Klaus Rommel gibt Reifenhandel auf

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Klaus Rommel (l.) und sein Werkstatt-Team: Zum 1. August ist endgültig Feierabend. Dann schließt er den Reifenfachhandel.
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Für den Reifenfachbetrieb, den der Vater 1967 in der Haller Straße aufbaute, hat der Ellwanger Unternehmer keinen Nachfolger gefunden.

Ellwangen

Diese Nachricht zwingt viele Fahrzeugbesitzer dazu, sich neu zu orientieren: „Reifen Rommel hört auf“. Der Fachbetrieb in der Haller Straße war seit über 50 Jahren erste Adresse für Autobesitzer, Spediteure, Bauunternehmen, Landwirte, wenn es darum ging, Kraftfahrzeuge und Maschinen neu zu bereifen.

„Wir waren von Beginn an Vollsortimenter, haben alles gemacht, vom Motorrad bis zum größten Radlader. Traktoren, Baumaschinen, Sattelzüge“, beschreibt Klaus Rommel das Geschäftsfeld seines Betriebs.

Gegründet haben es noch die Großeltern Willy und Klara in Bühlertann. Hinter dem Gasthof „Stern“ war die erste Spedition, die Reifenhandlung baute sich später Sohn Helmut auf. 1967 erfolgte dann der Umzug nach Ellwangen, als das Autohaus Borst in den Neubau, Ecke Siemensstraße wechselte. Die alte KFZ-Werkstatt von Borst war für den Vater Helmut ein idealer Standort, um die Spedition und Reifenhandlung auszubauen.

„Damals haben wir die Lastwagen noch im Freien montiert“, erinnert sich Klaus Rommel. Erst 1972 wurde die Halle errichtet, in der noch immer der Reifenwechsel stattfindet. Die Spedition Rommel, die heute der Bruder Helmut betreibt, wurde 1995 abgetrennt und in das Industriegebiet Neunheim verlagert. Klaus Rommel übernahm 1998 die Reifenhandlung.

600 Reifensätze hat Klaus Rommel heute eingelagert. Sie stehen für 600 Privatkunden, die sich im kommenden Herbst für den Reifenwechsel ihres Fahrzeugs nach einem neuen Fachbetrieb umschauen müssen. Darunter auch die Besitzer von Oldtimern, für die Klaus Rommel immer wieder auch seltene Reifengrößen besorgte. Er ist seinen Kunden dankbar, dass sie ihm bis heute die Treue hielten.

Die gewerblichen Kunden hätten sich bereits umorientiert, sagt er: „Große Bauunternehmen und Speditionen unterhalten mittlerweile eigene Werkstätten und haben Maschinen für den Reifenwechsel.“

Reifen Rommel hatte auch die erste Auto-Waschstraße der Stadt. Mit staunenden Blicken fuhren hier viele Ellwanger ihr „Heiligs Blechle“ zum ersten Mal zwischen den rotierenden Bürsten hindurch. Klaus Rommels Angebot an Cabriofahrer „Bei offenem Verdeck ein Waschgang gratis“ ist legendär, auch wenn es nie angenommen wurde.

Und warum hört er jetzt auf?

Klaus Rommel: „Ich werde jetzt 63. Vor vier Jahren gab mir ein Arzt eine blöde Diagnose. Ich hab dann zwar doch noch TÜV bekommen, aber die Entscheidung aufzuhören und mehr auf meine Gesundheit zu schauen, war gefallen.“

Der Reifenhändler suchte nach einem Nachfolger, der den Betrieb übernehmen könnte. Er hatte auch zwei aussichtsreiche Interessenten, die einige Zeit im Betrieb mitarbeiteten. Letztlich hatte aber keiner von ihnen den unternehmerischen Mut, weshalb Klaus Rommel schließlich die Immobilie privat verkaufte.

Die zwei Mitarbeiter in der Werkstatt und seine Sekretärin haben sich bereits neu orientiert. Am 1. August wird Klaus Rommel die Werkstatt endgültig zuschließen, auch wenn es ihm nicht leicht fällt, weil damit eine lange Familientradition endet.

Bei offenem Verdeck ein Waschgang gratis.“

Klaus Rommel, Angebot an Cabriofahrer

Firmengeschichte der Familie Rommel

1932: Willy und Klara Rommel gründen in Bühlertann eine Spedition, Sohn Helmut nach dem Krieg den Reifenhandel.

1967: Die Familie Rommel zieht mit dem Unternehmen nach Ellwangen in die ehemalige Werkstatt von VW- Borst.

1985: Helmut Rommel sen. übernimmt Spedition und Reifenhandlung. Die Spedition wird 1992 in das Gewerbegebiet Neunheim verlagert.

1995: Helmut Rommel jun. übernimmt die Spedition, Klaus Rommel 1998 die Reifenhandlung.

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