Kein Erdgas mehr für Neubaugebiete in der Region

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In Neubaugebieten entscheiden sich immer mehr Häuslebauer für moderne KfW 55-Häuser und Wärmepumpen mit PV-Anlagen. Erdgas als Wärmeträger ist nicht mehr gefragt. Syboldfotos: pixabay
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Warum immer weniger Häuslebauer auf Gas setzen und wie sich die EnBW ODR auf die Veränderungen im Energiemarkt einstellt.

Ellwangen

Aus immer mehr Kommunen im Kreis kommen aktuell die gleichen Meldungen: Die EnBW ODR als Energieversorger wird ein geplantes Neubaugebiet nicht mehr mit Erdgas erschließen, es sei denn, die Kommune wünsche dies ausdrücklich und beteilige sich an den Kosten für die Hausanschlüsse.

Hinter dieser Entscheidung der EnBW stehen klare betriebswirtschaftliche, aber auch umweltpolitische Überlegungen, bestätigt Sebastian Maier, technischer Vorstand der EnBW ODR, im Gespräch mit der SchwäPo. „Die Nachfrage nach Gasanschlüssen in Neubaugebieten ist massiv eingebrochen. Vor zehn Jahren hatten wir etwa 80 Prozent der Bauherren, die sich in einem Neubaugebiet für einen Gasanschluss entschieden haben. Heute sind es höchstens noch 30 Prozent, die Tendenz geht eher zu noch weniger.“ Dadurch ist es für die EnBW schlicht nicht mehr wirtschaftlich, die teure Infrastruktur für so wenige Abnehmer in einem Neubaugebiet aufzubauen.

Diese Entwicklung ist ein deutlicher Ausdruck von starken Veränderungen im Bauwesen, sowie umweltpolitischen Anreizen und Gedanken, so Maier. „Heute wird anders gebaut. Flächenheizungen im Fußboden, kombiniert mit Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen sind deutlich effizienter.“

Nur noch höchstens ein Viertel des Energiebedarfs für Heizung und Warmwasser werde in heutigen KfW 55-Häusern benötigt: „Durch die Dämmung muss weniger Warmwasser vorgehalten werden, zudem bei viel niedrigeren Temperaturen“, erklärt Maier. Das hat wiederum Auswirkungen auf die EnBW als Energieversorger als Ganzes: „Wir spüren die Veränderungen signifikant.“ Und investiert statt in Neubaugebiete anderweitig.

Selbst produzieren

Spreizungen und Schwankungen im Stromnetz werden immer massiver, denn die Verfügbarkeit und Spannungsspitzen von Wind- und Sonnenenergie schwanken. Und nehmen zu, je mehr Energie dezentral produziert wird. „Wir als EnBW müssen diese Herausforderungen annehmen“, bekräftigt Maier, und geht dennoch sogar noch einen Schritt weiter: „Als Energieversorger tue ich mich eigentlich schwer mit dieser Aussage, aber ich kann Bauherren nur dazu raten, Energie dezentral selbst zu erzeugen.“

Steht Erdgas damit vor dem Aus?

Mitnichten, erklärt Sebastian Maier. „Wir haben eine ungebrochen hohe Nachfrage an Erdgas. Jährlich kommen rund 1500 Neuanschlüsse im Versorgungsgebiet hinzu.“ Allerdings vorwiegend in bereits erschlossenen Gebieten. „Das sind vor allem Hausbesitzer, die ihre Ölheizungen gegen Gasthermen austauschen.“ Wärmepumpen sind für diese Hausbesitzer rechnerisch nicht interessant. Bis 2030 rechnet Maier daher mit einem weiter stark ansteigenden Bedarf an Gas. Aktuell investiert die EnBW ODR rund 10 Millionen Euro in den Ausbau der Gashochdruckversorgung, die von Nördlingen in das Versorgungsgebiet nach Bopfingen führt.

Zukunftspläne

Das Gasnetz selbst wird sich indes weiter wandeln, verspricht Maier. „Aktuell werden dem Erdgas 10 Prozent an grün erzeugtem Wasserstoff beigemischt. Unsere Selbstversuche zeigen, dass wir bereits bis zu 30 Prozent Wasserstoff im Netz fahren könnten.“ Neu gebaute Leitungen und Anlagen würden bereits auf die Verwendung von 100 Prozent Wasserstoff ausgelegt.

„Dieser Wandel muss kommen“, erklärt Maier. „Nur so erreichen wir in Deutschland die Klimaneutralität.“ Dem Gasnetz kommt damit in Zukunft noch eine weitere Funktion zu: Die des Energiespeichers. „Für die Gewinnung von Wasserstoff wird bei der Elektrolyse viel Strom benötigt. Hier kommen die Spannungsspitzen von erneuerbarer Energie ins Spiel.“ Das so erzeugte Gas kann gespeichert und dann bei Bedarf wieder in Gasturbinen verfeuert werden, komplettiert Maier den Kreislauf: „Unser Ziel ist es, das Gasnetz bis 2040 voll von Erdgas auf Wasserstoff umgestellt zu haben. Das ist sportlich, aber unser Anspruch.“

Ich kann Bauherren nur dazu raten, Energie dezentral selbst zu erzeugen.“

Sebastian Maier, Technischer Vorstand EnBW ODR AG
Sebastian Maier
Bei Neubauten haben PV-Anlagen Priorität.

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