"Kriegen keine Autos mehr": Beißwenger zieht Notbremse

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Ein Autohaus ohne Autos. Wegen immer größerer Lieferschwierigkeiten beim Händler sah sich Unternehmer Ralf Beißwenger veranlasst, sein Autohaus zum Jahreswechsel zu schließen.
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Ellwanger Autohaus schließt nach 25 Jahren überraschend wegen Lieferschwierigkeiten. Die Mitarbeiter haben neue Jobs gefunden.

Ellwangen

Unternehmer Ralf Beißwenger hat sein Citroën-Autohaus im Ellwanger Gewerbegebiet Neunheim zum Jahreswechsel nach rund 25 Jahren überraschend geschlossen – für immer. Die Entscheidung, verrät der Gründer und Geschäftsführer, sei ganz kurzfristig gefallen. Schuld ist der Fahrzeugmangel beim Hersteller.

"Wir kriegen ja keine Autos mehr", beschreibt Beißwenger die Lage, die jeden Autohändler in Verzweiflung stürzt. Die Kunden bestellen, der Hersteller liefert nicht oder nur extrem schleppend. "Im Jahr 2021 haben wir nur 10, 15 Prozent der bestellten Fahrzeuge bekommen", ärgert sich Beißwenger. So sei wirtschaftliches Arbeiten nicht mehr möglich: "Wenn die Lieferketten nicht funktionieren, wie will man da Geld verdienen?"

In der Tat haben sich die Lieferzeiten für Neuwagen - unter anderem, weil den Herstellern in der Produktion die Halbleiter fehlen - zuletzt extrem verlängert. Sie betragen in Deutschland je nach Modell mitunter zwischen einem halben und sogar einem ganzen Jahr. Das Geislinger Institut für Automobilwirtschaft geht laut Presseberichten davon aus, dass sich die Problematik langer Lieferzeiten noch bis weit in dieses Frühjahr hinein verschärft: Mit einer schnellen Entspannung rechnen Experten auch danach nicht.

Ein Autohaus fast ohne Autos: Verfügte Beißwenger in früheren Zeiten über einen Bestand von 140 bis 160 Fahrzeugen, so waren es im Herbst 2021 noch ganze 3. "Und kein einziges Nutzfahrzeug darunter, dabei waren Nutzfahrzeuge früher ein wichtiger Geschäftszweig für uns", sagt der 52-Jährige, der sein Unternehmen im Jahr 1997 gegründet und mit der Übernahme des ehemaligen Autohauses Andreas Ziegler als Mitsubishi-Händler begonnen hatte.

Fast genauso schwierig sei die Situation bei den Ersatzteilen für die Autowerkstatt. Ein Ende der Dauerkrise sei nicht in Sicht, so Beißwenger, deshalb habe er nun die Reißleine gezogen. „Da sind wir nicht die ersten und werden nicht die letzten sein, die aufhören“, glaubt er. Vorwürfe gegen den Hersteller erhebe er aber keine. Auch dieser könne am Halbleitermangel nichts ändern.

Perspektiven für alle 14 Mitarbeiter

Die zuletzt 14 Mitarbeiter im Autohaus haben laut dem Geschäftsführer alle eine neue Beschäftigung gefunden. Lediglich eine Person wollte sich noch Zeit mit der Jobsuche lassen. Der Ausbildende sei an einen befreundeter Autohändler vermittelt worden.

Die Immobilie im Gewerbegebiet Neunheim mit dem 2014 eröffneten Ausstellungsgebäude ist in Beißwengers Eigentum. Er möchte sie nun verpachten. Sich selbst will der Unternehmer zur Ruhe setzen. "Ich bin nach 26 Jahren im Autohandel rentenreif", erklärt er.

Zurzeit beantwortet Ralf Beißwenger aber noch Anfragen, die Kunden per E-Mail an das Autohaus schicken. Für Kunden, die Räder eingelagert haben, bietet das Autohaus Beißwenger im April zwei letzte Radwechseltermine an. Nach Vereinbarung können die Kunden ihre eingelagerten Räder auch abholen. Andere verweist Beißwenger auf die Händler der Umgebung.

Citroën-Autohäuser gibt es unter anderem in Abtsgmünd, Schwäbisch Hall-Hessental sowie Wittelshofen bei Dinkelsbühl. Zudem wird auch Aalen im Autohaus Spiegler eine Citroën-Vertretung bekommen. Das gab die Autolöwen GmbH aus Schwäbisch Hall, die das traditionsreiche Autohaus zum 1. Januar übernommen hat, bekannt. Als dritte Hauptmarke führt Spiegler dann neben Opel und Peugeot auch Citroën.

Bei Hyundai – hier war Beißwenger von 2002 bis 2020 Vertragshändler und bot zum Schluss noch Service an – ist das Händler- und Werkstattnetz sogar noch wesentlich umfangreicher.

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