Kreativ gegen die Krise

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Wurst und Fleisch vom Abholfenster: Der komplette Geschäftsprozess ist bei Metzger Vitus Bühler (links) nun digital.
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Wie Metzger und Bäcker mit neuen Angeboten und Zelten der Krise trotzen und die Kundschaft halten.

Ellwangen-Neunstadt

Bei Vitus Bühler aus Ellwangen-Neunstadt ist rund um die Metzgerei richtig was los. Fast ein Dutzend Autos steht dort. Die Schlange unter dem extra aufgestellten Zelt vor seinem Geschäft hält sich trotz Abstand dennoch in Grenzen – auch wenn nur zwei Kunden in den Laden dürfen. Der Grund: Der Geschäftsprozess "Wurst und Fleisch einkaufen" ist bei Bühler nun vollkommen digitalisiert.

Bei Facebook ist er sowieso, einen Onlineshop mit Versand gab es ebenfalls schon. Da war der letzte Schritt schon fast logisch: Alles, was im Ladengeschäft erhältlich ist, kann nun per App bestellt werden. Bezahlt wird ebenfalls bequem online, mit der Bestellnummer fährt man dann im Grunde fast wie bei einem Drive-in Schalter zum Abholfenster. Der Laden muss nicht mehr betreten werden.

"Die Idee hatten wir schon beim ersten Lockdown, aber konnten sie erst jetzt umsetzen", erklärt Bühler. Mit App und neuem Vordach am Abholfenster hat er zwar Geld in die Hand genommen, doch es lohnt sich für ihn. "Eine Stunde Vorlauf brauchen wir aber, bis wir die gewünschte Ware verpackt haben", so Bühler.

Markus Bengelmann, Inhaber der Metzgerei Bengelmann in Ellwangen, hat auf den erneuten Lockdown ebenfalls kreativ reagiert. "Die Corona-Verordnung erlaubt mir nur drei Kunden gleichzeitig im Ladengeschäft. Das ist vor allem am Samstag unmöglich umzusetzen, da wir dann normalerweise bis zu 400 Kunden bedienen. Die Schlange mit Corona-Abstand würde bis über den Marktplatz reichen." Daher gibt es bei Bengelmann nun samstags einen Expressservice. "Wir haben ein zusätzliches Wlan-Bezahlgerät besorgt und mit einer Registrierkasse gekoppelt. Zusammen mit einem Rednerpult und Plexiglas-Schirm kann man nun am Wareneingang an der Seite des Gebäudes die vorbestellte Ware abholen."

Die Schlange mit Corona-Abstand würde bis über den Marktplatz reichen.

Markus Bengelmann Metzger

Die Vorbestellung hat Bengelmann ebenfalls so komfortabel wie möglich gemacht. Per Telefon, E-Mail oder Formular auf der Website kann unter der Woche bis spätestens Freitag vorbestellt werden. Die Ware wird dann nach Bestellung verpackt und kann samstags in der Wunsch-Filiale abgeholt werden. Damit mehr Kunden auf diesen Service aufmerksam werden, pinnt die Metzgerei Flyer mit QR-Code zum Formular an die Einkaufstüten. Die Kundschaft nehme es gerne an, versichert Bengelmann.

Etwas traditioneller, aber ebenfalls flexibel und kreativ geben sich die Bäcker. "Wir haben draußen ein Zelt aufgestellt, damit die Leute nicht so frieren und auch vor Regen und Schnee geschützt sind", berichtet Reinhold Stöcker aus Rosenberg. Beim "Stöcker's Beck" kann man auch vorbestellen. Per E-Mail ist zwar bei ihm auch möglich, aber wenn es noch am selben Tag sein soll, am liebsten telefonisch. "Noch einfacher und schneller geht es, wenn der Kunde gleich bei der Abholung die nächste Bestellung aufgibt und im Voraus mit bezahlt." Viele seiner Kunden sind Stammkunden, "die wissen meist eh schon ganz genau, was sie wollen."

Dieser Bestellservice wird auch gut angenommen, versichert er: "Mehr als 80 Vorbestellungen habe ich inzwischen fürs Wochenende. Für die Kunden und mich ist das viel einfacher."

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