Jose Schmidpeter bittet um Hilfe für Kranke in Arequipa

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Dr. Josef Muck, Pater Josef Schmidtpeter, Bernhard Kuhn: sie sammeln Spenden für die Poliklinik in Arequipa (Peru).
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Die Pandemie hat an Schärfe zugenommen. Der Missionar kam mit einem der letzten Flugzeuge, bevor die Stadt abgeriegelt wurde.

Ellwangen

Pater „José“ Schmidtpeter ist wieder in der Stadt, das erste Mal seit 2018. Und wenn er bei Bernhard Kuhn im Wohnzimmer sitzt und berichtet, wie schlimm momentan die Situation in Peru ist, fragt man sich verwundert, warum der 85-Jährige trotzdem in das Land zurückkehren will.

Für José ist die Antwort ganz klar: In Arequipa befindet sich sein Lebenswerk, die Poliklinik „Espiritu Santo“, die er mitten im Armenviertel aufgebaut hat, um denen, die sich keine Klinik leisten können, ärztliche Versorgung zukommen zu lassen.

Der Ruhestand ist nicht sein Ding, das wird schnell klar, wenn man ihn sprechen hört. Kuhn und Dr. Josef Muck waren Zöglinge von Schmidtpeter, als der Pater noch das Seminar „Josefinum“ der Comboni-Missionare leitete. 2018 gründeten sie mit anderen „Josefinern“ den Freundes- und Förderkreis, der seitdem die Klinik unterstützt.

Zweimal pro Woche telefoniert Kuhn mit der Klinikleitung in Arequipa, er ist Vorstandsmitglied der gemeinnützigen „Asuncion Espiritu Santo“, der Betreiberin. Schmidtpeters Werk hat größere Ausmaße angenommen: Zwei Polikliniken, drei Waisenhäuser, ein Altenheim in Arequipa, eine weitere Poliklinik in der Hauptstadt Lima.

„Wir haben 2000 Patienten jeden Tag, vor der Pandemie waren es 2500. Wir haben jeden Tag 50 bis 60 Menschen im Computertomograf, 80 Prozent infiziert mit Corona“, erzählt José. Er scheint kleiner geworden zu sein, hält seinen rechten Arm fest, Folge einer Herzerkrankung. Zuletzt hat ihm eine Pankreasentzündung zu schaffen gemacht.

Doch davon lässt er sich nicht entmutigen. Auch nicht von der Pandemie, die ihn ein ganzes Jahr in Quarantäne zwang. Zwischenzeitlich ist er zweimal geimpft, mit dem chinesischen Impfstoff, nur den gab es in Arequipa.

Drei Flüge bis Stuttgart, einen ganzen Tag unterwegs, eine Woche Quarantäne im Haus der Comboni-Missionare. Schmidtpeter nimmt das auf sich, denn es geht um die Menschen, für die er sich verantwortlich fühlt.

Ärzte und Schwestern schätzen es, wenn Jose mit den Kranken redet, Beichten abnimmt, Gebete spricht. Die seelische Unterstützung, die Zuversicht, die er unter den Patienten verbreitet, ist für die Heilung nicht zu unterschätzen.

Und alle wissen, dass Jose die Gelder organisieren kann, die Ärzte und Pfleger vor Ort dringend benötigen, um die Arbeit fortzuführen. „Das ist der Grund, weshalb ich hier bin“, sagt Schmidtpeter. „Ich treffe mich mit Freunden, mit Spendern und bitte sie um Hilfe.“

In Peru gibt es keine staatliche Unterstützung im Krankheitsfall, auch nicht in der Pandemie. Weder FFP2-Masken werden verteilt noch Tests angeboten. Deshalb hat die Poliklink auf eigene Rechnung Testkampagnen in den Slums durchgeführt. In der ersten Welle haben viele Firmen Mitarbeiter entlassen. Aus purer Armut können die meisten nicht einfach zuhause bleiben. Jetzt sorgt die dritte Welle für über 30 Tote pro Tag allein in Arequipa. In der Stadt gibt es keine Beatmungsplätze mehr, Sauerstoff ist knapp. Die Kranken liegen in den Fluren, auf der Straße in Autos oder Campingzelten.

Die Diagnosemöglichkeiten in „Espiritu Santo“ sind gut, sparen den Patienten Geld, für die Armen sind sie kostenlos. „Wenn sie in Peru in ein staatliches Krankenhaus gehen, wird eine Untersuchung nach der anderen gemacht und für jede muss man bezahlen“, erklärt Bernhard Kuhn, der schon mehrfach in Arequipa war. „Dank der medizinischen Geräte, die wir mitfinanziert haben, weiß man dagegen sehr schnell, was der Patient hat“, fügt Dr. Josef Muck an.

Der Computertomograf, ein modernes Ultraschallgerät, ein EEG und ein EMG-Gerät wurden dank der Spenden angeschafft. Außerdem haben die Ellwanger geholfen, als 2020 im Lockdown keine Patienten mehr kamen. Mit dem Geld konnte das Klinikpersonal weiter bezahlt werden und direkt in die Armenviertel gehen, um dort eine Versorgung anzubieten.

Der Freundes- und Förderkreis der „Josefiner“

Seit 2018 hilft der Freundes- und Förderkreis e.V. der Josefiner den Polikliniken Espiritu Santo in Arequipa. Er hat aktuell 237 Mitglieder, darunter die Kolpingvereine Ellwangen und Abtsgmünd. Es wurden Spenden überwiesen, medizinische Geräte angeschafft und deutsche Mediziner vermittelt, die für einige Zeit kostenlos in der Poliklinik gearbeitet haben. Auch als Missionar auf Zeit oder in einem freiwilligen sozialen Jahr kann man in den Einrichtungen „Espiritu Santo“ helfen. Sogar eine Schulpatenschaft wurde schon eingefädelt. Wer helfen will, kann seine Spende auf das Konto: DE38 6145 0050 1001 1150 58 bei der KSK Ostalb überweisen.

Wir haben 2000 Patienten jeden Tag.“

Josef Schmidtpeter, Missionar in Peru
Die Coronapandemie entwickelt in Peru zunehmend Dramatik: Das Bild zeigt Menschen in den Armenvierteln von Arequipa, die auf einen Coronatest warten, den die Poliklinik „Espiritu Santo“ von Pater Josef Schmidtpeter kostenlos anbietet.

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