Klinikdebatte: Rückhalt für OB Dambachers Wortwahl

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Bleibt die Virngrund-Klinik in Ellwangen erhalten?
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Im Verwaltungsausschuss stärkten die meisten Gemeinderäte dem Oberbürgermeister den Rücken.

Ellwangen. Unter Punkt „Sonstiges“ war am Donnerstag im Verwaltungsausschuss einmal mehr die Klinikdebatte Thema. 

Franz-Josef Grill (Freie Wähler/Freie Bürger Ellwangen) übte heftige Kritik an den Äußerungen des Aalener OB Frederick Brütting. Den Standort Ellwangen zum jetzigen Zeitpunkt einfach in Frage zu stellen, „das geht einfach nicht. Und da erwarte ich von unserem OB einfach, dass er für Ellwangen Stellung bezieht, was er auch getan hat.“ Wenn Michael Dambacher dann dafür von Mandatsträgern aus Ellwangen kritisiert werde, dafür habe er überhaupt kein Verständnis. Grill: „Das grenzt für mich an Mentalaskese.“

Herbert Hieber fühlte sich angegriffen und verteidigte sich. Seine Kritik habe sich nicht gegen Dambachers Meinung, sondern nur gegen die Verwendung des Begriffs “asozial“ gerichtet. Dass er die Meinung seines Parteigenossen Brütting teile, könne man daraus nicht schließen. Hieber: „Ich habe von der CDU gelernt, parteiinterne Kritik nicht öffentlich, sondern hinter verschlossenen Türen zu äußern. Brütting habe ich hinter den Kulissen gesagt, was ich von seinem Vorpreschen halte.“ Die SPD-Fraktion stehe nach wie vor absolut loyal zu Michael Dambacher. „Wir schätzen ihre Arbeit, aber wir waren überrascht von ihrer Wortwahl.“

Rudolf Wiedmann (CDU) dagegen stellte sich auch hinter die Wortwahl von Oberbürgermeister Michael Dambacher und zeigte keinerlei Verständnis für die Äußerungen von Brütting. Die Virngrundklinik sei die beste der drei Kliniken, weil sie die geringsten Verluste mache. Das sei einfach Fakt. Wer dem Standort dennoch die Zukunft abspreche, verdiene eine entschiedene Antwort. „Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil“, kommentierte er Dambachers Wortwahl, womit er „asozial“ als geeigneten Keil betrachtete.

Schließlich zog Michael Dambacher den Schlussstrich unter diese Debatte und erklärte, dass er mit seiner Wortwahl Brüttings Agieren als “gesellschaftsschädigend“ bezeichnen wollte und genau das sei auch die Definition des verwendeten Begriffs. „Dazu stehe ich“, sagte Dambacher, weil Brüttings Vorgehensweise, zum wiederholten Mal den vereinbarten Weg, nämlich noch keine Standortdebatte zu führen, zu verlassen, tatsächlich die Gemeinschaft im Ostalbkreis schädige.

Das Wort “asozial“ sei auch kein Angriff auf die SPD gewesen, sagte der OB, und: „Für mich ist das Thema damit erledigt.“ 

Ob damit wirklich alle Unklarheiten beseitigt sind, bleibt abzuwarten. Die Meinungsverschiedenheit macht jedenfalls deutlich, dass die zunehmend emotionaler geführte Klinikdebatte allmählich droht, für die Gremien zu einer Belastungsprobe zu werden. Weil sie auf allen Ebenen und selbst im Privaten geführt wird und alles andere überlagert, wenn sie zu einer reinen Standortdiskussion absinkt.

Schulessen wird teurer


Die beiden Gemeinschaftsschulen Mittelhof und Buchenberg werden mit Mittagessen aus der Küche der Virngrundklinik versorgt. Jetzt wurde eine Preisanpassung von derzeit 3 auf künftig 4 Euro pro Mahlzeit angekündigt. Bernd Beckler, Leiter des Amts für Bildung und Soziales, erläuterte den Umfang der Essensversorgung: 21 000 Essen wurden 2021 ausgegeben, die Anlieferung und die Ausgabe bezahle die Stadt. Die Preiserhöhung sei aufgrund der allgemeinen Teuerung gerechtfertigt. Die Schülermahlzeiten an den Mensen der umliegenden Schulen kosteten bereits 4 beziehungsweise 4,50 Euro.

Herbert Hieber meinte: „Die Erhöhung wird für manche Eltern, die mehrere Schulkinder haben, bitter werden.“ Kritik richtete sich gegen das Land Baden-Württemberg, das sich „...gewaltig einen schlauen Fuß macht, wenn es sagt, das Schüleressen gehöre nicht zum Bildungsauftrag.“ Die Zahl übergewichtiger Kinder nehme immer weiter zu, was die Notwendigkeit eines gesunden und ausgewogenen Schüleressens unterstreiche. „Für mich gehört das Schüleressen sehr wohl zum Bildungsauftrag.“

Hieber meinte, man sollte sogar anstreben die Zahl der ausgegebenen Mahlzeiten noch zu steigern, damit weniger Kinder über Mittag in die Stadt gehen, um sich mit Süßigkeiten vollzustopfen.

Die Mehrkosten für die Stadt liegen bei 21 000 Euro. Der Preiserhöhung um einen Euro stimmte der Ausschuss geschlossen zu.

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