Klassenbuch wandert ins Museum

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Einst gefürchtetes Dokument von Fehltagen, Missetaten und entsprechenden Strafen, heute ein Fall fürs Museum: Helmut Mall (r.) übergibt das Klassenbuch von 1949/50 an Joachim Renschler.
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Der Abiturjahrgang von 1957 stiftet das Tagebuch, das ein Schüler "gesichert" hat, dem Geschichts- und Altertumsverein.

Ellwangen

Vor 60 Jahren haben sie am Peutinger Gymnasium Abitur gemacht. Jetzt sind sie um die 80 Jahre alt und feiern drei Tage lang ihr Klassentreffen. Beim Besuch im Schlossmuseum übergibt Helmut Mall, der das Treffen organisiert hat, das Ergebnis eines Schülerstreichs an den Vorsitzenden des Geschichts- und Altertumsvereins, Joachim Renschler.

Mall und seine ehemaligen Mitschüler, darunter auch der Ellwanger Richter im Ruhestand Hariolf Mangold, lassen im Thronsaal die alten Pennälerzeiten lebendig werden. Das Tagebuch der G1 (für Gymnasium, damals gab es auch eine Realschulklasse) ist aus dem Schuljahr 1949/50. Bei einer günstigen Gelegenheit, das Schularchiv musste umziehen und verlässliche Schüler durften helfen, nahm Helmut Mall das Buch an sich.

"In weißer Voraussicht", wie er betont, denn mittlerweile ist es das einzige Tagebuch vom Pennal, das aus dieser Zeit erhalten ist. Weil es somit ein historisches Dokument darstellt, soll es im Archiv des Schlossmuseums für Interessierte einsehbar bleiben. Dem Abiturjahrgang 1957 gehörten 39 Schüler und drei Schülerinnen an, sie waren zwischen 1933 und 1938 geboren, einige besuchten das Josefinum der Comboni-Missionare oder das Borromäum.

Wir waren 52 Schüler in einer Klasse. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen.

Helmut Mall Abiturient von 1957

Ihre gesamte Zeit am Gymnasium, das erst später in "Peutinger Gymnasium" umbenannt wurde, verbrachten die Männer und Frauen mitten in der Stadt, im "alten Pennal", wo heute das Landgericht ist. Obwohl die Prügelstrafe offiziell abgeschafft war, seien die Lehrer nicht zimperlich gewesen, erinnert sich Mall: "Einmal wurde einer von uns, Josef Stock, von einem Studienrat vor der versammelten Klasse regelrecht zusammengeschlagen. Das war richtig brutal.". Offensichtlich konnte mancher Lehrer die traumatische Kriegszeit nicht anders verarbeiten. Auch der Karzer, die Arrestzelle für Schüler, wurde noch genutzt. Die Strafen stehen als "Einträge" im Tagebuch. Berthold Strobel ("Der Klassenprimus", so Helmut Mall) erzählt, wie das Klassenbuch all die Jahre treulich verwahrt und geschätzt wurde. Bei allen Abiturtreffen, die seit 50 Jahren stattfinden, ist es dabei und wird mit viel Schmunzeln studiert. Mittlerweile trifft man sich alle fünf Jahre, nicht nur in Ellwangen sondern auch andernorts, wo die einstigen Abiturienten heute wohnen, sogar in Marseille. Ein Drittel der Abiturienten ist bereits gestorben, darunter auch Josef Stock, der später selbst Lehrer am Pennal wurde. An sie erinnerte Helmut Mall.

Ihre Erlebnisse aus der Schulzeit haben die Abiturienten von 1957 in der Festschrift zum 350-jährigen Bestehen des Gymnasiums in Ellwangen veröffentlicht.

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