Kartoffeln kommen jetzt in den Boden

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Kartoffelanbau auf der Ostalb: Anton Wagner setzt auf vorgekeimte Pflanzen, die schneller Kraut ausbilden und weniger Pflanzenschutzmittel brauchen.
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Die lange Kältephase im April muss nicht unbedingt zu einer Verzögerung oder gar einer geringeren Ernte führen.

Ellwangen

Das vergangene Wochenende mit den sommerlichen Temperaturen hat in der Landwirtschaft die Maschinen anlaufen lassen. Vereinzelt wurden sogar schon Wiesen gemäht und der erste Grasschnitt in die Silos gefahren.

Beim Kartoffelbauer Anton Wagner aus Neunheim ist jetzt die Pflanzarbeit angelaufen. Verhältnismäßig spät kommen dieses Jahr die Knollen in den Boden, doch ein Schaden muss das nicht sein. Wenn in diesem Sommer Wärme und Feuchtigkeit passen, kann die Ernte so gut sein wie voriges Jahr.

Wagner setzt seit einigen Jahren verstärkt auf vorgekeimte Pflanzkartoffeln. Die Knollen werden dabei zwei bis drei Monate in flachen Kisten dem Tageslicht ausgesetzt. Sie entwickeln grüne Triebe, die im Boden sehr schnell weiterwachsen. Wenige Tage nach dem Pflanzen schießt das Kraut aus dem Boden und wächst so schnell weiter, dass sich der Landwirt mehrere Pflanzenschutzbehandlungen sparen kann.

„Das Wachstum bei vorgekeimten Kartoffeln verläuft so schnell, dass Schädlinge und Unkraut kaum eine Chance haben“, sagt Anton Wagner.

Allerdings ist der Arbeitsaufwand deutlich höher, die vorgekeimten Kartoffeln müssen mit Spezialmaschinen gesteckt werden, um die Keime nicht zu beschädigen. Außerdem braucht der Landwirt Keimkisten und eine helle, frostsichere Halle.

Wagner hat in die entsprechende Technik investiert und ist überzeugt, dass sich das rechnet. Durch den späteren Pflanztermin spart er sich auch die Schutzfolien, unter denen sonst häufig die Frühkultur liegt.

Ob das Vorkeimen oder eine Folienkultur die richtige Entscheidung ist, hängt wesentlich vom Wetter ab. „In diesem Jahr hätte der Sturm die Folien schon zwei oder dreimal weggeweht“, sagt Wagner. Der Kartoffelbauer aus Neunheim hat in diesem Jahr die Fläche für bunte Kartoffeln deutlich ausgedehnt, weil seine „bunten Kartoffelchips“ so gut nachgefragt und bald ausverkauft sind. Die Zeit bis zur nächsten Ernte wird er mit einer neuen Chips-Sorte aus gelben Kartoffeln überbrücken.

Mit der Verarbeitung zu Kartoffelchips konnte Wagner den gesunkenen Absatz an die Gastronomie teilweise auffangen. Die Chipsproduktion wird er auch nach Corona fortführen.

Beim Kartoffelanbau sind pro Hektar bis zu 270 Arbeitsstunden nötig. Zum Vergleich: beim Getreide rechnet man mit 15 Arbeitsstunden pro Hektar.

Tipps von Anton Wagner für Kartoffeln im Garten

Wärme: Wer Kartoffeln pflanzen und nicht über Monate vorkeimen will, kann dem Pflanzgut einen Wärmeschub geben, zum Beispiel, indem er die Knollen ein paar Tage ins Gewächshaus stellt. Dann keimen sie schneller.

Boden: „Kartoffel will keinen nassen Fuß“, sie gedeiht am besten auf sandigem, gut durchlässigem Boden. Lehmböden eignen sich nicht beziehungsweise sollten mit Sand vorher aufgelockert und verbessert werden.

Legetiefe: Man legt die Kartoffeln im Abstand einer Fußlänge ein bis zwei Zentimeter unter Bodenniveau. Erst wenn die ersten Krautspitzen zu sehen sind, häuft man den Damm auf. So bekommt die Kartoffel mehr Wärme ab.

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