Konversion ohne städtebaulichen Wettbewerb

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Interessierte bei einer Besichtigung des Technischen Bereichs der ehemaligen Reinhardt-Kaserne.
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Der Gemeinderat setzt bei „Ellwangen Süd“ auf das Konzept des Stadtplanungsamts.

Ellwangen. Eine längere Diskussion entwickelte sich am Donnerstagabend bei der Gemeinderatssitzung in der Stadthalle um das weitere Vorgehen in Sachen Konversion „Ellwangen Süd“. Auf dem Gelände der ehemaligen Reinhardt-Kaserne soll ein neuer Stadtteil für Wohnen und Dienstleistungen entstehen, der in Sachen Ökologie, Energieversorgung, Mobilität und sozialer Durchmischung Maßstäbe setzt. Strittig war, ob das bereits weit gediehene Konzept des Stadtplanungsamtes weitergeführt werden soll, oder ob man über einen städtebaulichen Wettbewerb ganz neue Ideen einholen sollte.

Stadtplaner Klaus Ehrmann und Michael Bader machten deutlich, dass sie von einem Wettbewerb nicht wirklich elementar Neues erwarten, weil bereits beim vorliegenden Konzept unterschiedlichste Ansätze geprüft worden waren. Ein Wettbewerb werde aber einen erheblichen Betreuungsaufwand auslösen und die weitere Entwicklung der Fläche um mindestens eineinhalb Jahre aufhalten. „Wettbewerbe sind wichtig, aber dieser ist nicht erforderlich“, sagte Ehrmann.

Hariolf Brenner (FW/FBE) sah den zeitlichen Druck nicht. Das Konzept sei eine „super Vorlage für einen Wettbewerb“. Er hielt es für „nicht vertretbar“ gegenüber der Bürgerschaft, das Zukunftsgebiet der Stadt schlechthin ohne Wettbewerb umzusetzen.

Ganz ähnlich argumentierten Rudolf Kitzberger von den Grünen sowie Andre Zwick und Herbert Hieber von der SPD und verlangten für das bereits gute Konzept den „Blick von außen“ noch hinzu zu holen (Hieber).

Auch Berthold Weiß (Grüne) ließ das Argument Zeit nicht gelten: „Man hätte die vergangenen zehn Monate schon für den Wettbewerb nutzen können.“ Er sprach die Umnutzung bestehender Gebäude an, Einsparung von Energie und CO2-Ausstoß durch Erhalt vorhandener Strukturen. Ideen dazu könne ein Wettbewerb bringen.

OB Michael Dambacher machte deutlich, dass frühestens 2024 oder 2025 eine Bebauung beginnen könne.

Gunter Frick (FW/FBE) meinte: „Gas geben.“ Ein Wettbewerb könne das Konzept allenfalls in der Stilnote verbessern. Der ökologische Gewinn, Beton in Grün verwandeln, könne nicht schnell genug umgesetzt werden.

Bettina Vierkorn-Mack (CDU) sprach die Wohnungsnot an. Zeitliche Verzögerung und Mehrkosten durch den Wettbewerb würden zu einer Verteuerung führen, was dem sozialen Anspruch entgegenlaufe.

Fritz Widmann (CDU) sah den Wettbewerb kritisch, weil am Ende eine Jury die wesentliche Entscheidung treffe.

Martin Sartor (FW/FBE) war vom Konzept des Stadtplanungsamts nicht überzeugt. „Ellwangen hat etwas Außergewöhnliches verdient“, der vorliegende Plan habe „den Charme einer Dixiklo-Aufstellung“.

Die Abstimmung wurde auf Antrag des Oberbürgermeisters einzeln und namentlich durchgeführt. Elf Personen (Grüne, SPD, Hariolf Brenner) stimmten für den Wettbewerb, 18 dagegen, zwei enthielten sich (Thilo Dostal, Georg Mai).

In weiteren Abstimmungen wurde beschlossen, eine Bürgerbeteiligung durchzuführen. Die öffentliche Planungswerkstatt soll am 26./27. November stattfinden. Außerdem wurde beschlossen in den weiteren Planungsprozess ein Landschaftsplanungsbüro für die „grüne und blaue Infrastruktur“ einzubinden. Gerhard Königer

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