Kartoffelbau: Chancen und Lösungen zwischen Corona und Klima?

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Gute Ernte bei den Frühkartoffeln: Die Sorte Annabelle hat Anton Wagner schon geerntet.
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Der Kartoffelbauer Anton Wagner hat mit Herausforderungen zu kämpfen.

Ellwangen-Neunheim

Nur drei Liter Regen in Neunheim, das ist zu wenig für die Kartoffeln. Die mittelspäten und späten Sorten bräuchten jetzt Wasser bei nicht zu viel Hitze, damit sie wachsen und im September eine gute Ernte abgeben.

Anton Wagner, der sich auf den Kartoffelanbau spezialisiert hat, hat seine Felder im größeren Umkreis von Neunheim. Bis 15 Kilometer vom Hof entfernt liegen die Kulturen in diesem Jahr. Mit der räumlichen Streuung kann der Landwirt das Wetterrisiko besser verteilen. "Mein Feld in Ellenberg-Gerhof hat am Wochenende deutlich mehr Regen abbekommen als die Äcker bei Neunheim." Weil für Kartoffeln nicht jeder Boden geeignet ist und weil man nur alle vier Jahre auf denselben Flächen die Knollen anbauen kann, tauscht Wagner auch Flächen mit anderen Landwirten.

In diesem Jahr sieht es bei den Frühkartoffeln, die Sorte "Annabelle" ist schon komplett geerntet, eigentlich ganz gut aus. "Der Ertrag ist ordentlich, die Qualität gut", sagt Wagner. Allerdings sei das Roden in den extrem trockenen Böden mitunter schwierig, weil die Knollen leicht beschädigt werden. Die Frühkartoffeln werden sofort vermarktet und sollen auch schnell verbraucht werden.

Die späten Sorten dagegen wachsen noch. "Eigentlich brauchen die jetzt richtig Wasser", sagt Wagner, doch er wird seine Felder wohl nicht beregnen wie sonst, wenn zu wenig Niederschlag fällt. Mehr Wasser bedeutet größere Knollen und die ganz große Sortierung, die für die Herstellung von Pommes Frites und in Großküchen gewünscht ist, lässt sich in Coronazeiten nur schwer vermarkten. Rund 25 Tonnen "Große" sind von der Ernte 2019 noch übrig und können nur noch verfüttert werden, weil Gastronomie und Großküchen wochenlang geschlossen waren.

Den größten Teil der Ernte lagert Wagner in seinem klimatisierten Kühlhaus ein, um das ganze Jahr über beste Qualität liefern zu können. Der Einzelhandel habe den eingebrochenen Bedarf der Großküchen ein Stück weit aufgefangen, erzählt er. "Insbesondere die Wochenmärkte laufen deutlich besser. Weil die Leute mehr zuhause kochen und weil sie lieber im Freien einkaufen."

Eine Kartoffel vergisst nicht.

Anton Wagner Landwirt

"Eine Kartoffel vergisst nicht" betont der Landwirt immer wieder. Die Knollen reagieren auf unterschiedliche Wetter- und Klimabedingungen. Eine Hitzewelle wie vorige Woche führt dazu, dass die Früchte schneller Keimlinge austreiben.

Kartoffeln geben Wärme ab

Verhindern lässt sich das Austreiben der Keimlinge nur durch eine kühle Lagerung bei den richtigen Temperaturen. Wagner: "Man glaubt das nicht, aber Kartoffeln geben Wärme ab. 70 Watt pro Tonne und Tag. Das bedeutet, dass man im Lager ständig Kaltluft zuführen muss."

Letztlich geht es im Kartoffelanbau auch darum, das zu vermarkten, was man vom Feld eingefahren hat. Die meisten Kunden greifen zur "mittleren Größe". Doch es gibt eben auch kleinere und größere. Dass man damit ebenfalls hervorragende Gerichte zaubern kann, muss man den Kunden immer wieder vermitteln. Wagner: "Der Verkäufer am Marktstand muss alles kochen können und alles über Kartoffeln wissen. Wir verkaufen die kleinen Größen, gelbe und blaue, als Rosmarinkartoffeln. Die bunte Mischung läuft hervorragend. Bei ganz Großen schreibe ich auch mal ‘Ofenkartoffeln' dazu."

Gute Ernte bei den Frühkartoffeln: Die Sorte Annabelle hat Anton Wagner schon geerntet.

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