besonderes Erlebnis. Diese Möglichkeit hatten die Schüler der 10. Klassen an der Eugen-Bolz-Realschule durch die finanzielle Unterstützung des EBR-Fördervereins. Dirk Kurbjuweit war zu einer Lesung eingeladen.

Zurzeit ist der Autor auf Lesereise in Baden-Württemberg, da sein Roman "Zweier ohne" vom Kulturministerium als Prüfungslektüre für das Fach Deutsch an Realschulen ausgewählt worden ist. Zwar habe er es "nicht als Jugendbuch" konzipiert, doch freue er sich sehr über das große Interesse und finde es spannend, wie unterschiedlich die Lesungen verlaufen. "Ein Roman braucht immer zwei Schriftsteller", so seine Überzeugung, denn "jeder Roman lässt Lücken, Sie als Leser füllen diese Lücken mit ihrer Phantasie, ihrer Vorstellung. So funktioniert Literatur!" Bei verschiedenen Schülerfragen wies Kurbjuweit darauf hin, dass er als Autor vieles offen lasse und keine Interpretationen gebe, um den Leser nicht festzulegen. Das sei nicht in seinem Sinn, denn "jeder liest sein eigenes Buch". Er sei selbst immer wieder über verschiedene Deutungen seiner Romane erstaunt, denn "70 Prozent der Interpretationen seien vom Autor nicht beabsichtigt." Kurbjuweit erklärte seinen jungen Zuhörern, wie er selbst den Schreibprozess erlebt. Eine Romanhandlung entstehe meist durch eine reale Person, die ihn nach einer persönlichen Begegnung sehr beschäftige, über die er viel nachgedacht habe. Im Laufe der Arbeit entwickle diese immer mehr Eigenleben als literarische Figur. Interessant wurde es für die Schüler vor allem, als der Autor ihnen die autobiographischen Elemente in "Zweier ohne" aufzeigte. Auch erklärte Kurbjuweit den Jugendlichen an Beispielen aus der Prüfungslektüre, welche Erzähltechniken er angewandt habe und welche Wirkungen damit erzeugt werden. Die Aussage des Autors "In literarischen Figuren wird das Leben neu erfunden" kommentierte die Deutschlehrerin Ursula Roschitsch zustimmend: "Eine Perspektive, die Lust auf Lesen macht!" Dirk Kurbjuweit arbeitet hauptberuflich als Journalist beim "Spiegel" in Berlin. Da er deshalb etwa 200 Tage im Jahr unterwegs ist, dabei über Monate Politiker begleitet, nutzt er häufig die Wartezeiten, um an seinem Laptop zu arbeiten. Dabei falle es ihm leicht, schnell auf seinen "Schreibtunnel"-Modus umzuschalten. Allerdings benötige er für ein Buch zwei bis drei Jahre.

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